Sechshundertsechs

Wie ich es mit Kathrin vereinbart hatte, gingen wir noch einmal nach Feierabend zusammen in ein Café.

Vielleicht hätte ich die Frage nach der Schwangerschaft erst zurückstellen sollen, denn sie antwortete erst ganz gefasst, dass sich das mittlerweile erledigt hätte, dann jedoch brach es aus ihr heraus: „Aber ich möchte doch so gerne ein Ba-ha-haby!“
„Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann besteht mit Johnny diese Option nicht“, konstatierte ich. Sie nickte nur stumm.
„Willst du deshalb deine Affäre mit diesem Raimund aufrecht erhalten?“
„Nein!“, sie schaute ganz bestürzt, „nein, das geht nicht. Er will mich ja gar nicht mehr!“

Dieser blöde Consultant! Verführt erst eine unbedarfte Bürohilfe, dann gibt er ihr unter einem fadenscheinigen Vorwand (den er schon vorher hat absehen können) den Laufpass.
„Wen willst du denn jetzt? Johnny? Raimund? Oder einen ganz anderen?“
„Ich wa-heiß nicht“, heulte sie leise.

An sich ist es kein Problem, sich parallel mit mehreren Männern zu vergnügen (gleichzeitig wird es allerdings schwierig, weil die meisten Männer nicht kooperieren können), wenn man sich aber von Gefühlen beherrschen lässt, dann kann es beliebig kompliziert werden.
Für mich war es auch immer ein wichtiges Kriterium, dass ein Mann, der mich möglicherweise nicht wollte, sich schon durch seinen schlechten Geschmack disqualifizierte. (Ja, es gibt tatsächlich Männer, für die ich nicht attraktiv bin. Ich bin ja der große, schlanke Typ. Die meisten Männer bezeichnen das zwar als Modellfigur, einige jedoch auch als Bohnenstange und ziehen zierliche oder üppigere Frauen vor.)

Aber so konnte ich natürlich nicht gegenüber Kathrin argumentieren. Trotzdem versuchte ich es. Was hätte ich auch sonst sagen können?
„Schreib Raimund ab. Wenn er dich nicht mehr will, ist er es überhaupt nicht wert, dass du dir Gedanken um ihn machst!“
„Aber er hat mir immer gesagt, dass es mit mir etwas ganz besonderes ist!“
Ach, herrje! Er ist wohl einer von den Männern, die in jeder Stadt (mindestens) ein Abenteuer laufen haben. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, wenn ich z.B. an Elmar denke. Aber der hat immer mit offenen Karten gespielt – wie ich auch. Ich wäre auch niemals so naiv gewesen, und hätte etwas anderes geglaubt.

„Wusstest du eigentlich, dass er verheiratet ist?“, versuchte ich, das Thema etwas zu verlagern.
„Äh, anfangs nicht. Dann habe ich seinen Ehering im Hotelzimmer gesehen, und da sagte er, dass mit seiner Frau nichts mehr läuft, und sie ihn nicht versteht.“ Lässt der Kerl denn gar kein Klischee aus?
Sie fuhr fort: „Jetzt ist seine Frau krank geworden, und er sagte, dass er sich um sie kümmern muss.“ Welch großmütiges Verhalten!
„Schlag ihn dir aus dem Kopf. Vergiss ihn einfach. Du bist doch mit deinem Johnny glücklich.“
„Ja, schon. Aber …“, sie seufzte.

Aus Zeitgründen gibt es jetzt einen meiner seltenen Cliffhanger.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Sechshundertsechs

  1. Leser schreibt:

    Cliffhanger sind fies!

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    • breakpoint schreibt:

      Wieso denn? Da habt ihr öfters was davon. :>

      Auf die Captchas habe ich keinen Einfluss.

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      • Leser schreibt:

        Ich weiß, dass Du mit dem Captchas nix zu tun hast, sieh das doch nicht gleich als Anklage, wenn ich ein lustiges Erlebnis damit zum Besten gebe (ich finde die neuen Captchas übrigens besser, weil leichter zu entziffern, als die alten).

