Sechshundertneunundfünfzig

Ich muss mir jetzt einfach mal Luft machen!

Immer öfters treffe ich auf Webseiten von Leuten, die sich als Nerd bezeichnen, nur weil sie täglich stundenlang irgendwelche dümmlichen Computerspiele spielen, oder Fantasy-Fans sind.
Das mag ja ganz OK sein, aber es qualifiziert sie keinesfalls als Nerd!

Ein Nerd zeichnet sich aus durch gewisse Denkstrukuren, die durch exakte Wissenschaften und Technik geprägt sind (wenn ich mich einmal an einer möglichst einfachen Definition versuchen darf).
Ich habe keine Lust, mich mit irgendwelchen Gamekiddies in einen Topf schmeißen zu lassen.

Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Subtypen von Nerds. Da sind durchaus auch Gamer oder Fantasy-Fans dabei. Bloß ist dies keinesfalls eine hinreichende oder auch nur notwendige Bedingung für Nerdigkeit. Wer dies nicht kapiert ist per definitionem kein Nerd! Wer es kapiert, auch nicht zwangsläufig.

Ich will Nerdigkeit gar nicht als unbedingt erstrebenswert darstellen. Der „durchschnittliche“ Nerd hat weniger soziale Kontakte als der „durchschnittliche“ Nicht-Nerd. Ein Indiz für Nerdigkeit ist, dass sich wahre Nerds kaum daran stören. Wozu auch? Sie haben ihre Computer, Zahlen, Algorithmen, Messgeräte, Formeln, etc. Das kompensiert einiges – zumindest den Umgang mit Nicht-Nerds.
Der Stereotypus des Nerds existiert selten bis nie. Aber ich kenne viele Menschen, die – zumindest zeitweise – mehr oder weniger nerdige Züge zeigen. Reine Gamer zählen definitiv nicht dazu.

Auch wenn sich in den letzten Jahren – nicht zuletzt auch wegen der Big Bang Theory – das Image von Nerds in der Bevölkerung verbessert hat (aber vielleicht täuscht mich da mein Eindruck, da ich hauptsächlich mit Nerds und Nerd-ähnlichen Leuten zu habe), meinen nicht alle Personen es als Kompliment, wenn sie jemanden als Nerd bezeichnen.
Dennoch habe ich es längst akzeptiert, zur Gruppe der Nerds zu gehören.
Meine Nerdigkeit ist dabei nicht konstant ausgeprägt, sondern Schwankungen unterworfen (eine Synchronizität mit meinem Monatszyklus konnte ich bislang allerdings noch nicht feststellen).

Kurz gesagt, es ist nicht so, dass ich stolz darauf wäre, aber es entspricht einfach den Tatsachen, dass ich ein Nerd bin.
Und dann kommen diese Möchte-gern-Nerds daher, ohne jegliche Ahnung, und beanspruchen das für sich. Sollen sie sich doch eine andere Bezeichnung suchen. Nerds sind sie keinesfalls.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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42 Antworten zu Sechshundertneunundfünfzig

  1. Lass doch den Begriff „Nerd“ beim DPMA als Marke registrieren. Dann kannst du jeden vor den Richter zerren, der sich als Nerd bezeichnet. Und du kannst dein nerdiges Dasein ganz für dich allein fristen.

    Das Captcha passt wieder mal: „laugh at me“.

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  2. Bellona schreibt:

    Ich hab eine andere Bezeichnung: Freaks. Passt wie Arsch auf Eimer, finde ich. Mein Mann z.B. hat freakige Züge. Find ich putzig. Ist also alles noch im Rahmen. 🙂

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  3. Geeforce schreibt:

    Und was ist mit den „Geeks“? |-|

    ;D

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  4. DerMaskierte schreibt:

    Sprache wandelt sich eben. Mal ein anderes Beispiel „Sodomie“. Und wenn der Großteil der Bevölkerung einen Gamer- oder Fantasy-Fan als Nerd ansieht, dann ist das so. Dagegen kannst du deine schöne Definition in Stellung bringen, das wird nicht wirklich was erreichen.

