Siebenhundertdreiunddreißig

Patrick war letztes Wochenende ja ziemlich überstürzt aufgebrochen.

Deshalb verwundert es nicht, dass er vergessen hat, einiges einzupacken.
So fand die Haushälterin unter seinem Kopfkissen eine gebundene Ausgabe eines einschlägigen Pickup-Buches.

Als Carsten es kurz durchblätterte, meinte ich: „Das ist eigentlich keine geeignete Lektüre für dich.“
„Wieso nicht? Kennst du das Buch?“
„Nö, kenne ich nicht, aber ich schätze deine Interessen anders ein.“
„Meine Interessen sind es momentan, zu erfahren, was meine Tochter an diesem Windhund findet. Und da erschreckt es mich schon, welche manipulative Techniken er einzusetzen scheint.“
„Ach, du solltest die Wirksamkeit dieser Techniken nicht überschätzen. Da geht es hauptsächlich darum, dass Männer versuchen, das Verhalten von Frauen richtig zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren“, antwortete ich gelassen, „es ist recht amüsant, und manchmal fast rührend, wie sie versuchen, eine Wissenschaft daraus zu machen.“
„Und du befürwortest diese miesen Tricks offenbar noch!“, entgegnete er gereizt, „ich werde da mal genauer nachforschen.“

Sprach’s und verschwand über zwei Stunden in seinem Arbeitszimmer.
Er war das ganze restliche Wochenende kaum ansprechbar und nicht gesprächig.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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44 Antworten zu Siebenhundertdreiunddreißig

  1. Leser schreibt:

    Haha, ja, „PUA“ ist schon eine krasse Nummer. War mir immer zu primitiv/manipulativ, um mich damit näher zu beschäftigen. OK, ich habe ein paar Youtube-Videos dazu gesehen, aber wenn man dann merkt, wie diese Typen drauf sind (z.B. Frauen auf ihr Geschlechtsteil zu reduzieren, in welches sie eindringen wollen, und aber gleichzeitig der Frau – die ich hier wirklich auch als „armes Opfer“ sehen kann, wenn sie sowas nicht kennt/gewohnt ist und weiß, worauf sie sich einlässt – den „schönsten Tag ihres Lebens“ bescheren zu wollen, um dann als „Preis“ die Nacht mit ihr abzustauben usw.), dann vergeht es einem ganz schnell. Menschenwürde ist jedenfalls was anderes.

    Dennoch wäre es eine tolle Sache, wenn die Tochter das Buch zugeschickt bekäme, mit dem Auftrag, es an seinen Eigentümer weiterzuleiten….vielleicht wusste sie davon nichts, vielleicht kapiert sie dann, worauf sie reingefallen ist…

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    • breakpoint schreibt:

      Du beschreibst da eher die extremen Auswüchse, und bist zurecht darüber entsetzt.
      Aber es gibt dabei auch gemäßigtere Versionen, die Männern z.B. überhaupt erst mal das nötige Selbstbewusstsein gibt, eine Frau anzusprechen, oder Hinweise, wie mann mit einer Frau ins Gespräch kommt.
      Außerdem gehören zur Manipulation immer zwei: einer, der manipuliert, und einer, der sich manipulieren lässt.

      Verena das Buch zukommen zu lassen, ist eine gute Idee.

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      • Leser schreibt:

        Es ist richtig, dass der Aufbau des Selbstbewusstseins zu begrüßen ist, allerdings ist das bei „PUA“ eben in einem absolut widerlichen Kontext, daher empfehle ich doch jedem, es auf andere Weise zu versuchen. Und ja, die Opfer sind meist „jung&naiv“…

        Die Reaktion von Verena auf das Buch (am besten wäre natürlich, wenn Patrick seinen Namen vorne rein geschrieben hätte, aber das ist ja heute nicht mehr so üblich) wird dann hoffentlich auch wieder hier verbloggt? Obwohl ich leider noch keine gute Idee für die Inkorporation der Seifenoper in den Blog-Untertitel hatte.

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        • breakpoint schreibt:

          „die Opfer sind meist „jung&naiv“…“
          Meinst du damit die Männer, die versuchen PU anzuwenden, oder die Frauen, die darauf reinfallen?

          „Die Reaktion von Verena auf das Buch [..] wird dann hoffentlich auch wieder hier verbloggt?“
          Ich kann erst mal nur anregen, dass ihr das Buch zugeschickt wird. Bis sie es bekommt, wird es etwas dauern, und ob ich ihre Reaktion überhaupt (gleich) mitkriege, ist zweifelhaft.

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          • Leser schreibt:

            Eigentlich meinte ich eher die Frauen, aber auf die Männer, die zu „PickUp-Coaches“ gehen und dort tausende von Euros lassen, trifft das vielleicht auch zu.

