Sechshundertfünfundfünfzig

Zur Blogparade des Museumsblogs zum Thema Aberglaube hätte ich eigentlich kaum etwas anderes zu schreiben als das, was ich bereits zum Thema Religion gebloggt habe.
Als Naturwissenschaftlerin und Bright glaube ich nicht an irgendwelche Mythen, sondern nur an die Natur.
Wenn ich das jetzt näher begründen würde, würde ich Begriffe wie Kausalität, Determinismus, Korrelation, Koinzidenz, Poisson-Statistik und Self-fulfilling Prophecy nennen. Ich glaube, das ersparen wir uns alle lieber – zumal ich damit bestimmt niemanden von seiner vorgefassten Meinung abbringen würde.

Das heißt, eine paar Anmerkungen möchte ich doch noch machen:
Wenn irgendetwas als „Wunder“ deklariert wird, bzw. eine Aussage wie „Das kann kein Zufall sein!“ gemacht wird, so sind das ganz einfach extrem seltene Ereignisse. Bei Milliarden oder Billionen von Ereignissen, die alltäglich auf unserem Planeten stattfinden, ist halt auch gelegentlich ein Ereignis dabei, desses Eintrittswahrscheinlichkeit äußerst klein ist.
So ist es absolut plausibel, dass jeder im Laufe seines Lebens das eine oder andere Erlebnis hat, dass sich völlig unglaublich und unwahrscheinlich anhört, aber eben doch zutrifft.
Abergläubische Menschen merken sich gezielt solche minderwahrscheinlichen Ereignisse (während sie die den Rest ignorieren) und suchen Korrelationen mit unabhängigen Ereignissen. Beispielsweise bekleckern sie sich mit Kaffee. Ist zufällig gerade Freitag, der 13, ist der natürlich schuld daran. Ansonsten hätten sie es einfach wieder vergessen. Auch die Erwartungshaltung, dass z.B. nach der Begegnung mit einer schwarzen Katze Ungemach droht, führt dann erst dazu, dass sie über den Bordstein stolpern.

Wie kommt Aberglaube überhaupt zustande?
Ich nehme an, dass sich zufällig bestimmte Koinzidenzen häuften. Im Bestreben, Strukturen, Muster und Regeln zu erkennen, wurden dann aus diesen Beobachtungen folgernd derartige Hypothesen aufgestellt.
Schätzungsweise hat dieses – durchaus anerkannte – Vorgehen sogar oft sinnvolle Ergebnisse geliefert. Im Falle des – per definitionem – Aberglaubens jedoch hätten diese keiner strengen wissenschaftlichen Überprüfung standgehalten.

Aber glaubt nur weiter an eure Glücksbringer.
Der heilige Placebo möge mit euch sein!

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Sechshundertfünfundfünfzig

  1. gammler67 schreibt:

    aberglauben kann auch lustig sein.
    ich ziehe immer den linken socken und/oder schuh zuerst an.

    😉

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  2. baerlinerinn schreibt:

    …hahaha. Das “links“ Vorzug gegeben wird, kannte ich auch. Ob mit links zuerst auf den Bordstein, auf die erste Treppenstufe oder aus dem Bett, denn es gibt den Aberglauben, “links, Glueck bring‘s“! – Ich habe mich letzten Sommer quasi selbst daraus befreit. Dachte bis zum 04.08.13 auch an Schicksal und Vorherbestimmung, mein Leben war leicht und bekam mit meiner Huendin Baia wie erhofft einen Sinn. An dem Tag verstarb sie urploetzlich mit nur 3 Jahren und seit dem lache ich hysterisch, wenn mir wieder einer was vom Pferd erzaehlen will. Ich gehe absichtlich mit rechts zuerst aus Bett und auf Stufen und eine Spinne am Morgen bringt auch nicht mehr Kummer und Sorgen als am Abend. Ich pfeife auf den ganzen Schei** jetzt! – Nur an eine andere Form des Lebens und Seins mag ich noch glauben, weil ich immer noch hoffe, meine Baia begleitet mich weiter oder aber, dass ich sie wiedersehen werde. Wie und wann, keinen Plan. Es troestet einfach. 😦

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    • breakpoint schreibt:

      Das Internet ist voller Links.
      Neutrinos sind linkshändig.

