Fünfhundertsechsundachtzig

Neulich bloggte ich eine Liste von populären Büchern, die ich nicht mag.
Natürlich war Plietschejung’s Frage nach Büchern, die mir gefallen, naheliegend.
Noch während ich mir eine Antwort überlegte, fiel mir auf, dass mir – zumindest spontan – kein Werk eines deutschprachigen Schriftstellers einfiel.
Dabei gibt es durchaus deutsche Bücher, die mir früher gefielen. Allerdings nötigten mich in der Schule diverse Deutschlehrer, in diese Texte alles mögliche, an den Haaren herbeigezogene hineinzuinterpretieren. Dies verleidete mir die ganze Freude an der Literatur.

Im Einzugsbereich meines Wohnortes gab es nur ein neusprachliches Gymnasium. Viel lieber wäre ich auf ein mathematisch-naturwissenschaftliches gegangen. Aber das nächste war zu weit entfernt. Im Rückblick war das vielleicht ganz gut so. Vielleicht wäre mir dort auch der Spaß an Zahlen und Naturwissenschaften vergangen, so wie mir auf meiner Schule der Spaß an Sprachen vergällt wurde.

Es bestand die Wahl, in der fünften Klasse mit Englisch oder Latein anzufangen. Ich selbst konnte das damals gar nicht abschätzen. Meine Eltern entschieden sich für Englisch, weil sie Latein nur von Kirchenliedern kannten (Englisch allerdings auch kaum).
Später fiel mir dann auf, dass – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – in den Lateinklassen nur Kinder von Akademikern saßen, und in den Englischklassen nur Kinder von Nicht-Akademikern.

Ab der siebten Klasse kam Latein als zweite Fremdsprache dazu. Ich bin froh, dass ich Latein gelernt habe. Zum einen hilft mir der Wortschatz bei romanischen Sprachen wie Italienisch oder Spanisch. Zum anderen habe ich durch die grammatikalische Struktur gelernt, auch verschachtelte Bandwurmsätze zu überblicken. Diese Fähigkeit hat mir gerade bei Programmiersprachen schon oft geholfen. (Ich kann übrigens auch heute noch Nominativ und Genitiv der konsonantischen Deklination unterscheiden, die etwa auch für Partizipien Präsenz Aktiv benutzt wird.)

Ab der neunten dann drei Jahre lang Französisch. Das ließ sich erst ganz gut an. Irgendwann mussten wir den Subjonctif (der heißt wirklich so – ganz ohne Wortspiel) lernen. Mit dessen {Ausnahmen von} Ausnahmen kam ich dann nicht mehr so recht klar. Aber die drei Jahre waren dann auch schon bald um.

Deutsch wurde ich allerdings bis zum Abitur nicht los. Zu dieser Zeit war ich auf dieses Schulfach schon längst nicht mehr gut zu sprechen. Statt der ewigen Gedichtinterpretationen, die niemandem nützen, hätte ich mir ein wenig mehr Grammatik gewünscht (warum heißt es z.B. „ein großes Haus“, aber „das große Haus“?), oder das Schreiben von sachlichen Berichten.
Immerhin war ich damals recht fit in Rechtschreibung und Zeichensetzung – bis irgendwann die Rechtschreibreform kam. Seither schreibe ich einen inkonsistenen, mit englischen Einflüssen durchsetzten Mischmasch.

Werbeanzeigen

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Antworten zu Fünfhundertsechsundachtzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Hermann Hesse, Erich Kästner, Theodor Fontane…?

    Liken

  2. schaum schreibt:

    für mich ist der alte günter grass das non-plus-ultra, trotz oder gerade wegen der schule

    es schäumt immerwieder

    Liken

    • breakpoint schreibt:

      In der 11. (?) Klasse mussten wir die Verfilmung der Blechtrommel anschauen. Ich erinnere mich nur noch an einige äußerst unappetitliche Szenen.

      Liken

      • schaum schreibt:

        ich DURFTE es in der elften oder zwölften klasse lesen. ein monstrum von literatur im positiven sinn…..und wir durften dann auch gemeinsam ins kino…….ja es war unappetitlich, sehr sogar, aber dennoch UMWERFEND. es hat meine liebe zu den büchern deutlich verstärkt……aber so unterschiedlich sind glücklicherweise die reaktionen, denn sonst läsen alle nur einheitsbrei……nicht wahr?

        es schäumt beseeltvondiesembuch

        Liken

        • breakpoint schreibt:

          Einen Einheitsbrei wollen wir sicher nicht. Du hast recht.