            Schön, eine Fortsetzungsgeschichte mit Pausen dazwischen. Steigert die Spannung (wer mich/meine Kommentare halbwegs kennt, weiß, dass in dieser Aussage ein Großteil Ironie steckt).

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            • breakpoint schreibt:

              Ja, es mehren sich die jungen Männer, die von PU enttäuscht sind, weil das „Game“ nicht die erhoffte Wirkung hat.

              Ob es davon eine Fortsetzungsgeschichte gibt, wissen höchstens die Drehbuchautoren meines Lebens.

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  2. sweetsurrender schreibt:

    Wie furchtbar zusehen zu müssen, wie solch ein Mensch Einfluss auf das eigene Kind nimmt. Und etwas anderes kann er auch nicht tun. Nur warten und da sein, wenn seine Tochter ihn braucht. Ich hoffe, er kann mit Dir darüber reden, dass muss eine schlimme Belastung für ihn sein.

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  3. plietschejung schreibt:

    Oh man … was für kranke Leute es gibt.

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  4. Lehrerin schreibt:

    Um welches Buch handelt es sich?

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  5. ednong schreibt:

    Pickup-Buch? Mußte ich mir dcoh grad mal 5 Minuten für eine Recherche gönnen.

    Du beeindruckst eine Frau am meisten, wenn du nicht einmal daran denkst, sie zu beeindrucken. Frauen merken, wenn du versuchst, ihre Gunst um jeden Preis zu gewinnen.

    Ok, dann mach ich ja bisher nix falsch 😉

    Manipulations-Hinweise sind nicht so gut. In falschen Händen richten sie nur Schaden an. Und ich denke, bei Patrick sind sie eher nicht in richtigen Händen, wenn er so ist, wie du ihn beschreibst.

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    • breakpoint schreibt:

      Ja, Pickup ist allgemein gar nicht so bekannt.
      Ich habe auch erst vor ein oder zwei Jahren zum ersten Mal davon gehört.
      Vieles, was da propagiert wird (etwa dein Beispiel mit dem Beeindrucken), hätte mann sich auch selbst überlegen können.

      Wenn man bedenkt, dass ich mir meine Algorithmen alle selbst erarbeitet habe .. :>

      Patrick hat noch viel zu lernen.

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      • Leser schreibt:

        Irgendwie denke ich, dass es für eine Frau leichter ist, sich diese Algorithmen selbst zu entwickeln, als für einen Mann. Evolutionär kann ich das zwar nicht erklären, weil für die Sicherung der Art beides relevant ist, aber der „Unterschied zwischen Mann und Frau“ hormonell bedingt ist halt in diese Richtung eindeutig für die Frauen von Vorteil.
        Deshalb gibt es auch viel mehr Männer, die keine Frau haben, aber eine wollen, und es nicht schaffen, während Frauen, die keinen Mann haben, meistens auch keinen haben wollen, weil sie von allen desillusioniert sind (Männer kommen für gewöhnlich gar nicht erst in dieses Stadium, außer sie sind absolute Alphatierchen). Es ist ja allgemein bekannt, dass eine durchschnittlich attraktive Frau einfach bloß unter den Männern zu „wählen“ braucht, während durchschnittlich attraktive Männer um die Frau „werben“ und sich dabei gegenseitig „bekriegen“ müssen.

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        • breakpoint schreibt:

          Warum sollte das Entwickeln der Algorithmen für eine Frau leichter sein?
          Beobachten, analysieren, Gemeinsamkeiten extrahieren und daraus Folgerungen schließen, sollte ein Mann ganz genauso können.

          „einfach bloß unter den Männern zu „wählen“ braucht“
          So einfach ist es denn doch nicht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das gleicht eher nach der Suche einer Nadel im Heuhaufen.
          Leg dir mal spaßeshalber einen gefaketen Frauenaccount auf einem Singleportal an.
          Da wirst du vollgespammt, und bist völlig damit beschäftigt, ungeeignete Männer auszusortieren.

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          • Leser schreibt:

            Haha, um solche Online-Portale habe ich bisher immer einen Bogen gemacht. Vor 10-15 Jahren habe ich einmal eine Beziehung „übers Internet“ angebahnt, das hat mir genügt (auch wenn es damals solche Portale noch nicht gab).
            Ich meinte auch im „RealLife“, und wenn es da halt einmal nicht klappt mit der passenden Wahl, dann eben bei der nächsten Gelegenheit. Diese erfolgreiche Auswahl dürfte für Frauen eher die Schwierigkeit sein, die ähnlich schwer zu meistern ist, wie das Entwickeln von Algorithmen zur erfolgreichen Ansprache. Ich bleibe dabei, dass es Frauen da leichter haben, auch wenn ich es jetzt nicht erklären kann.

