Fünfhundertachtundneunzig

Meist vermeiden wir es ja, nach Feierabend noch über geschäftliche Belange zu sprechen. Abends haben wir einfach nicht mehr den Nerv und beschäftigen uns lieber anders.
Aber es gibt Ausnahmen.

Wir saßen nebeneinander auf dem Sofa. Carsten hatte einen Arm um mich gelegt, ich zum Ausgleich ein Bein über seine gelegt. Was er mit seiner anderen Hand tat, geht euch nichts an.
„Sag mal, Anny, du kümmerst dich doch um die Social Media Aktivitäten der Firma?“
„Ja, die SM-Aktivitäten, schon.“
„Und wie ist da der aktuelle Status?“
„Bei Twitter schreibe ich alle ein oder zwei Wochen einen Tweet. Bei Facebook und Xing habe ich Grunddaten eingegeben und ein rudimentäres Profil erstellt. Aber das ist noch ausbaufähig. Bei Google+ und LinkedIn ist das Unternehmen zwar registriert, aber nicht aktiv.“

„So. Und was hältst du von einem Blog?“
„..“
„Was ist? Du weißt doch, so eine Art Webtagebuch, bei dem gelegentlich ein Artikel veröffentlicht wird.“
„Äh, ja. Was soll damit sein?“
„Wäre es keine gute Idee, einen Firmenblog zu führen, und ab und zu etwas über das Unternehmen oder unsere Produkte zu schreiben?“
„Ich weiß nicht. Das wird mir etwas zu viel. Ich habe noch so viel anderes am Hals“, meinte ich ausweichend, und zog meine Hand aus seiner Hose.

„Du kannst das eh nicht. Du schreibst viel zu technisch und kühl-sachlich. Das müsste schon jemand aus dem Marketing machen, damit es allgemeinverständlich wird. Aber du könntest die nötige Infrastruktur vorbereiten. Ich glaube, da muss man spezielle Software auf einem Server installieren. Informiere dich darüber, aber sprich noch mal mit mir, bevor du anfängst, da etwas einzurichten.“

Ich weiß, ich hätte besser meinen Mund halten sollen, aber tat ich natürlich nicht.
„Wenn das Marketing das übernehmen soll, dann kannst du es gleich ganz bleiben lassen.“
„Da hast du leider recht. Wenn es um Internetaktivitäten geht, sind die nicht zuverlässig. Ich möchte sie dennoch nicht ganz ausblenden. Wenn ich es recht verstanden habe, kann man dort ja nach Gutdünken auch ganz unregelmäßig Aufsätze veröffentlichen. Was spricht dagegen, dass mehrere Marketing-Mitarbeiter sich abwechseln? Oder vielleicht schreibe ich sogar selbst einmal etwas.“

Manchmal ist es am besten, einfach zu schweigen. Aber manchmal wähle ich auch die suboptimale Lösung.
„Du meinst also, dass du das kannst?“
„Naja, es muss ja nicht perfekt sein. Man sagt mir nach, ich könne gute Reden halten. Dann muss ich die nur noch in Schriftform bringen.“
(Halt den Mund! Halt den Mund!)
„Und mir traust du es nicht zu?“
„Du? Ach, Samtpfötchen. Du schreibst ausgezeichnete Berichte und Spezifikationen, aber nach meinem Verständnis soll so ein Blogaufsatz in einem etwas anderen, flüssigen, wie soll ich sagen, eloquenten Stil formuliert sein. Niemand wird es lesen wollen, wenn du nur eine technische Spezifikation herunterbetest. Naja, du kannst es ja mal versuchen. Dann haben wir noch einen Schreiber mehr.“

Endlich gelang es mir, mein inneres Quasselmonster zu unterdrücken, und ich nickte nur noch.

So, jetzt werde ich wohl demnächst einen entsprechenden Server hier einrichten lassen müssen. Ich sollte dann wirklich versuchen, mich möglichst vom Firmenblog fernzuhalten. Schließlich eignet sich mein Schreibstil überhaupt nicht für Blogs.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu Fünfhundertachtundneunzig

  1. gelschter User schreibt:

    Treffendes Schlusswort. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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  2. schaum schreibt:

    reden ist silber, schweigen ist gold

    es schäumt auchinzeitenvonsocialmedia

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  3. plietschejung schreibt:

    Wozu gibt es Agenturen ?

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    • breakpoint schreibt:

      Um Aufgaben auszuführen, die man selbst nicht wahrnehmen will oder kann.
      Trifft hier nicht zu.

      Im Ernst – für höchstens ein oder zwei Einträge im Monat (mehr bestimmt nicht, zumindest nicht auf Dauer) lohnt es sich nicht, eine (teure) Agentur zu beauftragen.

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      • plietschejung schreibt:

        Warum nicht ?
        Solche Dinge machen auch kleine PR Agenturen. Das kostet weniger als du vielleicht denkst.

