Sechshundertzweiundsiebzig

Diesmal bin ich noch gut in der Zeit für die Blogparade auf Mampel’s Welt über Führung, genauer gesagt Mitarbeiterführung. Zumindest beschränke ich mich darauf.

Ich selbst bin völlig unvorbereitet in Führungsaufgaben gestolpert, obwohl ich niemals Ambitionen in diese Richtung hatte.
Zwar habe ich die Abteilungsleitung der IT inzwischen abgeben können (kümmere mich aber schon noch um meine Jungs), aber die Führung der Softwareentwickler ist weiterhin meine Aufgabe.

Wenn man Führungsaufgaben wahrnimmt, ist meines Erachtens eine Vorbildfunktion unerlässlich. Eine Führungskraft muss selbst das vorleben, was sie von ihren Mitarbeitern erwartet.
Zwar muss sie sich nicht mit sämtlichen fachlichen Einzelheiten auskennen (genau dafür sind ja die Mitarbeiter da), aber sie muss genügend Überblick und Einblick haben, um die von ihren Mitarbeitern bearbeiteten Details einschätzen zu können.

Eine Führungskraft benötigt ein gewisses Durchsetzungsvermögen. Ursprünglich bezog ich meine Authorität aus meiner Beziehung mit Carsten (denn wer würde sich schon mit der Geliebten seines Arbeitgebers anlegen?). Aber sehr schnell wurde es meinen Mitarbeitern klar, dass ich mich fachlich auskenne, so dass sie mich als Chefin anerkannten.

Was die Führungsqualitäten betrifft, so versuche ich, mir einiges von Carsten abzugucken, den ich für einen sehr guten und fähigen Chef halte (der Erfolg gibt ihm recht).
Zwar gilt er als streng, anspruchsvoll, ungeduldig und anstrengend, aber viel größere Ansprüche als an seine Angestellten stellt er an sich selbst.
So ist er am Morgen meist der erste im Büro, und abends häufig der letzte, der heimgeht (ja, das entspricht nicht unbedingt meinen Wünschen).
Er behandelt alle Mitarbeiter und Dienstleister mit der gleichen sachlichen Professionalität, und koppelt dabei strikt sein Privatleben ab. Ein Außenstehender, der nichts davon weiß, käme nie auf die Idee, dass er mit mir eine private Beziehung hat (und mit meinem Projekt SiB trete ich auf der Stelle und mache keine Fortschritte).
Er trifft schnelle und meist gute Entscheidungen. Während ich noch damit beschäftigt bin, das Problem zu analysieren, aber zu keinem eindeutigen Ergebnis komme, weil zu viele Unbekannte vorhanden sind, hat er schon entschieden. Einerseits bewundere ich ihn dafür, andererseits stört es mich aber auch, wenn ich dann vor vollendete Tatsachen gestellt werde.
An einer einmal getroffenen Entscheidung hält er normalerweise konsequent fest, und setzt sie durch. Er revidiert sie nur, wenn man mit wirklich guten und vernünftigen Gründen dagegen argumentieren kann.

Bei meiner eigenen Führungstätigkeit kommen natürlich noch ein paar andere Aspekte dazu. Auch wenn es damals kontroverse Diskussionen ausgelöst hat, als ich es vor einigen Wochen ansprach, aber ich setze auch bewusst meine weiblichen Stärken ein, um meine Mitarbeiter zu motivieren. Diese Möglichkeit hat durchaus ihre Vorteile. Es gibt aber auch ein paar Tretminen zu beachten, wenn man von seinen Mitarbeitern als attraktiv und sexuell anziehend wahrgenommen wird. Es ist schwierig, hier das optimale Gleichgewicht zu finden.

Wenn ich es nicht als nützlich und sinnvoll betrachten würde, mich um die Softwareentwicklung der Firma zu kümmern, könnte ich gerne auf die Führungsverantwortung verzichten. Viel zu oft wird übersehen, dass mit der Macht, die man über andere Menschen hat, auch eine sehr große Verantwortung einhergeht. Infantil-machiavellistische Machtfantasien sind dabei fehl am Platz.
Führung ist ja nicht Befehle geben, seine Untergebenen herumkommandieren und ihnen seinen Willen aufzwingen. Das würde kein normaler Mensch sich auf Dauer bieten lassen (und wenn ich in der Vergangenheit meine Mitarbeiter gelegentlich als Subbies bezeichnet habe, so war das nicht herablassend, sondern eher liebevoll gemeint). Zur Führung gehört dagegen, seine Mitarbeiter für ein vorgegebenes Ziel zu begeistern.
Das ist kein Spiel. Vom Wohl der Firma hängt das Wohl der Beschäftigten ab.

