Sechshundertvierundachtzig

Eigentlich besuche ich Familienfeiern nicht so gern. Aber als Heidi uns vor einigen Wochen eingeladen hat, fiel mir kein Grund ein abzulehnen.
Carsten meinte, es sei unhöflich, immer die Kirchenbesuche zu schwänzen, und so waren wir diesmal pünktlich um zehn in der Kirche, um an Heidi’s Erstkommunion teilzunehmen.
Ich vertrieb mir die Zeit mit Primfaktorzerlegung und anderen Zahlenspielchen (mein Gehirn benötigt dazu noch nicht einmal die Installation irgendwelcher Äpps). Die Nummern der Lieder, die gesungen wurden, nutzte ich hierfür als Pseudo-Zufallszahlen-Generator.
Selbstverständlich verzichtete ich wieder darauf, mir selbst bei der Kommunion eine Hostie aushändigen zu lassen. Zwar esse ich gerne Oblaten, aber wer weiß schon, was der Pfarrer vorher alles in den Fingern hatte.
Endlich konnten wir die Kirche verlassen und fuhren zu einer Lokalität, die Sabine und Thorsten für die Feier reserviert hatten. Sie hatten eine Riesenfeier aufgezogen – mit noch mehr Gästen als damals bei meiner Hochzeit.

So waren auch entferntere Verwandte von Thorsten dabei, unter anderem Richard.
Er muss mich abgepasst haben, als ich gerade mal von der Toilette kam.
„Komm mit, Anne, wir suchen uns ein ungestörtes Plätzchen.“
„Nein danke, kein Interesse.“
„Wenn wir uns früher getroffen haben, warst du nicht so etepetete.“
„Damals war ich auch noch nicht verheiratet.“
„Ich habe deinen Mann gesehen. Der ist doch schon zu alt, um’s dir noch richtig zu besorgen.“
„Darüber mach du dir keine Gedanken. Kümmere dich lieber um deine Frau.“
„Mit der läuft schon seit Jahren nichts mehr. Weiß dein Mann eigentlich, dass wir miteinander geschlafen haben?“
„Mein Mann weiß so einiges. Bestimmt mehr als deine Frau. Und du und ich haben nie zusammen geschlafen, wir hatten nur ein bisschen Sex.“
Ich ließ ihn stehen und sah zu, wieder zu meinem Platz am Tisch zu kommen.

So, das reicht eigentlich für heute. Diese Familienfeier liefert Stoff für noch einen weiteren Blogeintrag.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu Sechshundertvierundachtzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Weiß Carsten von Richard?

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  2. Athropos schreibt:

    Im Who Is Who die Protagonisten nachzuschlagen hat etwas von der Rekursionsdefiniton im Urban Dictionary 😉

    Nutzt du das eigentlich auch, um mit den ganzen Syno Nühmen nicht durcheinander zu kommen?

    lG,

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    • breakpoint schreibt:

      Das Who-is-Who wollte ich möglichst kurz halten.
      Das geht am effektivsten, wenn man die Verwandtschaftsverhältnisse der einzelnen Personen quasi verpointert.

      Eigentlich habe ich die meisten Pseudonühme ganz gut im Kopf. Nur selten muss ich selbst mal nachschauen.
      Die Who-is-Who-Liste soll in erster Linie der Convenience der Blogleser dienen, weil die – inzwischen – vielen Namen manchmal halt doch verwirrend sein können.

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  3. Der Doppeldeuter schreibt:

    „Ich ließ ihn stehen“ – sicher auf mehr als eine Weise. 😉

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  4. plietschejung schreibt:

    Touché !
    Saubere Abfuhr – well done.

    Schon seine Argumentation ist Kacke. Dann ist der Rest auch nicht weit her.

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  5. W2013 schreibt:

    „Der ist doch schon zu alt, um’s dir noch richtig zu besorgen.“
    Warum hast Du Richard in dem Glauben gelassen?

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  6. breakpoint schreibt:

    SiebenhunderteinsIch telefoniere generell nicht gerne, und manche Telefongespräche sind erst recht unerfreulich.

    Es war Richard: „Hallo Anne, wir sollten uns treffen.“
    „Warum?“
    „Wir hatten doch immer viel Spaß zusammen. Das sollten wir wiederholen.“
    „Das sehe ich…

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