Siebenhundertneunundzwanzig

Es gab noch eine wichtige Katze in meinem Leben, über die ich heute schreiben möchte.

Sie kam in meiner Jugend zu uns, und war sehr verschmust und verspielt, fegte manchmal wild durch das ganze Haus, woraufhin ihr meine Mutter einen passenden Namen gab.
Sie liebte es, sich in leeren Pappkartons zu verstecken, und fand immer etwas zum Spielen, selbst wenn es nur ein Papierschnippsel war.

Ich brachte ihr bei, mir kleine Käsestückchen, die ich mir zwischen die Lippen klemmte, aus dem Mund zu fressen.
Wenn ich mit einem Buch bäuchlings auf dem Sofa lag, legte sie sich gerne schnurrend auf mein Gesäß.

Später war sie dann eine geschickte und fleißige Mäusefängerin, und versuchte meine Mutter zu erfreuen, indem sie ihr tote oder auch noch lebende Mäuse als Geschenk mitbrachte. Allerdings reagierte meine Mutter nicht wie von ihr erhofft.

Es ist ein verbreitetes Vorurteil gegenüber Katzen, dass sie Vögel jagen. Dabei haben Katzen nur bei kranken oder alten Vögeln (schon wieder so ein schlimmes Wort, das die Suchmaschinen sinnentstellend aufgreifen werden) Erfolg. In all den Jahren, in denen ich mit Katzen zu tun hatte, habe ich zigmal Katzen mit Mäusen gesehen, aber nur zwei- oder dreimal mit einem Vogel.
Im Gegenteil, ich erinnere mich genau, wie unsere Katze friedlich und nicht Böses ahnend auf dem Gehweg saß, als ein Vogel im Sturzflug auf sie hinunter stürzte und nur wenige Zentimeter von ihr entfernt wieder abdrehte. Die arme Katze war ganz erschrocken und alarmiert.

Als ich später studierte, sah ich die Katze nur noch bei meinen seltenen Besuchen.
Anfangs war sie immer sehr distanziert und wirkte beleidigt – vielleicht auch, weil ich einen anderen Geruch hatte. Erst nach einigen Stunden akzeptierte sie mich wieder wie früher und schmuste vertraut mit mir.

Irgendwann – da muss sie etwa 12 Jahre alt gewesen sein – verschwand sie einfach. Meine Eltern vermuten, dass sie sich in irgendeine leere Scheune zurückgezogen hat, und dort leise gestorben ist. In meiner Erinnerung lebt sie weiter.

Damit endet meine kleine Katzenreihe. Es gab noch einige mehr, an die ich mich gerne erinnere, aber das gibt keinen ganzen Blogeintrag mehr her.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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14 Antworten zu Siebenhundertneunundzwanzig

  1. plietschejung schreibt:

    Katzen sind schöne Tiere, die sich eng in unser Herz schmiegen. Man vergißt sie nie.

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  2. ednong schreibt:

    Oh ja, Katzen sind schöne Geschöpfe. Ich vermute auch, dass viele Leute mit dem den Katzen eigenen Kopf Probleme habe. Schließlich hat einem das Tier unterwürfig zu sein! 😉

    Wenn man akzeptiert, dass sie einen eigenen Kopf haben, sind das wunderbare Gefährten.

    Habe gerade gesehen, dass surname dann doch auf hidden gesetzt wurde. Und habe es mal sichtbar gemacht und ausgefüllt. 😉

    Yeaah, wie vermutet – Kommentar kann zur Zeit nicht bearbeitet werden 😉 Ist für die Bots, ganz eindeutig.

    Jetzt muss ich das Feld nur noch mal leeren.

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  3. engywuck schreibt:

    Das mit „keine/kaum Vögel jagen“ kann ich nicht bestätigen.

    Nur einige Beispiele:
    – Bei Nachbars war ein Vogelnest, das von Menschenhand verlegt wurde, nachdem die Katze in drei Jahren dreimal die Brut gefressen hatte
    – die Katze meiner Mutter war schon alt und eigentlich arthritisch, als sie auf einem Lattenzaun (1cm breit) auf dem abgeschrägten oberen Ende mindestens drei Meter balancierte, um in die Nähe des Nests zu kommen
    – eine andere Katze saß regelmäßig stundenlang regungslos unter dem Vogelnest, um die Jungvögel bei den ersten Flugversuchen zu erwischen.
    – Meine Schwester hatte ein Huhn, das zur Mauser bei starkem Wind immer alle Federn auf einmal verlor. Nachbars Katze angelte nicht nur „unauffällig“ mit den Pfoten vom Käfigdeckel nach dem Huhn, einmal als es federlos (und damit „kleiner“) war und im Garten frei lief schlich sie sich im Jagdgang an es heran. Leider leider merkte das Huhn das, fuhr herum und pickte die Katze so, dass sie aus dem Stand anderthalb Meter hochhopste — und an derselben Stelle wieder herunterkam und noch eine einfing…

    Klar haben alle diese Katzen auch Mäuse gefangen (teils andächtig vor dem Komposthaufen sitzend…), aber die Zahl der vernichteten Vögel war schon enorm.
    Nicht umsonst gibt es im weiten Umkreis um Siedlungen auch kaum noch Bodenbrüter.