        Aber wenn Zeit keine Rolle spielt und der Schreibstil passt, macht es selbst in der Fa. Geht auch. Logisch.

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        • breakpoint schreibt:

          Dazu sehe ich überhaupt keine Veranlassung.
          Die Entscheidung trifft sowieso der Chef.
          Und für den ist es ohnehin erst mal ein Versuchballon und vielleicht Steckenpferd. Ich glaube auch nicht, dass er dieses Thema nach Außen geben will. Im Marketing haben wir (zumindest theoretisch) genügend Resourcen.

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  4. Gentleritter schreibt:

    Habt ihr kein Controlling? Deine Arbeitszeit ist für sowas viel zu teuer!!!:-))

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  5. Gentleritter schreibt:

    Wie soll er das noch steigern?:-)

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  6. ednong schreibt:

    Also ich hätte ja an ein Blog „Breakpoint oder so im Namen“ verwiesen und gefragt, ob du so einen Schreibstil anstreben solltest. Dann hättest du mehr Sicherheit 😀

    Obwohl, bei so einem Quasselmonster …

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  7. Leser schreibt:

    Naja, ein Blog aufzusetzen ist wirklich kein Problem. Auf dem Webserver der Firmen-Website wird praktisch schon alles dafür vorhanden sein: Apache, PHP, MySQL. Fehlt nur eine Subdomain, z.B. nach dem Muster „blog.firmendomain.tld“, und die auf das WordPress-Verzeichnis verweisen lassen, in dem die Blogsoftware liegt. Braucht es nur noch die gestalterische Seite, z.B. dass das verwendete WordPress-Theme auch zur CI der Firma/Firmenwebsite passt – und dann will man das WordPress natürlich selbst auch noch mit Plugins und Gedöns so konfigurieren, dass es einerseits genau das kann, was das Firmenweblog können soll, aber andererseits nicht zu viel kann/macht, und so weiter. Ich hab zu dem Zweck z.B. mal ein (privat genutztes) WordPress-Theme mal komplett jeglicher Interaktivität beraubt, indem ich massenhaft PHP-Code rausgelöscht habe (das ist viel leichter, als neuen Code dort einzufügen! ;-)), so dass nirgends mehr ein Eingabefeld oder ähnliches auftauchte, weil die Website eben statisch nach nur-Text aussehen sollte, und keine Kommentare und anderes Gedöns möglich sein sollten. So können dann die Anforderungen an „einfach mal ein Blog“ auch schlicht viel zu unspezifisch sein für das, was der Chef wirklich will, und erst sollte zumindest eine Art rudimentäres Pflichtenheft erstellt werden. Dann gibt es evtl. jemanden aus der Marketingabteilung, der beim Design mitzureden hat, es muss entschieden werden, ob alle Mitarbeiter unter einem zentralen Account Artikel veröffentlichen und auf Kommentare antworten sollen, oder ob es mehrere gibt, die das machen, und so weiter und so fort….

    Ist also nicht mit „mal eben schnell“, außer man macht es als Testinstallation im Intranet. Was dann wiederum bei ausreichender Firmengröße ein tolles internes Kommunikationsmedium ist, wo interne Neuigkeiten ausgetauscht und von Mitarbeitern kommentiert/mit Vorschlägen angereichert werden können, da reicht es dann, wenn z.B. jeder Abteilungsleiter einen eigenen Account hat, und für jede Abteilung eine Kategorie, etc. Natürlich so, dass Mitarbeiter nur mit Realnamen kommentieren können (notfalls weiß man ja, von welchem internen Rechner der anonyme Troll-Kommentar kommt und kann darüber nachschauen, wer zu dem Zeitpunkt darauf eingeloggt war und entsprechend Abmahnungen aussprechen).

    Und dann genügt plötzlich nach Außen hin kommunizierend vielleicht auch einfach eine News-Seite, wo das, was sonst Blog-Artikel hätten sein können, als releasete Pressemeldungen abrufbar ist?

    …Nur so ein paar Gedanken, natürlich darfst Du die gerne, auch wenn sie Dir noch nicht selbst gekommen sind, dem Scheff gegenüber als Deine eigenen ausgeben, weil der darf ja nicht wissen, dass Du schon seit Jahren anonym am bloggen bist… 🙂

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    • breakpoint schreibt:

      Ohne dem letzten Wort des Chefs vorgreifen zu wollen, wird es wohl auf eine ziemlich typische WordPress-Installation hinauslaufen, und auf blog.novosyx.de aufgerufen werden können.
      Das kriegen wir schon hin. Und bei der Gelegenheit erfahre ich gleich mal, wer von meinen Jungs Erfahrungen mit Blogs hat.

      Als internes Kommunikationsmittel ist es erst mal nicht gedacht. Sonst bloggen die Mitarbeiter lieber, als zu arbeiten.

      Veröffentlichungen werden grundsätzlich nur über mich laufen. Nienand sonst kriegt Zugriff darauf. Wäre schließlich noch schöner, wenn das Marketing plötzlich unabgesprochene Texte veröffentlichen würde!