      Ich gebe eigentlich bewusst keiner Seite den Vorzug, sondern mache alles nach Gewohnheit.

      Als ich 13 Jahre alt war, wurde mein kleiner, schwarzer Kater überfahren.
      Damals habe ich tagelang nur geheult.
      Zu dem Zeitpunkt war ich bereits vom christlichen Glauben abgefallen.
      Aber es wäre so tröstlich gewesen, an Jenseits u. dgl. glauben zu können. Ich konnte es leider nicht mehr.

      Dies hat mich jedoch gelehrt, andere nicht bekehren zu wollen.
      Wer mit seinem Glauben im Einklang steht, soll das ruhig bleiben – solange er anderen nicht dadurch schadet wie viele religiöse Fanatiker es leider zu tun versuchen.

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  3. Leser schreibt:

    Hmm, wie war das noch? „Ich brauche keine Religion, ich bin doch Gott“ (genauso, wie alle anderen auch)…
    Will sagen: Einerseits ist das, was institutionalisierte Religionen die Menschen glauben machen, absoluter Unsinn (eine Religion, wenn sie ehrlich ihr selbst genanntes Ziel verfolgte, würde sich schließlich selbst abschaffen, weil sie die Menschen freimachen würde, anstatt sie in Abhängigkeit und Angst zu halten). Genau dasselbe mit den abergläubischen „Regeln“, ich liebe auch alle Katzen und Hunde gleich – warum sollte dann da eins irgendwo eine andere „Bedeutung“ haben, als das andere.
    Es sind aber zugleich in meinem Leben auch genug Dinge passiert, dass ich auch nicht mehr an Zufall glauben kann. Also, dass hinter Zufall wirkliche „randomness“ steckt, und nicht doch irgend eine Regel, die nicht erklärbar ist. Ich würde diese Dinge auch im „Großen“ eher als ein Resultat aus quantenmechanischen Vorgängen sehen. So kann man sagen, aus den Prinzipien hinter Heisenberg’s Unschärferelation und Schrödinger’s Katze folgt für mich, dass (jedes) ich als Beobachter (Gott) bestimmt, was „ich“ erlebt – und zwar anhand dessen, was „ich“ glaube, wovon „ich“ überzeugt bin – der tricky part dabei ist jedoch, dass mir das in den meisten Fällen nicht bewusst ist, weil eben „unterhalb“ des Bewusstseins als Spitze des Eisbergs noch ganze Welten an unbewussten Überzeugungen, Glaubenssätzen usw. stehen, welche die Wahrscheinlichkeitsverteilung dessen, was man erlebt, beeinflussen.

    Einerseits klingt das grausam, wenn man an solche Dinge denkt, wie den Verlust des Hundes von baerlinerin (Du hast mein höchstes Mitgefühl, es ist wirklich ein schlimmes Trauma, sowas zu erleben) oder Deiner Katze (da gilt dasselbe) – aber es eröffnet auch eine ganz neue Ebene an Eigenverantwortung, nämlich die, sich (seiner selbst) immer bewusster zu werden.

    Zugleich ist es für mich absolut unvorstellbar, als bewusst wahrnehmende und empfindende Wesenheit zu „nicht-existieren“, also kann ich auch nicht akzeptieren, nach dem Ende des Körpers einfach nicht mehr zu sein, denn dann gäbe es kein „ich“.

    So halte ich jede Religion zwar für absoluten Unsinn (z.B. den Teil der monotheistischen Religionen, wonach es einen „allmächtigen“ Gott gibt, der aber dann so „ohnmächtig“ ist, dass er von seinen Geschöpfen will, dass sie was bestimmtes tun, was außerhalb ihres „freien Willens“ liegen könnte – das ist bei genauerer Betrachtung doch eher ein kosmischer Witz!), aber in manchen darin enthaltenen Informationsfragmenten kann ich durchaus auch eine Möglichkeit sehen, wie es wirklich sein könnte (z.B. halte ich Reinkarnation, und in diesem Zusammenhang auch Karma, für möglich, und für eine stimmige Erklärung, warum Kinder, wenn sie als „frisch formatierte Speichermedien“ geboren werden, bereits unterschiedliche Veranlagungen, Vorlieben etc. haben).

