Siebenhundertdreiundfünfzig

Ingrid’s Vater ist gestern gestorben.

Ich habe ihn nur ein einziges Mal gesehen, nämlich bei Fiona’s Hochzeit, und AFAIR kein einziges Wort mit ihm gewechselt.
Damals schien er gesundheitlich fit für sein Alter. Vor ein paar Wochen hatte er dann einen Schlaganfall.

Die Trauerfeier soll in ein paar Tagen im Ort, wo Carsten’s Landhaus steht, stattfinden, weil jener einige Jahrzehnte dort gewohnt hat (bevor er vor etlichen Jahren mit seiner Frau in eine Seniorenwohnanlage gezogen ist). Details stehen aber noch nicht fest.

Carsten will, dass ich mitkomme, aber ich habe keine so rechte Lust, bin mir unschlüssig, ob meine Anwesenheit überhaupt angemessen wäre. Verena und Fiona möchten mich sicher auch nicht dabei haben.
Hat jemand Erfahrung, ob in einem solchen Fall meine Anwesenheit passend wäre?

Ich möchte mich nicht unbedingt drücken, aber irgendwie behagt mir der Gedanke nicht, und vermutlich wäre vielen Trauergästen meine Teilnahme eher unangenehm.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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40 Antworten zu Siebenhundertdreiundfünfzig

  1. aliasnimue schreibt:

    Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass Du hingehen solltest. Es ist eine Frage des Respekts. Auch Carstens Vergangenheit gehört nun zu Dir.

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  2. Banaus schreibt:

    Du gehörst zu Carstens Leben, bist Carstens (bessere) Hälfte. Du solltest bei ihm sein, wenn er trauert und erst recht, wenn er diese Trauer feiert.
    Abschied von einem lieben Menschen ist nie angenehm, da spielt die Anwesenheit einer unangenehmen Erinnerung keine erntzunehmende Rolle und wenn doch, trauert der gestörte nicht richtig. So what?!

    Kleidung: Schattierungen und Nuancen von Schwarz, eher lang, von unsexy war keine Rede. Empfehlenswert: viele (Groß-)Packungen Tempo in der Handtasche. Kommt immer gut!

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    • breakpoint schreibt:

      So eine enge Beziehung zu seinem ersten Schwiegervater hatte Carsten nicht, dass er jetzt sehr trauern würde.
      Der Tod eines Bekannten ist aber natürlich immer eine Angelegenheit, die einen nachdenklich stimmt und an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert.

      An spezielle Kleidung hatte ich jetzt noch gar nicht gedacht, aber ich habe da wohl was einigermaßen passendes.

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  3. plietschejung schreibt:

    Ich würde hingehen und an deiner Stelle etwas unauffälliges, gedecktes anziehen. Du musst nur da sein und keinen Grund zu Getuschel geben.

    Deine Beziehung zu Ingrid’s Vater ist irrelevant, es geht darum, dass Carsten trauert, du seine Frau bist und ihm beistehst.

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    • breakpoint schreibt:

      Wenn du das so siehst, dann gehe ich halt hin.

      Es mutet aber schon irgendwie befremdlich an, wenn der Schwiegersohn des Verstorbenen mit einer anderen Frau auftaucht.

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      • plietschejung schreibt:

        Das mag sein. Es kann auch sein, dass man sich das Maul über dich zerreißt. Aber ich kenne deine Verhältnisse nicht (möchte ich auch nicht).
        Ich finde, es zeigt, dass du Stil hast und dass du zu deinem Mann stehst, egal, was früher einmal war. Es ist ein starkes Signal an alle, die dort sein werden.

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        • breakpoint schreibt:

          Da ich selbst keinerlei direkte Beziehung zum Verstorbenen hatte, sondern nur auf diese wohl recht seltene Weise involviert bin, muss ich wohl mit gewissen Vorbehalten rechnen.

          Ich erinnere mich da an einen ähnlichen – naja, nicht genau gleich gelagerten, aber doch vergleichbaren – Fall in meinem Heimatort.
          Da herrschte der Konsens, dass es pietätlos und eine Zumutung für die Angehörigen gewesen sei, dass eine gewisse Person es gewagt hätte, teilzunehmen.

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  4. Delicatus schreibt:

    Du solltest hingehen.

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  5. schaum schreibt:

    eine frage des anstandes, ja du solltest gehen.

    es schäumt meinesicht

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  6. Lehrerin schreibt:

    Es wurde schon von allen gesagt und ich kann mich nur anschließen: Steh zu Carsten und geh mit ihm hin.

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  7. ednong schreibt:

    Erfahrung habe ich damit keine. Mein Gefühl sagt, du solltest hingehen. Du bist schließlich „Bestandteil“ seines Lebens, zu dem auch sein erster Schwiegervater gehört. Anders wäre es, würde er nicht gehen.

    Außerdem wird sich die Witwe durch den Beistand gestärkt fühlen.

    Wenn die erste Frau Carstens noch leben würde – wer weiß, ob er dich nach seiner Scheidung geheiratet hätte. Und selbst, wenn sie noch dabei wäre – solange da keine „Streitereien“ um „Rangfolgen“ am Grab oder ähnliches ausbrechen, wäre es auch da nicht schädlich, wenn du dabei wärst. Aber das sind eh alles überflüssige Hypothesen.

    Geh hin, wenn du um ihn trauerst.

    Das Captcha paßt: only way to be sure

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    • breakpoint schreibt:

      Dass Carsten hingeht, galt von Anfang an als selbstverständlich. Den Termin muss er sich halt ggf. freischaufeln.