    Aber sieh das doch mal als riesigen Vorteil: So kann man leichter die Leute erkennen, die ihr Hirn zum Denken benutzen und diejenigen, die dumpf den Medien nachquatschen und bei denen das Gehirn somit allenfalls kosmetische Zwecke erfüllt.

    Doch viel interessanter finde ich, dass du dich überhaupt daran reibst. Einen wahren Nerd zeichnet es nämlich doch unter anderem aus, dass ihm das völlig egal ist. Und dann solltest du eigentlich auch die Gelassenheit besitzen, mit Gamern und ähnlichen Gestalten in einen Topf geworfen zu werden.

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    • breakpoint schreibt:

      Auch wenn ich mir jetzt mal einen Eintrag lang erlaubt habe, mich darüber aufzuregen, ist es mir grundsätzlich wurscht.
      Ich habe halt diese Beobachtung gemacht, und das Phänomen beschrieben.

      Jemanden, der ständig und ununterbrochen ein „wahrer Nerd“ ist, kenne ich nicht. Sogar Sheldon hat seine lichten Momente.
      Und ich gebe sogar zu, dass mein Verhältis zu (meiner Definition von) Nerdismus recht ambivalent ist.
      Aber gerade deshalb hänge ich an dem Begriff, mit dem ich mich ja erst zusammenraufen musste, bevor ich das für mich akzeptieren konnte.

      Du hast schon recht, dass sich Sprache ändert, aber bislang hatte ich nicht den Eindruck, dass der Großteil der Bevölkerung Gamer etc. zu den Nerds zählt.
      Ich mag mich allerdings täuschen. Ach, was soll’s?

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      • DerMaskierte schreibt:

        Die Generation, die gerade in die Hörsäle/Ausbildung strömt, verwendeten den Begriff Nerd inzwischen viel öfter. Dem Begriff Geek begegne ich dafür immer seltener.

        Aber, wie du richtig bemerkst: Was soll’s? Wir sind, was wir sind und fertig.

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  5. schaum schreibt:

    ach weisst du, menschen, die behaupten etwas ungewöhnliches zu sein, sind meist ungewöhnlich eingebildet oder dumm…….nicht alle. aber die echt ungewöhnlichen halten lieber den mund und schweigen…..

    es schäumt meinesicht

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    • breakpoint schreibt:

      Als „ungewöhnlich“ sehe ich Nerds keinesfalls an. Viele Menschen haben zumindest zeitweise nerdige Züge.

      Schweigen ist eine Option, die mich an das Sprichwort „Der Klügere gibt nach“ erinnert.
      Wer immer nachgibt, ist irgendwann der Dumme.

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      • schaum schreibt:

        ich denke, das echt nerdige ist ungewöhnlich, weil es nicht als allgemein wahrgenommener standard bezeichnet werden kann. und schweigen soll man nicht zu wichtigen sachen, sondern über jene besondere eigenschaft……

        es schäumt someinteichdas

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  6. plietschejung schreibt:

    Oh, das ist mir grad egal 🙂

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  7. gammler67 schreibt:

    ich bin in einem alter,in dem ich klassizifierungen nicht mehr brauche.

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  8. sigrun_beate schreibt:

    Letztendlich verstehe ich gar nicht, wie man sich freiwillig als Nerd bezeichnen mag. Für mich ist das absolut negativ besetzt.
    Aber ich weiß, dass es heute total angesagt ist ein Nerd zu sein. Das ist heute vielmehr ein Qualitätsmerkmal.

    Früher waren Nerds auf jeden Fall die, die in der Pause in der Schule auf’n Kopp bekommen haben. Keiner konnte sie leiden, sie waren immer allein, hatten und wollten keine Freunde. Sie sahen auch immer anders aus, trugen Klamotten, die einfach unmodern waren. Wir fragten uns immer, wo die das überhaupt herbekommen?

    Heute ist es ja so, dass man total cool und angesagt ist, wenn man aussieht wie ein Nerd.