    Aber, warum sollte ich versuchen wollen, davon jemanden zu überzeugen? Ist doch jeder frei, das zu denken oder glauben, was er will, und wenn ich Reinkarnation da zu Grunde lege, dann kann es doch auch nur so sein, dass alles, was ein Mensch erlebt, dem größtmöglichem „Wachstum“ des „Ichs“ dient (über die zeitlichen Grenzen einer körper-Existenz hinaus), also wäre es doch der letzte Unsinn, irgendwas oder -jemanden verändern zu wollen.

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    • breakpoint schreibt:

      Wenn es dir mit dem Glauben an Inkarnation gut geht, dann tu das ruhig.
      Ich will dich keinesfalls umstimmen.

      Nach meiner Überzeugung haben sich die ganzen Religionen nur deshalb über Jahrtausende gehalten, weil sie eine „Erklärung“ liefern, wie es nach dem Tode weitergeht – sei es Himmel/Hölle, Wiedergeburt, Nirwana, 42 Jungfrauen, …

      Allerdings wüsste ich nicht, wie im Falle der Reinkarnation der Transfer der Persönlichkeit (oder was immer wiedergeboren wird) erfolgen sollte.
      Nach allem, was ich zu wissen glaube, ist für die Existenz von Geist oder Information zwingend ein materielles Trägermedium nötig.
      (Oder wie Bart und Homer Simpson sich einst unterhielten: „What is matter?“ – „Never mind.“ – „What is mind?“ – „No matter.“)

      Bei der Geburt sind Kinder keinesfalls „frisch formatierte Speichermedien“.
      Da sind durchaus bereits „Daten“ vorhanden, nämlich Gene oder auch die Umgebungsbedingungen im Mutterleib.
      Derzeit leben auf der Erde mehr Menschen, als es in der Vergangenheit jemals insgesamt gab (überexponentielles Wachstum).
      Selbst wenn ich Reinkarnation als Prämisse anerkennen würde, würde das eventuellen Erhaltungssätzen oder Kontinuitätsgleichungen widersprechen.

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      • Leser schreibt:

        Ich hab ja nicht gesagt, dass Du das selbst glauben sollst, sondern lediglich, dass es für mich eine der plausibelsten Erklärungen für vieles ist. Die „Entstehung“ von Bewusstsein als „random convergence“ aus „toter Materie“ ist für mich nicht nur nicht vorstellbar, sie kann gar nicht möglich sein. Ja, auch „lebendes Gewebe“ ist so betrachtet tote Materie, denn weder chemisch, noch physikalisch gibt es da wesentliche Unterschiede, wenn man den Körper eines beliebigen Lebewesens 5 Minuten vor und 5 Minuten nach dessen Tod betrachtet.
        Ohne Bewusstsein kann es meiner Meinung nach keine Materie geben, da kommt dann auch die Anlehnung an die Unschärferelation ins Spiel: Etwas, was nicht wahrgenommen wird, kann nicht existieren (Genauso wie es unmöglich ist, zu beweisen, ob ein Baum beim Umfallen ein Geräusch macht, wenn nichts und niemand da ist, der es hören könnte, also keine Ohren, Mikrofone oder sonstigen technischen oder organischen „Wahrnehmungsorgane“ für Schallwellen in der Nähe sind). Wobei natürlich „Wahrnehmung“ auch „in Gedanken“ bestehen kann, also z.B. man ist irgendwo anders, das gesamte Haus ist leer, alle Fenster schalldicht geschlossen, und man stellt sich vor, dass daheim das Telefon klingelt. In dem Moment hat man die Wahrnehmung des Telefonklingelns natürlich auch erschaffen – aber außerhalb von Raum und Zeit, denn es kann ja auch zu einem ganz anderen Zeitpunkt passieren, dass das Telefon klingelt.

