Sechshundertsieben

Auf die Gefahr hin, die Geduld gewisser Leser auf eine arge Probe zu stellen, blogge ich heute nicht die Fortsetzungen des gestrigen Eintrags, sondern ..

Ach nee, so gemein bin ich nicht.
Es folgt die Fortsetzung des vorigen Eintrags.

Ich saß mit Kathrin in einem Café und unterhielt mich mit ihr.
„Ja, schon. Aber …“, sie seufzte, „.. mit Raimund war es – du wirst das nicht verstehen – aber es war so .. so .. schön. Viel intensiver als mit Johnny, .. ach ich weiß auch nicht, wie ich das beschreiben soll.“
Früher hatte sie immer von ihrem Johnny geschwärmt, aber jetzt war dieser anscheinend übertroffen worden, und Kathrin trauerte dem nach.
Anderen Menschen Ratschläge hinsichtlich ihrer Beziehung zu geben, überfordert mich. Ich persönlich hätte an ihrer Stelle sowohl Johnny als auch Raimund laufen lassen, und mich lieber anderweitig umgesehen. Und Kathrin hätte da sicherlich auch noch gute Chancen, denn äußerlich dürfte sie für die meisten Männer durchaus attraktiv sein.
Als ich nicht gleich antwortete, meinte sie: „Du sagst ja gar nichts. Habe ich dich jetzt erschreckt, weil ich .. gleich mit zwei Männern .. oh je ..“ Sie errötete.
„Nein, nein!“, beeilte ich mich, ihr jetzt zu versichern, „du hast mich keinesfalls schockiert. Ich kann das schon verstehen. Vielleicht besser, als du glaubst. Aber ich weiß auch nicht, was du machen sollst. Soweit ich sehe, ist Raimund eh weg, aber Johnny ist noch da. Solange du keine bessere .. Alternative hast, solltest du es vielleicht einfach dabei belassen.“
Wie ein Häufchen Elend saß sie da, und ich würde mir diesen Raimund ja gerne einmal vorknöpfen. Ein bisschen Spaß außerhalb der Beziehung zu haben, ist ja in Ordnung, aber man sollte das auch von vornherein als unverbindlichen Spaß deklarieren, und nicht falsche Vorstellungen erwecken.
„Meinst du, ich sollte mit seiner Frau reden?“, fiel ihr jetzt plötzlich ein.
„Nein! Keinesfalls! Seine Frau hat dir doch nichts getan!“ Und vielleicht weiß sie noch nicht einmal von seinen Eskapaden.
„Ich meine nur .. sie ist zwar krank .. aber vielleicht gibt sie ihn ja frei.“
„Vergiss das!“
„Glaubst du, dass er noch einmal in die Firma kommt?“
„Ganz sicher nicht. Sein Vertrag ist beendet.“
„Aber, .. vielleicht bekommt er ja noch einmal einen neuen Vertrag?“
In ihrer Stimme schwang Hoffnung, und es tat mir fast leid, sie enttäuschen zu müssen, obwohl es für sie sicher das allerbeste wäre, nie mehr mit ihm zu tun zu haben.
„Er wird definitiv keinen neuen Vertrag bekommen. Die Geschäftsleitung war nicht zufrieden mit seinen Leistungen.“ Und insbesondere gefielen der Geschäftsleitung seine Versuche nicht, mit jedem noch so langen Rock anzubandeln (und ganz besonders nicht seine lüsternen Blicke auf die IT-Chefin).
Sie seufzte, offenbar den Tränen nah.

Noch ein Cliffhanger? Nein. Aber ich kürze ab.

Sie bat mich tatsächlich, mich dafür einzusetzen, damit dieser Raimund noch einmal für die Firma tätig würde. Aber selbst wenn ich das für sinnvoll gehalten hätte, und es gewollt hätte, bin ich mir sicher, dass sich der Geschäftsführer nicht hätte überzeugen lassen.
Ich lehnte also nach einiger Diskussion ab, und legte ihr nah, die Geschichte mit Raimund einfach abzuhaken. Bezüglich Johnny besteht meines Erachtens kein akuter Handlungsbedarf. Da kann sie erst mal abwarten und einfach nichts machen. Oder irgendwann schon. Je nach dem.

Im Prinzip verblieben wir so. Sie wird schon darüber hinwegkommen.
Aber falls mir dieser Raimund noch mal über den Weg läuft, …!

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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34 Antworten zu Sechshundertsieben

  1. schaum schreibt:

    es schäumt indertatwieimschundroman

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    • breakpoint schreibt:

      *seufz*
      So wie sie sich da hineinverrannt hat, ist Schundroman noch untertrieben. 😦

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      • Murgs schreibt:

        Da zweifelt man an der geistigen Zurechnungsfähigkeit.

        Schnapp Fir ’nen Edding und schreib ihre Telefonnummer in der Herrentoilette neben den Spiegel. – Dann ist nicht nur das nächste Klischee bedient, sondern sie bald auf 😉

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        • breakpoint schreibt:

          Das wäre aber gemein.
          Außerdem teilt sie sich den Telefonanschluss mit Johnny.

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          • Murgs schreibt:

            Ja, das ist mehr als gemein, aber sie gehört kräftig durchgeschüttelt, vielleicht sortieren die Synapsen sich dann neu. 😉

            Ich verstehe die Lage so, daß sie sich zunehmend ihrem Johnny anpaßt – und der der scheint ein geistiger Tiefflieger zu sein (so lese ich zwischen den Zeilen).