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      • Leser schreibt:

        Haha, toll, wozu habt Ihr dann überhaupt eine Marketingabteilung? Wird da noch drauf gehofft, dass irgendwann vielleicht ein paar Mitarbeiter durch fähigere Mitarbeiter (was das Texten angeht!) ersetzt werden können? 😉

        Bleibt nur die Sache mit dem zum CI passenden Design, viel Spaß beim Anpassen und in der CSS-Hölle 😉

        Ich meinte nicht, dass die Mitarbeiter bloggen können, sondern Kommentieren. Allerdings auch nicht unbedingt so gehaltlos wie hier, sondern eben, wenn etwas die Abteilung betreffendes ansteht, als Möglichkeit da die Meinungen der Leute zu dokumentieren. Aber andererseits habt Ihr dafür ja wohl Eure Jours Fixes…Also, egal. Ist ja eh nur ein Gedankenfurz von einem entfernten Leser gewesen, und nicht mehr 🙂

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        • breakpoint schreibt:

          Frag mich nicht, was das Marketing so macht. Das wüsste ich manchmal selbst gern.

          Über das Blog-Design mache ich mir keine Sorgen. Das muss erst mal nicht 100-prozentig passen. Wenn die Farben und Fonts ungefähr übereinstimmen, reicht das am Anfang.
          Eventuelle Feinheiten lassen sich später noch ändern.

          Wie alle anderen Besucher dürfen die Mitarbeiter auch kommentieren (solange es nicht überhand nimmt). Nur zur Sicherheit werde ich das Firmenblog moderieren.
          Für interne Kommunikation gibt es Besprechungen, Telefon, Mail, .., die allesamt schneller sind, als ein (moderiertes) Blog.
          Aber – du bringst mich da auf eine Idee – vielleicht wäre ein firmeninternes Wiki sinnvoll.

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          • Leser schreibt:

            Ja, moderiert sollten die Kommentare auf einem Firmenblog in jedem Fall sein, schon um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein (so sehr ich es hasse, diese Einstellung vertreten zu müssen, weil die Freiheit des Meinungsausdrucks im Internet ja doch ziemlich wichtig ist)…

            Und, ja, ein firmeninternes Wiki ist möglicherweise sinnvoll anstelle des internen Blogs. Das interne Blog wäre halt mehr top-down, während das Wiki weitestgehend auf Hierarchien verzichtet. Daher hängt es natürlich vor allem von der firmeninternen Organisationsstruktur ab, was da am sinnvollsten ist.

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  8. ednong schreibt:

    Wiki lohnt sich nur, wenn es Inhalte dafür gibt. Und wer will schon Wissen preisgeben? 😉

    Soso, du erfährst dann, welcher deiner Jungs schon Erfahrung mit Blogs hat? Und natürlich dann auch deren URIs. Tsts, diese Frauen immer.

    Moderieren etc. alles ehrenamtlich? Da hast du wohl reichlich Zeit übrig (die du nicht mal in einen Besuch einer MEsse investierst, böse, böse).

    Und gehaltlose Kommentare, hier? Da fallen mir nur wenige Personen/Leser zu ein …

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    • breakpoint schreibt:

      Das Wiki habe ich mal mit unterster Priorität in die To-do-Liste aufgenommen.
      Ich habe auch meine Zweifel, ob das von der Belegschaft angenommen wird.

      Wäre vielleicht interessant, in den Blogs meiner Mitarbeiter zu lesen.
      Allerdings würde ich dort keinesfalls kommentieren.

      Da ich erst in der WFT-Messe war, reicht das für die nächste Zeit.

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  9. breakpoint schreibt:

    SechshundertzweiMittlerweile habe ich die Arbeitsanweisung für die Innenreinigung der Computer-Gehäuse fertiggestellt. Bevor es offiziell wird, muss der Chef noch sein OK geben.
    Aber der hatte an einigen Formulierungen etwas auszusetzen.

    Besonderen Wert hatte ich …

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  10. remi1 schreibt:

    Hihi, so lange er glaubt, dass du nicht bloggen kannst, ist doch alles okay 🙂

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  11. breakpoint schreibt:

    SechshundertdreiundvierzigWas macht richtig gute Blogartikel aus?
    Das ist die Fragestellung einer Blogparade auf 1001 Erfolgsgeheimnisse.
    Mir stellt sich dabei zunächst die Frage: Cui bono – gut für wen?
    Ob ein Blogeintrag „gut“ für Suchmaschinen ist, das ist mir persönlich …

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  12. breakpoint schreibt:

    AchthundertsiebzigVor einigen Tagen hatte ich Änderungen und Aktualisierungen an der Firmenwebsite veranlasst. Am Wochenende sprach ich noch mit Carsten darüber. Dabei kamen wir auch auf das Firmenblog zu sprechen.
    Seit mehreren Monaten existiert es ja bereits. Aber es…

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