Sechshundertzwanzig

Skihütte? So schnell nicht mehr. Und freiwillig schon ganz und gar nicht.

Wir kamen am Freitag abend an und lernten zunächst den Gastgeber Bernd mit seiner Frau Marion und dann noch die zwei anderen eingeladenen Paare kennen. Die Männer waren alle mehr oder weniger in Carsten’s Alter, die Frauen eher etwas jünger, wenn auch nur unwesentlich.
Das gemeinsame Abendessen ließ sich noch einigermaßen gut an. Das Essen war OK und die Hütte ordentlich geheizt.
Die Männer sprachen hauptsächlich über Geschäftliches oder die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, zeitweise auch über die Olympiade. Das Hauptthema der Frauen war es, sich gegenseitig mit Wechseljahresbeschwerden zu übertrumpfen (da konnte ich nicht mitreden). Als nächstes die Erfolge ihrer Kinder in Schule oder Studium (genauso wenig). Dann Kochrezepte, Haushaltstipps, schöner Wohnen (gäähhn!). Schließlich Promiklatsch (interessiert mich nicht), Mode (brauch ich nicht – ich habe meinen eigenen Geschmack) und Kosmetik (hab ich sowieso nicht nötig).
Wenn Carsten nicht gelegentlich versucht hätte, mich in die Unterhaltung miteinzubeziehen, wäre ich wohl den gesamten Abend über stumm geblieben. Schließlich gab er es aber auf.

Unser Bett war zwar mollig warm, aber leider etwas zu klein, und die Wände viel zu hellhörig.

Am nächsten Morgen war der Skiausflug geplant. Ich hatte von Anfang an klar gemacht, das ich da nicht mitkommen wolle, was Carsten auch diskussionslos akzeptierte. Die anderen jedoch versuchten mich zu überreden, weil das ja angeblich so viel Spaß mache (dabei hatte ich nicht einmal geeignete Kleidung dabei), bis ich in meiner Not erklärte, dass ich mir kürzlich den Fuß verletzt hätte. Das entspricht sogar der Wahrheit, wenn man „kürzlich“ nur geeignet auslegt.

Außer mir blieb noch Marion in der Hütte zurück: „Fäin, da köhnnen wir ja gemäinsahm das Fondue und den Ahbend vohrberäiten.“
Sie erwartete allen Ernstes von mir, dass ich ihr beim Gemüseschnipseln und dergleichen half. Anfangs machte ich noch gute Miene zum bösen Spiel, faltete irgendwelche Servietten und verteilte – absolut unnützes – Dekozeugs.
Aber irgendwann wurde mir die Sache denn doch zu blöd. Eigentlich hatte ich ein bisschen lesen wollen, stattdessen nervte mich diese Frau, deren Dialekt ich fast nicht ertragen konnte, und forderte mich auf, irgendwelches Gemüse zu putzen, dessen Namen ich noch nicht einmal kannte (wie soll ich da wissen, ob ich das Zeug überhaupt mag?). Nicht einmal einen vernünftigen Kaffee konnte ich trinken (er schmeckte einfach schauderhaft).
Kein Wunder, dass ich daraufhin Kreislaufprobleme bekam (insbesondere bei „dieser dünnen Luft“ im ungewohnten Klima), die mir einen Vorwand lieferten, mich ins Bett zurückzuziehen.
Ich verzichtete sogar auf die „Mittagsjause“, und fühlte mich erst wieder am Abend wohl genug, um mit den anderen zusammen zu Abend zu essen.

Danach spielten wir einige Gesellschaftsspiele. In Trivial Pursuit bin ich normalerweise gar nicht schlecht, aber ich musste zusammen mit Helmut spielen, der mich ziemlich ausbremste. Carsten dagegen ließ sich von seiner Spielpartnerin nicht stören, und übernahm bald die Führung. Wenn nicht diese blöde Sportfrage gekommen wäre, hätte ich ihn ja noch eingeholt, aber so gewann er, und mir blieb nur der zweite Platz.
Dann gab es noch so ein Spiel, bei dem man malen musste. Das kann ich eh nicht. Und noch ein paar andere, die aber nicht sonderlich interessant waren.
Schließlich war – nicht nur ich – müde, so dass es schließlich den Konsens gab, sich für die Nacht zurückzuziehen.