    Laut einer neueren Studie [1] bringen Katzen jedes Jahr in den USA 1,4 bis 3,7 Milliarden(!) Vögel um – bei gerade mal ca. 160 Millionen Katzen im gleichen Gebiet.

    Durch Untersuchungen mit Kameras [2] wurde festgestellt, das Katzen zudem nur gut ein Viertel der erlegten Tiere auch essen, der Rest ist pure Jagdlust!

    Soviel zum Thema „harmlose, süße Katze“. Für den Menschen vielleicht…

    [1] http://news.nationalgeographic.com/news/2013/29/130129-pets-cats-killers-birds-animals-science/
    [2] http://www.kittycams.uga.edu/research.html

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    • breakpoint schreibt:

      Nach meinen persönlichen Beobachtungen, waren Vögel als Beute die absolute Ausnahme.
      Wenn die Vögel ihre Nester auch so zugänglich für Katzen bauen, brauchen sie nichts anderes zu erwarten.
      Da hatte ich bereits eine Diskussion auf Twitter http://twitter.com/breakpt/status/481674977352376320

      Hatte deine Schwester ein Kampfhuhn abgerichtet? Vögel können so brutal sein …

      Fressen wollten die Katzen die Viecher freilich nicht, weil die schon alt und zäh waren.

      Selbst wenn Vögel öfters erlegt werden, tun Katzen damit eigentlich ein gutes Werk.
      Wie oft haben mich Vögel schon früh um 4 aus dem Schlaf gerissen!
      Außerdem verschmutzen sie ständig meinen Balkon und alles was darauf ist.

      Nee, ich bin nicht in jeder Hinsicht gut zu Vögeln.

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      • engywuck schreibt:

        Nuja, Katzen sind die einzigen Raubtiere, die von Menschen gezielt gefüttert werden, um die freilaufende Population hochzuhalten (Hunde laufen nicht frei rum). Da haben Vögel keine Chance. „In natura“ gäbe es *vielleicht* ein Raubtier pro Hektar (inklusive Raubvögel etc), eine übliche Reihenhaussiedlung hat das zigfache an Katzen (grob geschätzt: Grundstücksgröße 4 ar (inkl. Zufahrten), jedes dritte Haus ne Katze, macht ca. 8 Katzen pro Hektar. Heutzutage sind Grundstücke eher kleiner und die Katzendichte pro Haus eher höher.

        Zu Kampfhuhn… nuja, sagen wir so… wenn ich aus dem Haus kam (und es nichts besseres zu tun hatte) hat es aus vier, fünf Metern nen Angriff gestartet. Allerdings hatten ich es auch etwas getriezt, als es klein war (man kann mit Hühnern Karussel spielen: Stecken mit schwarzen Punkten vor den Schnabel halten und den dann bewegen. Das Huhn will die „Käfer“ aufpicken und dreht sich mit. Ja, ich war jung. Nein, Geld gab’s nicht.)

        Aber was machst du um 4 im Bett? Ich dachte immer es gebe drei Dinge die Programmierer hassen: Frischluft, Sonnenlicht, und das unerträgliche Gebrüll der Vögel, wenn man ins Bett will *scnr*

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        • breakpoint schreibt:

          „die von Menschen gezielt gefüttert werden“
          „Eine hungrige Katze fängt keine Mäuse“, pflegte meine Oma zu sagen, und drückte damit aus, dass nur eine Katze, die einigermaßen satt ist, überhaupt die Geduld aufbringen kann, stundenlang wartend vor einem Mauseloch auszuharren.

          Warum ist es eigentlich OK, wenn eine Katze Mäuse fängt, aber wenn sie mal einen Vogel erwischt, gilt das als verwerflich?

          Kampfhuhn:
          Verwandte von mir hatten früher eine Schar Gänse, die deren Hof engagierter verteidigten als ein Wachhund.
          Cave aves!

          „was machst du um 4 im Bett?“
          Meistens schlafen, sofern ich nicht durch Fremdeinwirkung wie Vögeln geweckt werde.

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  4. Pingback: Neunhundertsechsundsiebzig | breakpoint

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