        Und fies sind sie, weil man warten muss. Und öfters was davon zu haben ist ja wohl einfach nur zynisch….naja, passt ja zu Dir… 😉

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  2. Leser schreibt:

    (Und das neue Captcha ist lustig: „Which animal has the deadliest venom in the animal kingdom?“ und dann in einem farblich abgesetzten Kasten die Worte „box jellyfish“ – ich dachte erst, es geht wohl um ein „Frage-Antwort-Spiel“, bei dem die Antwort aus einem der beiden Wörter besteht, also hab ich „jellyfish“ eingegeben, aber das war nicht genug – die Seite will weiterhin den gesamten Text aus dem Bild haben, und dann kommen beim nächsten mal irgendwelche sinnlosen 2-3-Buchstaben-Kombinationen, diesmal nun „one hit wonder“…)

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  3. schaum schreibt:

    oh gott wie naiv ist doch die dame……..das kann schon als basis für eine soap verwertet werden…….ich jedenfalls drücke die daumen, dass sie ein bisschen reife im laufe der nächsten zeit abbekommt

    es schäumt umhimmelswillen

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  4. sweetsurrender schreibt:

    Wenn es sie tröstet…mein Ex hat seine Ehefrau mit Dutzenden von Frauen betrogen. Und er hat mir mal erklärt das eben jede in dem Moment etwas besonderes ist.
    Irgendwie ist mir seitdem der Sinn fürs Besondere vergangen.

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    • breakpoint schreibt:

      Tja, „etwas besonderes“ – eigentlich eine Standardfloskel ohne bedeutungsvolle Aussage, aber macht sich wohl immer wieder gut und scheint wirksam zu sein.

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      • sweetsurrender schreibt:

        Ich denke so ganz trivial wird es auch nicht abgegangen sein. Die Grundmuster sind aber immer dieselben, egal wie sie verpackt werden.
        Viele Frauen verlieben sich nunmal schnell beim Sex und messen dem einen ganz anderen Stellenwert bei als ein Großteil der Männer.
        Nur in solchen Momenten steuern eben die Hormone. Und die sagen dann: nein, ausgerechnet mit mir ist das für ihn alles anders…

        Das sie aber eiskalt ihren Lebensgefährten betrügt…da kann sie sich mit einer gewissen Beschränktheit nicht rausreden.

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        • breakpoint schreibt:

          Ist wohl ziemlich so, wie du das schreibst.

          Dass sie aber „eiskalt ihren Lebensgefährten betrügt“, kann ich so nicht bestätigen.
          Wenn schon mir ihre Stimmungsschwankungen aufgefallen sind, muss sie das in ziemliche Gewissenskonflikte gestürzt haben.

          Jetzt hatte ich tatsächlich „Gewissenskonfickte“ getippt. Schlimm.

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          • sweetsurrender schreibt:

            Nein, was mich gestört hatte war der Gedanke sich von einem anderen Mann schwängern zu lassen.
            Und ich hatte den Eindruck beim lesen, das sie ihn verlassen hätte wäre sie nicht vom Consultant sitzen gelassen worden.

            Fremdgehen passiert fast überall. Davon geht jedenfalls meine Welt nicht unter. Aber ich bin da auch abgehärtet. 😉

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            • breakpoint schreibt:

              Es war bestimmt nicht ihre (bewusste) Absicht, sich von dem Consultant schwängern zu lassen.
              So berechnend ist Kathrin nicht, und das hätte ja auch Probleme mit Johnny verursacht.

              Ob sie jemals erwogen hat, Johnny zu verlassen, weiß ich nicht. Nach meinem Eindruck war sie noch nicht so weit für solche konkreten Überlegungen.
              Sie weiß ja selbst nicht so recht, was sie überhaupt will.

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            • sweetsurrender schreibt:

              Sorry, hab erst jetzt den Eintrag 600 gelesen, jetzt wird vieles klarer. Au weia, besseren Sex mit jemand zu haben als dem eigenen Mann ist natürlich so eine Sache.
              Vor allen Dingen wenn man sowas vorher nicht kannte. Klar das sie dem Typen hinterher trauert.

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  5. plietschejung schreibt:

    Irgendwie auch selbst schuld.

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  6. sweetsurrender schreibt:

    Aber mal was anderes…der Typ arbeitet doch hoffentlich nicht mehr für Euch, oder?

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  7. idgie13 schreibt:

    Warum bleibt sie mit Johnny zusammen, wenn sie so gern ein Baby hätte und er aber keines zeugen kann?

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  8. Pingback: Achthundertsechsundachtzig | breakpoint

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