Es ergab sich, dass Carsten ein paar Minuten vor mir im Bett war. Als ich soweit war, schlief er bereits tief und fest. 😦

Einerseits rentiert sich es kaum noch, diesen Eintrag aufzusplitten, andererseits habe ich jetzt aber zu wenig Zeit, den Rest sofort zu bloggen.
Entweder ich schreibe demnächst eine Fortsetzung, oder ich verzichte wegen zu geringer Relevanz.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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33 Antworten zu Sechshundertzwanzig

  1. schaum schreibt:

    du hast gelitten. doof und schade drum, aber war ja wohl vorherzusehen….und nun mit volldampf wieder zurück ins leben

    es schäumt normalkannauchcharmantsein

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  2. Leser schreibt:

    Langweilig kann auch interessant sein, besonders wenn es gut geschrieben ist. Ich bin also für eine Fortsetzung, selbst wenn sie eine total öde Begebenheit beschreibt. Allerdings kan ich fast nicht glauben, dass nicht doch noch irgendwas auch nur im Entferntesten interessantes passiert ist.

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  3. plietschejung schreibt:

    Ich stelle mir grad die Frage, wieviele Freunde du zuhause hast und worüber du mit ihnen sprichst. Eine derartige Ablehnung von Menschen habe ich selten erlebt oder gelesen. Klär‘ mich mal auf, bitte.

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  4. aliasnimue schreibt:

    Wie geht Carsten denn mit Deiner ablehnenden Haltung um?
    Ich stelle mir vor, dass er früher über ein großes soziales Umfeld verfügt hat und das auch zu schätzen wußte/weiß.
    Gibt es da nicht die Möglichkeit, dass Du Deine Einstellung da ein wenig ändern könntest?

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    • breakpoint schreibt:

      Wenn Carsten früher ein größeres soziales Umfeld hatte, so lag das wohl hauptsächlich an Ingrid.
      Eigentlich ist er nämlich auch eher Einzelgänger und lebt lieber ungestört und zurückgezogen.

      Da er diese Geschäftspartner schon länger kannte, und es etliche Gemeinsamkeiten gibt, fiel es ihm nicht schwer, sich mit ihnen zu unterhalten.

      Ich habe keine ablehnende Haltung, bin nur zurückhaltend, wenn ich die Leute nicht näher kenne.

      Inzwischen habe ich mich zwar einigermaßen an Smalltalk gewöhnt, aber was sonst sollte ich an meiner Einstellung ändern?
      Wenn ich mich mit einem Thema nicht auskenne, dann halte ich lieber den Mund.
      (IMHO hätten wir eine deutlich bessere Welt, wenn sich mehr Leute an diese Maxime halten würden.)

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  5. remi1 schreibt:

    Ja ich kenn das Hüttenproblem 😉 aber ich konnte sehr gut schlafen 😉

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  6. sabienes schreibt:

    Ich will eine Fortsetzung!!! Ich will eine Fortsetzung!!!
    Ja ich kenne auch solche Zusammenkünfte. Und da ich Kinder habe, bin ich bezüglich bestimmter Kontakte schon recht abgehärtet.
    Seitdem ich in den Wechseljahren bin, kann ich wenigstens in einem Punkt mitreden.
    LG
    Sabienes

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  7. breakpoint schreibt:

    SechshundertzweiundzwanzigAlso blogge ich jetzt doch noch die Fortsetzung des Skiwochenendes.

    Am Sonntag Vormittag wollten alle nach dem Frühstück noch einen Schneespaziergang machen. Ich hatte dazu aber keinerlei Lust, und insbesondere kein geeignetes Schuhwerk dabei.
    Nein…

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  8. Bellona schreibt:

    mich schüttelt’s beim lesen, ehrlich.

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  9. idgie13 schreibt:

    Diese Trennung in Männlein und Weiblein werde ich nie verstehen – vielleicht weil ich mich in beiden Welten wohl fühle.

    In dem Moment, wo aber die Kinder- und Wechseljahrthemen auf den Tisch gekommen sind, hätte ich aber sicher spätestens die Fronten gewechselt.

    Hattest Du wenigstens ein Strickzeug dabei? 😉

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  10. breakpoint schreibt:

    SechshundertzweiundvierzigDas Skiwochenende vor ein paar Wochen hatte noch ein Nachspiel. Ich wollte das damals nicht bloggen, aber, naja, jetzt mach ich’s doch.

    Ich selbst war nicht dabei, als Carsten ein paar Tage später mit Bernd, dem Gastgeber, telefonierte. Aber nach al…

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