            Sie braucht dringend einen Macker, der sie auf Trab bringt, du hättest zwar evtl. einen Ex in der Hinterhand, aber den zu aktivieren, das würde DIR erhebliche Probleme einbringen.
            Nur wenn sich anderweitig die Chance ergibt sie zu verkuppeln, dann tu das!
            Sonst gehr das Trauerspiel eher wohl als Schmonzette weiter.

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  2. sweetsurrender schreibt:

    Vielleicht magst Du sie ja einfach in der nächsten Zeit etwas ablenken?

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    • breakpoint schreibt:

      Gelegentlich ein gemeinsamer Kaffee, ja, ..
      Aber im Prinzip muss sie das allein mit sich ausmachen.
      Zeit heilt alle Wunden.

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      • sweetsurrender schreibt:

        Ok, ich hatte gedacht sie sei Deine Freundin.

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        • breakpoint schreibt:

          Das schon, aber wie sollte ich sie „ablenken“?
          Meine Möglichkeiten sind da begrenzt.

          Sie hat sich ja bei mir aussprechen können, und ich werde auch weiterhin ein offenes Ohr für sie haben.

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          • sweetsurrender schreibt:

            Du, den meisten Menschen tut Mitgefühl gut.
            Nachfragen wie es ihr geht, Aufmerksamkeit schenken.
            Ihr könntet z.B. mal was gemeinsam unternehmen.
            Gib ihr einfach das Gefühl für sie da zu sein.
            Und versuch nicht so hart zu sein (so liest sich das in Deinen Ausführungen) und Verständnis zu haben.

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            • breakpoint schreibt:

              Ich unterhalte mich ja fast täglich (wenn auch meist nur kurz) mit ihr im Büro.
              Wenn sie länger mit mir reden will, kann sie es jederzeit sagen, und ich werde es einrichten.

              Ihre Freizeit verbringt sie AFAIK weitgehend mit ihrem Johnny.
              Vielleicht frage ich sie mal, ob sie Lust hat, gelegentlich mit mir schwimmen oder ins Kino zu gehen.
              Aber wenn sie nicht gleich zusagt, werde ich sie nicht überreden.

              Verständnis für sie habe ich durchaus, aber ihre Blauäugigkeit kann ich nicht nachvollziehen.

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  3. plietschejung schreibt:

    Du warst ihr scheinbar keine echte Hilfe.

    Meine Prognose: Sie wird R. nicht vergessen und J. wird seinen Zenit überschritten haben.

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  4. idgie13 schreibt:

    Da durch muss sie selber. Ich finde, Du hast da schon richtig reagiert. Mehr als zuhören muss und soll man in so einer Situation nicht, finde ich.

    Ich selber würde auch beiden den Laufpass geben. Aber ich bin auch ein völlig anderer Typ.

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  5. mkuh schreibt:

    Hallo
    supper noch ein Versteckter Cliffhanger
    wenn dir Raimund über den weg läuft.

    Viele Grüße

    Mkuh

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    • breakpoint schreibt:

      Die Wahrscheinlichkeit, dass er mir irgendwann über den Weg läuft, ist doch sehr gering, da er ja nicht hier wohnt.
      Falls ich ihn trotzdem in ein paar Jahren wieder treffen würde, wäre vermutlich schon Gras über die Sache gewachsen.
      Naja ..

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  6. Gentleritter schreibt:

    „Vielleicht gibt sie sie ja frei..“ Die hat wohl ein paar zu viele Groschenromane gelesen!

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  7. ednong schreibt:

    „Vielleicht gibt sie ihn ja frei“ – au weia. Das klingt ja bitter. Vielleicht solltest du ihr die Brille abnehmen …

    … und ihr Selbstwertgefühl ein wenig steigern. Vergessen und abhaken muß sie, auch wollen. Das kann ihr keiner abnehmen. Aber vielleicht ein wenig der Angst, dann alleine dazustehen, ohne Chancen auf eine neue Beziehung.

    PS: Gott, waws ist das denn für ein Captcha. Erst einen Satz, danach Gibbish kopieren …

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    • breakpoint schreibt:

      Ich habe ihr schon gesagt, dass das zwecklos ist, insbesondere da Raimund kein ernsthaftes Interesse an ihr hat.
      Aber es scheint, als ob ihr letzteres noch gar nicht wirklich bewusst ist.
      Sie muss sich aber der Realität stellen, je früher desto besser.

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  8. Waage73 schreibt:

    Herrlich zu lesen… 😉 Wir sollten mal irgendwann was gemeinsam machen…

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  9. engywuck schreibt:

    er kann dir ganz schnell wieder über den Weg laufen. Die Firma deines Mannes muss ihn nur wieder engagieren… 😉

    Wie wäre es mit der Rechnung über 18 Jahre Kindesunterhalt, zahlbar im Voraus, per Einschreiben? 😀

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  10. Bellona schreibt:

    ich weiß ja jetzt nicht, was dieser johnny so für ein typ ist, aber wenn er ein netter kerl ist, hat er das auch nicht verdient, dass er quasi warmgehalten wird, bis was besseres kommt. mag ich gar nicht, sowas. und kathrin täte es sicher auch mal gut, mit sich selbst und ohne kerl klarzukommen.

    meine meinung. 🙂

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  11. breakpoint schreibt:

    SechshundertfünfunddreißigViele von euch haben beim Ausgang von Kathrin’s Affäre mitgefiebert. Manche bedauerten sie, andere meinten, sie sei auch selbst schuld.

    Ich kann beide Sichtweisen nachvollziehen. Aber wie auch immer, die Angelegenheit hat Kathrin ziemlich gebeutelt….

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