        Und, ganz ehrlich, wenn die Wirklichkeit statt dessen so „mechanistisch“ (oder „materialistisch“) beschaffen wäre, wie die Wissenschaft es derzeit erklärt (was innerhalb der wissenschaftlichen Weltmodelle ja auch vollkommen schlüssig ist, aber eben nicht darüber hinaus geht), dann würde das für mich bedeuten, ich könnte ja auch einfach mal aus Spaß den ganzen Planeten zu Staub sprengen, weil die Existenz des Planeten, der Menschheit, von Leben überhaupt, vollkommen bedeutungslos wäre. Natürlich kann ich das nicht, mache es nicht und will es auch gar nicht machen – aber eben nur deshalb, weil ich einen Sinn „dahinter“ sehe, den mir das, was ich mit der gesellschaftlich genormten Filterung des Inputs meiner Wahrnehmungsorgane erfasse, nicht bieten könnte (und solange ich noch nicht sämtliche Filter abgebaut habe, *und das dann auch aushalte*, kann ich nicht davon ausgehen, dass alles nur so ist, wie es scheint).

        Vielleicht ist es wirklich auch nur das: Nicht die Welt als sinnlos zu sehen/sehen zu wollen, weil es dann ja egal wäre, wer lebt und wer stirbt – und damit wäre ich dann auch wieder in der Steinzeit angelangt, wo ich meinem Gegenüber einfach den nächsten Felsen über die Rübe ziehe, weil er mir den Mammutschenkel geklaut hat, mit dem ich meine Familie ernähren will. Sozusagen eine Rechtfertigung, nicht zu einem der skrupellosen Psychopathen zu werden, die sich an den Führungsspitzen von Politik und Wirtschaft tummeln und für den erbärmlichen Zustand unseres Planeten verantwortlich sind 🙂

        OK, jetzt habe ich mich für meine Weltsicht genügend gerechtfertigt, und gehe noch auf den letzten Punkt ein: Ein frisch formatiertes Speichermedium ist ja auch nicht komplett leeer und nur mit Nullen beschrieben, sondern da ist ein Dateisystem drauf, also schon eine gewisse Struktur. Derer gibt es viele verschiedene, womöglich unzählige – das würde ich eher mit den genetischen Veranlagungen gleich setzen. Ich kann auch nicht nachvollziehen, wie Gene für „geistige“ Dinge verantwortlich sein sollen, also z.B. die Lieblingsfarbe des Kindes, oder ob es Fleisch oder Schokolade mag oder nicht mag, oder ob es sich vor Hunden fürchtet oder Hunde mag usw…das ist in meinen Augen alles auf der Ebene einer „Hochsprache“, und die ist ja durch den Compiler weitestgehend von der Hardwareplattform, auf der sie läuft, unabhängig.

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        • breakpoint schreibt:

          Ja, wir haben wohl ziemlich unterschiedliche Weltbilder, und könnten sicherlich open end diskutieren, ohne auf einen Konsens zu kommen.
          Aber das ist auch gar nicht nötig.

          Einige Anmerkungen kann ich mir dennoch nicht verkneifen:

          Intelligenz und Bewusstsein ist ein hochkomplexes Phänomen. Die Fortschritte bei AI deuten in die von mir angenommene Richtung, dass das Bewusstsein aus komplexen Strukturen emergiert (mir fällt gerade kein treffendes deutsches Wort ein).
          Kein Bewusstsein ohne Materie.