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    • breakpoint schreibt:

      Zu Zeiten, als Nerds noch gesellschaftlich geächtet waren, habe ich das damals – nolens volens – für mich akzeptiert.
      Jetzt, da Nerds eher anerkannt oder gar geschätzt werden, soll ich davon Abstand nehmen?

      Meiner Erfahrung nach entwickelt sich das Nerdige erst in der Jugend und frühem Erwachsensenalter.
      In der Kindheit sind zwar schon die Anlagen vorhanden, aber richtig offensichtlich prägt es sich erst später aus und manifestiert sich.

      Ich habe beruflich viel mit Nerds zu tun. Die allerwenigsten davon sehen wirklich so aus, wie es dem Klischee entspricht.
      Nerdism äußert sich nicht in der Kleidung, sondern im Kopf.

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      • sigrun_beate schreibt:

        Ich dachte immer, dass ein Nerd keine Zeit verschwendet, um sich mit so etwas profanem wie Kleidung auseinanderzusetzen.

        Die meisten Nerds, die ich kenne, haben dafür jedenfalls keine Zeit und kein Interesse. Und daher erkenne ich meist einen Nerd schon an seiner Kleidung, die er ganz sicher nicht extra dafür wählt, weil er eben mit anderem, viel wichtigerem beschäftigt ist.

        Aber es gibt dann eben auch die, die sich extra so kleiden, wie es ein Nerd tun würde, um so zu tun, als wären sie einer. Das ist heute ja eben total cool und angesagt.

        Außerdem dachte ich, dass es einem Nerd mal komplett egal ist, ob er einer ist oder nicht. Ist das nicht viel zu eitel für einen Nerd?

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  9. Du hast das „…now get off my lawn!“ vergessen. 😉

    captcha: it hurts

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  10. ednong schreibt:

    LOL – da spricht ein beleidigter Nerd. „Und du sollst keinen Nerd neben mir haben“ … 😉

    Ist das schön, worüber du dich aufregst.

    Das Captcha meint, ich sollte dir ein Paket schicken.

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  11. 13girlslater schreibt:

    Hachja, wie ja in einem guten Buch mal geschrieben wurde: Ein hacker bist du nicht, wenn du dich selbst als einer bezeichnest, auch nicht, wenn dich die Welt als einer bezeichnet, sondern wenn andere Hacker dich als einen bezeichnen.

    Vermutlich ist das mit dem Status „Nerd“ ähnlich, da gibt es drei Kategorien: Leute, die sich für einen Nerd halten, Leute, die von dritten für einen Nerd gehalten werden, und Leute, dei von Nerds für einen Nerd gehalten werden. und die der letzteren Kategorie bestreiten natürlich die Legitimität der anderen beiden 🙂

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    • breakpoint schreibt:

      Ja, eine ähnliche Definition habe ich auch schon über Nerds gelesen.
      Sinngemäß: „Ein Nerd ist, wen andere Nerds dafür halten“ – was ja deiner dritten Kategorie entspräche.

      Bei deinen drei Kategorien enthält vermutlich nur die Schnittmenge den wahren Vollnerd.

      Nachdem ich im Laufe der Zeit von einigen Nerds als ebensolcher bezeichnet wurde (3. Kat.), und die ja recht habe müssen 🙂 , kam ich zur Überzeugung, wohl auch einer zu sein (1. Kat.).
      Was die 2. Kategorie angeht: Wenn dritte mich so bezeichnet haben, war das manchmal alles andere als freundlich gemeint. Die meisten Leute (insbesondere die mich kaum kennen) sehen mich wohl nicht als Nerd.

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  12. remi1 schreibt:

    Ich finde auch das nerdig sein in der allgemeinen Wahrnehmung irgendwie cooler geworden ist. Ich hab ein Herz für Nerds 🙂

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  13. CAPTCHA: „change the world“

    Gotta love it! ❤

    Wann beginnen wir die Weltrevolution der Nerds?

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  14. Pingback: Artikel in der Welt über Nerds und Frauen | ☨auschfrei

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