Es gehört für Vorgesetzte auch dazu, sich um organisatorischen Banalitäten, wie Urlaubsplanung oder Weiterbildung der Mitarbeiter zu kümmern.
Manchmal reicht es nicht aus, seine Mitarbeiter bei fachlichen Problemen zu unterstützen, und man muss sich auch persönlicher Schwierigkeiten annehmen.
Dazu ist es nötig, sich wenigstens einigermaßen gut mit seinen Mitarbeitern zu verstehen. Eine kumpelhafte Verbrüderung ist zwar keinesfalls angebracht, aber ein gewisser, gegenseitiger Respekt sollte selbstverständlich sein.
Aus Erfahrung habe ich gelernt, und gebe mich im Zweifel lieber kühl und distanziert.

Mitarbeiter zu führen ist für mich kein Traumjob, aber jemand muss es schließlich machen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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9 Antworten zu Sechshundertzweiundsiebzig

  1. baerlinerinn schreibt:

    …fuer mich auch nicht! Ich fuehrte 3 Jahre Mitarbeiter. Erst 12, dann 17. Im Einzelhandel, nach der Uni. Ich stelle sehr hohe Anforderungen an mich und erwarte Gleiches von den Mitarbeitern. Leider gibt es da draussen immer weniger, die Tugenden, wie Puenktlichkeit und Fleiss, Ehrlichkeit und Eigeninitiative und Loyalität mitbringen. Aellin schon das Krankfeiern (Umstellung der Dienstplaene auf Kosten Anderer) oder masslose Unpuenktlichkeit aus den Pausen, ignorante Schludrigkeit und zur Schau getragenen Faulheit… so froh, DAMIT nicht mehr belaestigt zu werden. Insofern ist der Aussendienst fuer mich ein Traumjob. Keine Abhaengigkeit von den Leistungen der Mitarbeiter, keine Querelen der MA untereinander zu schlichten, keine Dienst- und Pausenplaene, keine Riesenurlaubsplanung, keine Unzuverlaessigkeiten und Unberechenbarkeiten mehr, von den MA ausgehend… I like!!! 🙂

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    • breakpoint schreibt:

      Ach, du sagst es!

      Wobei ich mit meinen Nerds noch Glück habe.
      Da denen ihre Arbeit Spaß macht, sind sie nicht faul oder feiern krank.

      Trotzdem ist es für einen Zahlenmenschen wie mich kein Vergnügen, so viel mit anderen Leuten zu tun zu haben, und von deren Arbeitsleistungen abhängig zu sein.

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  2. KlingenLufer schreibt:

    „Infantil-machiavellistische Machtfantasien sind dabei fehl am Platz.“
    Die meisten Chefs (Middle Management, nicht Firmeninhaber) haben aber genau diese.

    IIRC gibt es sogar Untersuchungen, wonach diese Personen bei Tests auf Soziopathie/Psychopathie fast durchweg triggern.

    Beispiel für so einen Test: http://www.witzeforum.de/sonstige-raetsel-f5/die-frau-bei-der-beerdigung-t5754.html

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    • breakpoint schreibt:

      Dass solche Fantasien weit verbreitet sind, ist mir klar.
      Deshalb habe ich das erwähnt.

      Und nicht nur im Management gibt es sie, sondern insbesondere auch bei Personen, die – glücklicherweise – überhaupt keine Führungsverantwortung haben.
      Diese versuchen ihre Fantasien dann anderweitig zu kanalisieren – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

      Danke für deinen Link, der mir bestätigt hat, dass ich nicht soziopathisch veranlagt bin.
      Denn auf diese Lösung wäre ich niemals gekommen.

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  3. Thomas Mampel schreibt:

    Toller Beitrag – tolles Blog. Vielen Dank für die Teilnahme an der Blogparade – meine Zusammenfassung aller (tollen) Beiträge erfolgt zeitnah! VG aus Berlin – Thomas

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  4. Pingback: Der Wille zur Macht | Geschlechterallerlei

  5. Pingback: Artikel: Edition F über „unfähige Männer in Führungspositionen“ | ☨auschfrei

  6. Pingback: Neunhundertsechsunddreißig | breakpoint

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