Sechshundertachtzig

Vor einiger Zeit hatte ich über die wichtigsten Bücher in meinem Leben gebloggt. In den Kommentaren ging es auch um Unterschiede zwischen gedruckten und digitalen Werken.

Jetzt gibt es bei der ABS-Leseecke eine Blogparade, die sich gerade mit diesem Thema auseinandersetzt.

Meine Absicht hier ist nicht eine vollständige Auflistung sämtlicher Vor- und Nachteile, sondern lediglich die Nennung der Punkte, die mir persönlich in diesem Zusammenhang am wichtigsten sind.

Ich gebe es ja zu, dass ich gedruckte Bücher und Zeitschriften bei weitem vorziehe. Man kann in ihnen richtig blättern, vorwärts, rückwärts, Seiten überspringen, mehrere Lesestellen offen halten, auch mal eine Anmerkung hineinschreiben (auch wenn ich das grundsätzlich nicht mache, aber ich könnte, wenn ich wollte) usw.
Zugegeben kann man das bei digitalen Ausgaben teilweise auch, aber entweder aufwändiger oder eben doch nicht.
Zudem fehlt das haptische Gefühl.

Ich habe einige Bücher von früher, die ich sehr hoch wertschätze. Die haben natürlich inzwischen Gebrauchsspuren wie Flecken, Risse, Knicke, aber genau das macht sie so individuell und wichtig für mich. Ein digitales Werk kann diese besondere Bindung niemals erreichen.

Natürlich sehe ich auch bei eBooks Vorteile. Es ist schon toll, dass man tausende Bücher auf ein und demselben Gerät speichern kann. Das spart tonnenweise Papier.
Je nach Format und Gerät ist es möglich, eine Volltextsuche zu machen. Ich kann meist optional die Schriftgröße verändern.

Beruflich brauche ich einige PDFs (die es in gebundener Form gar nicht gibt). Die habe ich auf mein Tablet kopiert, und kann sie so bequem unterwegs lesen. Der eBook-Reader verhunzt dagegen die Tabellen, Auflistungen und Graphiken, und ist nur für reinen Text geeignet.

Was mir an eBooks gar nicht gefällt, ist dass ich für viele auf bestimmte Hersteller oder Vertriebswege angewiesen bin. Wenn ich mir heute ein neues gedrucktes Buch kaufe, dann weiß ich, dass man es (pflegliche Behandlung vorausgesetzt) in zehn oder zwanzig Jahren immer noch lesen kann. Aber geht das auch bei einem eBook? Da bin ich mir gar nicht so sicher.
Auch wenn die Akkus in reinen eBook-Readern eine sehr lange Laufzeit haben, ist der bestimmt gerade dann leer, wenn man es am wenigsten brauchen kann.
Bei physischen Büchern bin ich nicht auf Akkus oder Stromversorgung angewiesen. Die kann ich lesen, wann immer ich will.

Auch Zeitschriften bevorzuge ich auf Papier, oder verzichte eben ganz.

Nicht ganz zufällig blogge ich dies heute am Welttag des Buches und beteilige mich an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“. Deshalb ist von heute (nach Amazon-Zeit UTC-8) bis Freitag der neueste Band meines Blooks kostenlos für Amazon Kindle erhältlich.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Sechshundertachtzig

  1. plietschejung schreibt:

    Ich besitze einen Kobil Glo, der alle Formate frisst. Keine Bindung an irgendwas. Sehr schöne Sache auf Reisen und unterwegs.

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    • breakpoint schreibt:

      Toll.
      Das ist wirklich praktisch, solange du keine DRM-gesicherten Bücher lesen willst.

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      • Leser schreibt:

        DRM-gesicherte Bücher befreit man so bald als möglich von ihrem DRM. Denn, um zu Deiner Frage zu kommen, das dürfte eine der größten Hürden sein, ob ein eBook in 20 Jahren oder mehr noch lesbar sein wird. Nicht umsonst heißt es „Digitales Restriktionsmanagement“, und wer ehrlich Geld von mir will, der verkauft mir Medien ohne DRM, denn alles andere ist lediglich eine Ausleihgebühr, dementsprechend muss also auch der Preisunterschied sein (bei der Stadtbücherei glaube ich 5€ pro Jahr, und dann kann man Bücher ausleihen, wie man will).

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        • plietschejung schreibt:

          DRM gemarkte Bücher werden sich so toll verkaufen wie DRM CDs, nämlich schlecht. Weiterhin meide ich proprietäre Standards, wie Kindle. Diese Shopbindung ist doch nur lästig.

