Sechshundertsiebenundsiebzig

Die Entwicklungsabteilung sucht derzeit einen Elektroingenieur für die Elektronikentwicklung.
Grundsätzlich würden wir einem Berufseinsteiger eine Chance geben, wobei sich die Frage stellt, ob ein Bachelor für diese Stelle ausreichend ist. Da habe ich persönlich meine Zweifel, obwohl ein Bachelor natürlich den Vorteil hätte, dass er billiger ist. Andererseits wird ein Mann, der wirklich etwas drauf hat, und gute Abschlussnoten als Bachelor hat, sicherlich auch noch den Master draufsatteln wollen.

Bei Vorstellungsgesprächen für solche anspruchsvolleren Stellen ist Carsten meist gerne dabei. Aus Zeitgründen hatte er mich jedoch am Vorabend gebeten, ihn diesmal zu vertreten.
„Hm, Elecktrotechnik ist nicht gerade meine Stärke.“
„Ach was, Schwingglied und Potenziometer kriegst du doch locker hin.“

Hey! Klaut er mir doch da meine Pointen! Aber irgendwann werde ich mich schon mal besonders süß rächen. Er soll nur nicht glauben, dass ich mein spezielles Projekt nicht weiterverfolge, nur weil ich jetzt seltener im Büro bin.
Scheinbar ungerührt erwiderte ich: „Das schon, aber bei Abtast-Halte-Glied oder Multivibrator komme ich an meine Grenzen.“

„Die fachliche Beurteilung überlässt du Ulrich“, antwortete er jetzt wieder ernst, „es geht mir vor allem um den persönlichen Eindruck. Da verlasse ich mich auf dich.“
„Sollen wir wieder einen speziellen Test machen, wie bei den Vorstellungsgesprächen für die CIO-Stelle?“
„Nein. Wir suchen hier ja keine Führungskraft, sondern nur einen einfachen Entwickler. Sitz einfach dabei, und höre zu. Wenn du eine spezielle Frage hast, darfst du die natürlich stellen, aber du kannst auch nur schweigen.“

Zum eigentlichen Vorstellungsgespräch gibt es nicht viel zu sagen. Ich habe keine Einwände gegen den Bewerber, aber Ulrich will sich erst noch zwei oder drei andere ansehen, bevor er sich festlegt. Da er nächste Woche Urlaub hat, wird sich das erst mal verzögern, aber das ist nicht mein Problem.

Osterrammler Viel Spaß beim Ostereier-Suchen!
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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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9 Antworten zu Sechshundertsiebenundsiebzig

  1. plietschejung schreibt:

    Na, wenigstens kennt ihr die Terminologie der Grundlagen 🙂

    Viel Erfolg beim Selektieren !

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    • breakpoint schreibt:

      Die Maxwell-Gleichungen wären für mich interessanter gewesen.

      Aber ein E-Techniker muss sich eher mit Transistoren auskennen als mit (Quanten-)Elektrodynamik.

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      • plietschejung schreibt:

        Wenn er denn heute überhaupt noch Analogtechnik versteht 🙂
        Die Begriffe, mit denen ihr so hantiert habt, versteht jeder Techniker, der im zweiten Lehrjahr ist 🙂 Ein bißchen mehr muss da schon kommen.

        Grundsätzlich halte ich mehr von Praktikern als von absoluten Mathematik-Theoretikern, die -nachts geweckt- die Maxwell Gleichungen herleiten und erklären können und sich dabei auch noch toll fühlen.

        Die Praxis sieht durchaus anderes aus, denn idealisierte Zustände gibt es in der E-Technik nicht. Nicht in den Umgebungen, nicht in den Bauteilen.

        Ein gutes Händchen bei der Auswahl wünsche ich dir.

        Schreib mir doch mal das Jobprofil per PN

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        • breakpoint schreibt:

          Wie ich bereits schrieb, ist Elektrotechnik eigentlich nicht mein Thema.
          Passive Bauelemente und vielleicht noch Diode – OK – aber spätestens bei Transistoren ist bei mir Schluss.
          Komplexere Schaltungen überblicke ich nicht mehr.

          Ich kann dir deshalb gar nicht mehr Details sagen, weil ich es selbst nicht mehr ganz verstehe.
          Mit FPGAs, ASICs und VHDL sollten sich Einstellungskandidaten auskennen (wovon ich null Ahnung habe).

          Ich gehöre halt eher zu den „Mathematik-Theoretikern“, denn die Maxwellgleichungen (in kovarianter Form) gehören zu meinen Lieblingsformeln – ach ja!

          Die Auswahl des Kandidaten ist nicht meine Aufgabe. Das macht der CTO, der die fachliche Eignung hoffentlich besser beurteilen kann.
          Ich habe allerdings eine Art Vetorecht.

          ¡Felices Pascuas!

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          • plietschejung schreibt:

            *schmunzel*

            Analogtechnik ist bei weitem komplexer als programmierbare Schaltungen und ICs. Ich bezweifle ein wenig die Güte der heutigen Absolventen. Aber dein CTO wird das schon abklopfen. ich weiß ja auch nicht, was ihr so entwickelt oder herstellt.

            Das du in theoretischen Ableitungen sehr gut bist, hatte ich angenommen. Leider ist das in der Entwicklung nur die halbe Miete, aber trotzdem wichtig. Ohne Knowhow ist das alles ziemliches Stochern im Nebel.

            Danke Dir und gern zurück.

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  2. Athropos schreibt:

    Wenns schon mehrere Optionen gibt, warum soll man gleich beim Ersten aufhören zu suchen?

    Dieser Kommentar ist übrigens rein dem Captcha geschuldet 😉

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    • breakpoint schreibt:

      Bei N unabhängigen Bewerbern sollte man sich erst mal N/e (also etwa 35 bis 40 Prozent) ansehen, und danach den ersten nehmen, der besser ist als alle bisherigen.
      Das funktioniert natürlich nur, wenn man die Anzahl N schon vornherein kennt.
      Aber etwas Auswahl ist nie verkehrt.

      Gemein, dass du das Captcha für dich behältst.

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