      „Außerdem wird sich die Witwe durch den Beistand gestärkt fühlen.“
      Kann ich nicht nachvollziehen.

      „Geh hin, wenn du um ihn trauerst.“
      Wieso sollte ich um ihn trauern? Ich kannte ihn doch überhaupt nicht.
      Sollte ich jetzt scheinheilig Trauer heucheln?
      Er war um die achtzig. Da hat er sein Leben gelebt. Er hatte, meine ich, ein gutes Leben, nur die letzten Wochen pflegebedürftig.
      Tagtäglich sterben viele Menschen, die meisten jünger, manche unter tragische Umständen.

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      • ednong schreibt:

        >>“Außerdem wird sich die Witwe durch den Beistand gestärkt fühlen.“
        Kann ich nicht nachvollziehen.<<

        Warum sollte sie sich nicht gestärkt fühlen?

        >>Ich kannte ihn doch überhaupt nicht.<<
        Ok, ich überlas „kein Wort … gewechselt.“ Dann trauerst du nicht um ihn, das ist nachvollziehbar. Dann fällt dir eben die „Begleiterrolle“ deines dir Angetrauten zu. Da erscheint es den Anderen unhöflich, wenn du nicht mit dabei bist.

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        • breakpoint schreibt:

          „Warum sollte sie sich nicht gestärkt fühlen?“
          Warum sollte es irgendeinen („stärkenden“) Einfluss haben, ob da eine wildfremde Person anwesend ist?

          „Begleiterrolle“
          Genau, ich komme nur als Begleitung mit.

          „unhöflich“
          Leuchtet mir auch nicht so ganz ein. Als Begleiterin des Schwiegersohns wünscht man sich doch nur die eigene Tochter, und nicht eine Nachfolgerin.

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          • ednong schreibt:

            „GEstärkt fühlen“ kann ich dir nicht erklären. Da mußt du schon die Trauernden fragen, willst du es wissen.

            Begleiterrolle ist nicht abwertend gemeint von mir.

            „Als Begleiterin des Schwiegersohns wünscht man sich doch nur die eigene Tochter, und nicht eine Nachfolgerin.“ – nee, das glaube ich nicht. Ich glaube, das siehst du zu eng. Ich kenne sogar „Schwiegereltern“, die nach einer Scheidung besseren Kontakt zur Ex-Schwiegertochter haben als zum eigenen Sohn.

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            • breakpoint schreibt:

              „Begleiterrolle“ wurde von mir nicht als abwertend aufgefasst.

              Und was halten die Schwiegereltern in deinem Beispiel vom neuen Partner ihrer (Ex-)Schwiegertochter (da gibt es kein „Ex“, das gilt lebenslang und darüber hinaus).

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  8. engywuck schreibt:

    Je nachdem wie es genau bei euch püblich ist (lokale Sitten, Familiensitten, …) könnt ihr ja evtl. anbieten, das Totenmahl/Leichenschmaus/whatever auszurichten oder bei entsprechender Größe auf eurem Grundstück stattfinden zu lassen.
    Dann bist du ganz natürlich mit dabei und es kann sich keiner das Maul zerreissen „die hat sich auf unsere Kosten den bauch vollgeschlagen obwohl sie ja nur…“

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    • breakpoint schreibt:

      Nach den Gepflogenheiten hier – und so ist es auch vorgesehen – wird die Witwe die Kosten übernehmen (kann sich das leisten) und der Sohn die Organisation übernehmen (kennt sich aus, da etliche Jahre hier gewohnt).
      Falls nötig, leistet Carsten gerne Hilfestellung.

      Leichenschmaus auf unserem Grundstück? Willst du, dass ich Albträume bekomme?
      Auf diese Idee ist sonst wirklich noch niemand gekommen. Es eignet sich auch gar nicht dafür.
      Und falls doch, würde ich es ganz sicher nicht dort aushalten, sondern in die Stadt flüchten.

      Ich habe eigentlich nicht vor, auf dem Leichenschmaus etwas zu verzehren.

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  9. Windmuehle schreibt:

    Letzten Endes ist es zweitrangig, ob du teilnimmst oder nicht. Die Anwesenden werden sich so oder so hinter vorgehaltener Hand das Maul zerreißen, zumindest wird es Getuschel geben.

    Ausschließlich deinem Mann zuliebe solltest du mitgehen. Aus keinem anderen Grund.
    Zum Leben gehören eben auch hin und wieder Kompromisse.

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    • breakpoint schreibt:

      Ob über mich getuschelt wird oder wasimmer ist mir nebensächlich.
      Mir geht es darum, ob meine Anwesenheit evtll. die Trauernden brüskiert, oder sie in ihrem Schmerz auch noch an ihren früheren Verlust erinnert.

      Nur weil mein Mann es wünscht, komme ich trotzdem mit.

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  10. breakpoint schreibt:

    FünfhundertsiebenundfünfzigGestern nachmittag war die Trauerfeier für Ingrid’s Vater.

    Zeitlich war es so gelegt, dass die meisten der auswärtigen Trauergäste nicht zwingend hier übernachten mussten. Die Witwe und Paul, der Sohn, waren aber doch schon am Vorabend angereist und…

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  11. breakpoint schreibt:

    AchthundertzweiIngrid’s Mutter hat ihren Mann nicht lange überlebt, und ist vor einigen Tagen gestorben.
    Mir blieb kaum etwas anderes übrig, als Carsten wieder zur Trauerfeier zu begleiten.
    Kirche, Friedhof, Leichenschmaus – wie bereits bei Ingrid’s Vater.

    Erwäh…

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