          Ohne mich.

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          • Leser schreibt:

            Leider stimmt das nicht unbedingt – die meisten Leute werden wohl kaum wissen, was DRM ist, und wenn, dann wird es ihnen ja medial bzw. durch die Händler der DRM-Ware usw. als was positives verkauft „DRM, jetzt sind Ihre Bücher noch sicherererer!“ … Ich hoffe aber trotzdem mal, dass Du Recht hast, denn sonst könnten wir in einigen Jahren wirklich vor einem Problem stehen. Zum Glück werden jedoch noch keine Bücher aus Papier verbrannt, um nur noch DRM-verseuchte digitalisierte Sicherungskopien davon zu archivieren, denn das wäre die absolute Katastrophe…

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        • breakpoint schreibt:

          Um es vorauszuschicken, ich selbst habe mir noch nie ein DRM-geschütztes Werk gekauft, noch würde ich meine eBooks unter DRM-Schutz stellen.

          Andererseits habe ich aber Verständnis für Autoren, die ihr geistiges Eigentum schützen wollen.
          Ein gedrucktes Buch kann immer nur einer gleichzeitig lesen (OK, vielleicht auch zwei oder drei, und man kann es auch fotokopieren oder einscannen), während sich ein digitales Werk beliebig oft kopieren und weitergeben lässt – ohne nennenswerten Aufwand und ohne Informationsverlust.
          Wer von den Tantiemen leben will|muss, ist darauf angewiesen, dass pro Konsument auch ein kleiner Obulus hängenbleibt.

          Bei Software liegt die Sache ähnlich. Ich schütze meine Software so, dass sie nicht beliebig benutzt werden kann, ohne dass ich Lizenzgebühren kassiere. Schließlich habe ich da viel Arbeit, Zeit und Wissen reingesteckt. Da erwarte ich einen gewissen ROI.

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          • Leser schreibt:

            Oh, die Antwort hatte ich ja noch gar nicht gesehen. Natürlich stimme ich da zu (auch wenn ich unser altes, dysfunktionales Wirtschaftssystem im heraufdämmernden neuen Informations-Zeitalter dafür verantwortlich mache, dass das nötig ist), aber anstatt das Kopieren komplett zu verhindern, kann man z.B. auch einfach eine ID des Käufers in die Datei eincodieren – und das geht mit Methoden der Steganographie auch so, dass es sich nicht mehr leicht entfernen lässt. Folglich kann man solche Dateien immer noch untereinander weitergeben (wenn man als Käufer dem Empfänger vertraut), und wenn die dann in einer Tauschbörse auftauchen oder so, dann weiß man, woher sie kommen. Zusätzlich könnte auch ein Standard geschaffen werden, durch den beim ersten Öffnen einer solchen Datei auf einem beliebigen Rechner eine „Geräte-ID“ auf dieselbe Weise in das Dokument eingefügt wird, so dass man gewissermaßen sogar den Weg zurückverfolgen kann, den ein in die unbefugte, böse Öffentlichkeit gelangtes Dokument genommen hat. Es darf aber natürlich trotzdem kopiert werden.
            Und natürlich muss das Codieren von Käufer-ID (OK, das kann der Verkäufer machen) als auch Geräte-ID ein offener Standard sein, damit es auch quelloffene Software geben kann, mit der man solche Dokumente nutzen kann, denn ansonsten ist man ja schon wieder im nächsten Käfig eingesperrt. Und das ließe sich mittels asymmetrischer Verfahren sogar so machen, dass zwar das codieren offen ist, aber das decodieren dieser hineinsteganographierten Metadaten könnte eben nur der Rechteinhaber vornehmen.

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  2. gammler67 schreibt:

    der geruch eines buches ist durch nichts zu ersetzen…

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  3. Leser schreibt:

    PDF ist *kein* Format für eBooks! Tatsächlich verbindet es als Format der Druckvorstufe die Nachteile des Papiert mit denen des elektronischen Buchs.
    Und, bist Du sicher, dass es „der eBook-Reader“ ist, der die Tabellen in den eBooks verhunzt? Gut, ich lese hauptsächlich reinen Text in eBooks, daher kann ich das nicht nachvollziehen, aber ggfs. ist auch der Ersteller des eBooks mit Tabellen mitverantwortlich für deren Unlesbarkeit.
    Bis auf die Batterie-/Stromabhängigkeit habe ich beim eBook-Reader jedenfalls noch keinen Nachteil feststellen können (ich finde die Haptik von Büchern, in denen man blättern muss, aber auch eher klobig und unbequem), und diesen Nachteil könnte man, wenn man es wirklich dransetzen würde, auch z.B. mittels Solarzellen abwenden. Für mich überwiegen die Vorteile von (DRM-freien!) eBooks also ganz klar. Der einzige nicht überwindbare Nachteil von digitalen Medien (egal ob Bücher, Audio, Bilder, Video) ist eigentlich nur die Tatsache, dass es DRM gibt.