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            • breakpoint schreibt:

              Bei uns Frauen ist häufiger das Problem, das wir zwar von Männern angesprochen werden, aber nicht unbedingt von denen, die auch unserem jeweiligen Beuteschema entsprechen. Pickup hakt da ein, indem es versucht, das Beuteschema entsprechend zu modifizieren (hm, in gewisser Weise eine Callback-Funktion).
              Eine ganz andere Herausforderung ist es wieder, sich gezielt von den Männern ansprechen zu lassen, von denen man sich das tatsächlich wünscht.

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            • Leser schreibt:

              Siehste, genau das meine ich: Warum müssen immer wie Männer Euch Frauen ansprechen, anstatt dass das auch mal umgekehrt geschieht? Wobei, ganz aus persönlicher Erfahrung gesprochen, war es bisher bei mir auch immer so, dass die Frauen, die mich angesprochen haben, nichts an mir fanden, und umgekehrt, dass ich von den Frauen, die sich für mich interessiert haben, nicht das Geringste wissen wollte… Tja, dumme Situation, shit happens. Ist aber auch praktisch, wenn ich sehe, was für Unterhaltsprobleme und ähnlichen Krampf andere Singles in meinem Alter schon hinter sich haben 🙂

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            • breakpoint schreibt:

              „Warum müssen immer wie Männer Euch Frauen ansprechen“
              Ich habe diese Konventionen nicht gemacht, und mich gelegentlich auch schon darüber hinweggesetzt.
              Aufgrund evolutorisch-historischer Gründe sind Männer Jäger, und reagieren sehr irritiert, wenn sie plötzlich von ihrer „Beute“ angesprochen werden.
              Meiner Erfahrung nach, tut man als Frau einem Mann also keinen Gefallen, wenn man ihn anspricht.
              In solchen Fällen haben sich jedoch körpersprachliche Gesten bewährt, um den Mann zu ermutigen. Leider wird das nicht immer richtig interpretiert.

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            • Leser schreibt:

              Ja, die Situationen, in denen nonverbale Kommunikation falsch verstanden, oder erst Stunden oder Tage später richtig interpretiert wurde, kenne ich auch, das ist immer extrem ärgerlich. Naja, vielleicht ist es auch ein Lernen. Wobei ich ja diese Meta-Ebene hasse, bei der eine konforme Sozialisierung zu Grunde gelegt wird…

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  6. Gerhard2378952389 schreibt:

    Zitat „Ein Kollege von mir war lange Single und seine Erfahrungen mit Frauen hat er so zusammengefasst: Als Mann musst du ein Arschloch sein und die Frauen scheiße behandeln. Dann laufen sie dir nach. Für den netten Kerl von Nebenan interessiert sich keine Frau.“

    Ja, es kann extrem frustrierend sein. Pickup hilft, mit diesem Unsinn aufzuraeumen. Arschlochsein funktioniert eben definitiv nicht. Warum Nettsein eben auch nicht funktioniert, weiss jede Frau, aber eben die wenigsten Maenner.

    „Warum müssen immer wie Männer Euch Frauen ansprechen, anstatt dass das auch mal umgekehrt geschieht?“

    Man kann auch darauf hoffen, dass einem die nackten Frauen in den Schoss, aeh, die gebratenen Tauben ins Maul fallen. Bringt wohl gleich viel.

    „Ich habe diese Konventionen nicht gemacht, und mich gelegentlich auch schon darüber hinweggesetzt.“

    Und das ist eigentlich auch ziemlich cool und durchaus erfolgversprechend. Selbstbewusste Maenner stehen naemlich auf selbstbewusste Frauen. Es ist halt nur sehr ungewohnt, und Maenner wissen ergo nicht wie sie reagieren sollen.

    Was auch immer. ich warte die ganze Zeit auf Deine Schilderungen wie Dein Mann versucht, Pickup auf Dich anzuwenden. Das wird bestimmt amuesant. Erzaehlst Du es uns noch?

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    • breakpoint schreibt:

      „Warum Nettsein eben auch nicht funktioniert, weiss jede Frau, aber eben die wenigsten Maenner.“
      Die Kunst besteht wohl darin, das „richtige“ Maß zu finden.

      „Selbstbewusste Maenner stehen naemlich auf selbstbewusste Frauen.“
      Eine gewisse Initiative wird jedenfalls gerne gesehen.

      „ich warte die ganze Zeit auf Deine Schilderungen wie Dein Mann versucht, Pickup auf Dich anzuwenden.“
      Vermutlich wirst du da auch bis zum St.-Nimmerleins-Tag warten müssen.
      Denn warum sollte mein Mann das machen? Er hat mich ja schon, und da ich Shittests o.ä. vermeide, hat er auch keinerlei Veranlassung.
      Höchstens natürlich als Experiment (was ich nicht glaube, da fehlt ihm die Zeit). Aber da wäre ich vorbereitet. :>

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  7. Pingback: Neunhundertachtundachtzig | breakpoint

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