          „Etwas, was nicht wahrgenommen wird, kann nicht existieren“
          Das ist – mit Verlaub – :no:
          Wer nimmt jedes kleine Sandkorn in der Sahara wahr? Wer nimmt jedes Wassermolekül in den Ozeanen wahr?
          Nimmst du die dunkle Materie im Universum wahr? Nimmst du jede Mikrobe, jedes Atom, jedes einzelne Elektron war?
          Nimmt irgendjemand, das Gammaquant wahr, das inmitten einer Sonne einer fernen Galaxis zu einem bestimmten Zeitpunkt erzeugt, und 2 Nanosekunden später schon wieder absorbiert wird?
          Die Existenz eines Beobachters ist nicht notwendig für die Existenz der Observablen. Unabhängig davon kann der Beobachter auch nur das beobachten|messen|wahrnehmen, für das er geeignete Sinnesorgane, Sensoren oder Messgeräte hat.
          Und selbstverständlich macht es einen Krach, wenn ein Baum umfällt – völlig unabhängig davon, ob vielleicht gerade jemand in Hörweite ist.
          Du hast zwar recht damit, dass man diesen Krach – im nachhinein – nicht beweisen kann, weil ihn niemand registriert hat, aber die Annahme, es hätte keine Geräuschentwicklung gegeben, liefert nur Inkonsistenzen und Widersprüche.
          Da halte ich es mit Ockham’s Razor.

          Dein Vergleich mit dem Speichermedium hat mir gleich nicht so richtig gefallen.
          Aber wenn schon, dann würde ich die Gene nicht als Analogie des Dateisystems sehen, sondern eher als Betriebssystem, mit individuellen Voreinstellungen und Defaults.
          Der Geschmack und die Vorlieben eines Menschen entwickeln sich teilweise auch später noch (die „installierten Anwendungen“).
          Dabei kommt es z.B. darauf an, was er als erstes im Leben gegessen hat, ob damit positive Assoziationen verknüpft sind, oder eher negative.
          Auch viel später noch kann man beispielsweise einen Widerwillen gegen bestimmte Lebensmittel entwickeln, wenn man z.B. versehentlich etwas Verdorbenes gegessen hat.

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          • Leser schreibt:

            Ich kann nichts tun, außer Dir Deine Meinung zu lassen – und anzumerken, dass ich es anders sehe 🙂

            Captcha: „get well“

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            • breakpoint schreibt:

              Wir sind ja beide tolerant und wollen einander nicht „bekehren“.
              Es ist doch trotz aller Meinungsunterschiede schön, dass wir uns darüber ganz sachlich unterhalten können, und uns gut verstehen.
              Ich schätze dein Feedback immer sehr.

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            • Leser schreibt:

              Ja, das sehe ich auch so – zugleich habe ich gemerkt, wenn ich auf Deine Antwort näher eingegangen wäre, hätte ich angefangen, zu argumentieren, und das wäre dann eben doch wieder zu einem „überzeugen wollen“ geworden, weshalb ich es sein gelassen habe, weil ich weiß, dass es nicht nur nichts bringt, sondern mir auch gar nicht zugestanden hätte (ich bin ja weder „Missionar“, noch in irgend einer Weise religiös oder fanatisch) – das ist bei solchen Diskussionen dann immer etwas schwer, und ich habe den Fehler schon oft gemacht, meinen Standpunkt zu stark argumentativ zu vertreten, weil ich erst im Nachhinein bemerkt habe, wo ich mich da hinein ziehen lassen habe. Deshalb stoppe ich das inzwischen rechtzeitig, bevor ich von mir selbst unbemerkt anfange, überzeugen zu wollen. Dabei geht es mir in den meisten Fällen so, dass ich meinem Gegenüber sogar zustimme, aber eben auch sehe, dass die andere, von mir vertretene Position auch wahr ist. Meine Gegenüber sehen darin dann ein „entweder – oder“, wo ich ein „sowohl – als auch“ sehe, aber das kommt in so einer Diskussion selten raus, und letztendlich bringt es ja auch gar nichts, am Weltbild eines Menschen etwas ändern zu wollen, bzw. wäre eine Form von Übergriff, die keinem Menschen zusteht.

              Captcha: „margin of error“ 🙂

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  4. Christoph Pelzl schreibt:

    Vielen lieben Dank für den Beitrag zur Blogparade. Ist bislang auch der erste Post, der sich so ganz zentral mit dem Zustandekommen von Aberglauben befasst.