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    • breakpoint schreibt:

      Es ist mir klar, dass PDF als layoutgetreues Format konzipiert wurde, und nicht optimal für eBooks ist.
      Ob es Schuld des Readers oder des PDF-Erstellers ist, dass ich die – teilweise sehr umfangreichen – Tabellen nicht richtig lesen kann, ist mir eigentlich ziemlich schnurz.
      Ich habe für diese Dokumente nur PDFs vorliegen, und auf meinem Tablet werden sie auch ordentlich dargestellt.
      Trotzdem ist es dort eine Qual, wenn ich mal eben schnell ein paar hundert Seiten weiter blättern will.
      Diese Dokumente sind halt keine Lektüre, die man linear von vorne nach hinten lesen will, sondern eher eine Art Nachschlagewerk.

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      • Leser schreibt:

        „Ein paarhundert Seiten weiterblättern“ – SRSLY? Hat Dein Leseprogramm keine „Springe zu Seite xxx“-Funktion? Dann solltest Du Dir dringend andere Software zulegen. Ich empfehle APV PDF-Viewer, basiert soweit ich weiß auf dem guten alten Evince, und gibts auch ganz kostenlos und frei und quelloffen im F-Droid Store.
        Ansonsten hat ein gut gemachtes PDF, bei dem der Ersteller zumindest halbbewusst im Hinterkopf hat, dass es möglicherweise nicht ausschließlich ausgedruckt, sondern auch am Bildschirm gelesen werden könnte, auch ein ordentliches Inhaltsverzeichnis. Zumindest, wenn der Ersteller nicht vollkommen inkompetent ist.
        Ich führe als Beispiel mal die Hardware Maintenance Manuals für Lenovo Thinkpads an, die sind ziemlich gut gemacht, um sie *trotz* Print-Format am Bildschirm zu lesen, mit Sprungmarken/Hyperlinks und allem…

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        • breakpoint schreibt:

          Alleine das Inhaltsverzeichnis hat über 40 Seiten und ist entsprechend unübersichtlich.
          Ich komme ja schon klar damit, aber manches würde ich in einem gedruckten Werk schneller finden (da kann ich auch meine Finger einer Hand als Lesezeichen nutzen, und blitzschnell von einer Stelle zur anderen springen).

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          • Leser schreibt:

            Naja, so ein Inhaltsverzeichnis ist in PDF ja eine Scrollbare Liste, die unabhängig vom eigentlichen Dokumenteninhalt angezeigt hat, wo man die einzelnen Kapitel und Unterkapitel auf- und zuklappen kann etc…

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            • breakpoint schreibt:

              Auf dem Tablet nimmt mir aber diese scrollbare Liste einfach zu viel Platz ein.
              Und ständig ein- und auszublenden nervt mich auch, zumal das Inhaltsverzeichnis tatsächlich einige Formatierungs- bzw. Zuordnungsfehler hat (stört mich auch am PC, würde aber in einem physischen Buch gar nicht auffallen).

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  4. Stephan-PFK schreibt:

    Das Gefühl in Büchern zu Blättern teile ich auch.
    Das Weiterclicken hat nicht den selben Charm.

    Die Idee an Bücher die man besonders Wertchätz ist mir
    beim schreiben meines Artikels zu Blogparade gar nicht in den sinn gekommen. Als ich diesen Punkt bei dir gelesen habe muss ich aber zugeben, das eine emotionale Bindung zu einem eBook Reader nie so möglich sein wird wie z.B. meinem Lieblingsbuch das ich als Kind hatte.

    Die Blogparade der ABS-Lese-ECKE hat mir sehr gut gefallen. Da sind einige echt spannende Artikel bei rausgekommen.

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    • breakpoint schreibt:

      Ja, an einigen meiner Kinderbücher hänge ich immer noch sehr.

      eBooks haben durchaus auch Vorteile gegenüber gedruckten Werken. Es kommt halt immer darauf, wann und wofür man sie nutzen will.
      Wenn ich aber die Wahl habe, würde ich mich meist für „echte“ Bücher entscheiden.

      Danke für deinen Besuch!

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  5. Pingback: Neunhundertvierundvierzig | breakpoint

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