    Was die Ausstellung zeigen soll / wird:
    Aberglaube definiert sich nicht selbst. Der Begriff bezeichnet Überzeugungen und Praktiken, die jenen widersprechen, die sich als allgemein gültige Lehre mit gesellschaftlicher Macht durchgesetzt haben. Seit Ausgang des Mittelalters unterschied die christliche Lehre zwischen Recht- und Falschgläubigen und prägte somit die Bezeichnung. Mit der Aufklärung des 17./18. Jahrhunderts übernahmen die Wissenschaften den Terminus für alle Anschauungen, die nicht mit rationalen Methoden begründbar waren. Doch bereits in der Antike, allen voran von Cicero, wurde der Aberglaube (Superstitio) heftig bekämpft.

    Als Aberglaube wird oft bezeichnet, was zuvor gängiges Wissen im Umgang mit der Welt war. Einiges davon findet man in alten, einst anerkannten Lehrbüchern, doch der Großteil dieses Wissens wurde nicht niedergeschrieben, sondern mündlich tradiert. Hinzu kommt die stete Durchdringung mit religiösen Inhalten, die von der Kirche nicht verhindert werden konnte oder teilweise von ihr gefördert wurde. Der Aberglaube wurde so zu einem nicht eingrenzbaren und nicht festschreibbaren Kompendium des Weltwissens.

    Grundlegend ist im Aberglauben zwischen der „magia naturalis“ und der „magia daemonica“ zu unterscheiden, auch wenn beide einander überschneiden. Die „magia naturalis“ deutet Zeichen in der Natur als Hinweis auf zukünftige Ereignisse oder sucht nach ihnen, zum Beispiel mit den Künsten, in den Sternen, in den Händen oder in der Erde zu lesen. Sie überschreitet die Grenze zur Zauberei, wenn sie Praktiken zur Beeinflussung des zukünftigen Schicksals anwendet. Die „magia daemonica“ geht davon aus, dass gute und böse Geistwesen das Leben der Menschen beeinflussen und ist damit im Grunde den Religionen recht verwandt.

    Die Ausstellung an sich widmet sich einem Weltbild, das keinen Zufall kennt. Sie kann nur fragmentarisch einige Gebiete anreißen und muss auf viele weitere Aspekte verzichten. Sie soll dazu anregen, skeptisch mit Kategorien von „wahr“ und „falsch“ umzugehen und für möglich zu halten, dass unsere moderne Wissensgesellschaft vieles (noch) nicht weiß.

    Liebe Grüße
    Christoph

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    • breakpoint schreibt:

      Vielen Dank für den interessanten, geschichtlichen Überblick.
      Ich finde es toll, wenn im Rahmen einer Blogparade ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird, so dass auch unerwartete Aspekte aufgegriffen werden.

      Als Naturwissenschaftlerin versuche ich das Thema Aberglaube aus einem rationalen, möglichst objektiven Blickwinkel zu sehen.

      Ich habe mir auch wirklich überlegt, ob es irgendwelche Rituale in meinem Leben gibt, von denen ich annehme, dass sie Glück bringen bzw. Unglück vermeiden.
      Aber mir ist nichts derartiges eingefallen.

      Beispielsweise bei meiner Hochzeit trug ich zwar neue, blaue Strumpfbänder (die viel Freude brachten) und borgte mir selbst eine gebrauchte Uhr.
      Aber das lief für mich unter Tradition und bedeutete keinen größeren Aufwand.
      Ich wäre aber niemals auf die Idee gekommen, das könnte irgendeinen Einfluss auf mein Eheglück haben.

      Schönen Tag und lg
      breakpoint

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  5. breakpoint schreibt:

    AchthundertDie Gretchenfrage habe ich schon vor längerer Zeit beantwortet, einmal über Aberglauben geschrieben, und kürzlich über die Beschreibung der Natur gebloggt.
    Allmählich ist es auch mal angebracht, meine persönliche Weltanschauung zu erläutern. Niemand m…

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