          Mich hatte nur selbst erstaunt, dass ich zwar auf Anhieb eine ganze Reihe englischsprachiger Autoren aufzählen konnte, deren Werke mir gefallen, aber mir kein einziger deutschsprachiger eingefallen ist.

          Inzwischen habe ich mich aber an Wilhelm Busch erinnert, dessen Geschichten ich als Kind liebte, und den wir nie in der Schule durchgenommen haben.

          Liken

          • schaum schreibt:

            für die gewollt intelektuellen ist wilhelm busch sicher nicht anspruchsvoll genug 😉
            aktuell bin ich sicher auch eher englischsprachig unterwegs….einfach, weil die englischen bücher in englisch schneller und billiger verfügbar sind

            es schäumt c’estlavie

            Liken

            • breakpoint schreibt:

              Ab und zu lese ich auch gerne etwas weniger anspruchsvolles, bei dem mein Hirn einen Gang zurückschalten kann.

              Liken

            • schaum schreibt:

              na klar doch, das macht doch jeder…..von zeit zu zeit….mancher andauernd 🙂

              es schäumt dieniveauregulierung

              Liken

            • engywuck schreibt:

              Wilhelm Busch hat einige sehr subversive Szenen drin, das ist nicht einfach nur „Kinderzeugs“. Nur müsste man dann im Deutschunterricht Kulturkampf (Die fromme Helene, Pater Filuzius) oder die Zeitumstände von 1848ff. behandeln (hier gibt es Ansätze in Max und Moritz, siehe beispielsweise http://de.wikipedia.org/wiki/Max_und_Moritz#Deutungsans.C3.A4tze), ebenfalls schon in Max und Moritz die gleichgültige Boshaftigkeit der Bürger (ganz am Ende, z.B. „Doch der brave Bauersmann / dachte: ‚Wat geiht meck dat an?!'“). Auch die Knopp-Trilogie („Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“) könnte man durchaus intellektuell behandeln.

              Liken

  3. Gentleritter schreibt:

    Was sind denn dein Lieblingsprogrammiersprachen?

    Liken

    • breakpoint schreibt:

      Unter anderem habe ich ein Faible für SPL. :p

      Im Ernst – ich habe schon meine Gründe, warum ich hier nie meine Programmiersprachen/Compiler/Entwicklungsumgebung/Frameworks/etc. erwähnt habe.

      Liken

      • Gentleritter schreibt:

        Kann es mir denken Anne Nym. Trotzdem schade. Hättest ja im Allgemeinen bleiben können. Ich arbeite mit ABAP und JAVA.
        Weißt du jetzt wer ich bin?

        Liken

        • breakpoint schreibt:

          Die Anonymität ist nur ein Grund.
          Da ich auch teilweise seltene Sprachen nutze, und in einigen entsprechenden Foren aktiv bin (d.h. eher war), wäre es gar nicht so schwierig mich daher zu identifizieren.

          Der andere Grund ist, dass sich um solche Themen leicht Glaubenskriege entspinnen, die ich nicht auf meinem Blog austragen lassen möchte.

          ABAP: darum beneide ich dich nicht.
          Java: laaangsam, Versionierung und JRE machen nur Probleme.

          Liken

      • engywuck schreibt:

        apropos Shakespeare. Kennst du „William Shakespeare’s Star Wars“?

        Aus „Verily, A New Hope“:

        Scene 1.
        Aboard the rebel ship.

        Enter C-3PO and R2-D2.

        C-3PO: Now is the summer of our happiness
        Made winter by this sudden, fierce attack!
        Our ship is under siege, I know not how.
        Oh hast thou heard? The main reactor fails!
        We shall most surely be destroy’d by this.
        I’ll warrant madness lies herein!
        R2-D2:     — Beep, beep,
        Beep, beep, meep, squeak, beep, beep, beep, wee!
        C-3PO: — We’re doomed.
        The princess shall have no escape this time!
        I fear this battle doth portend the end
        Of the Rebellion. O! What misery!
        [ Exeunt C-3PO and R2-D2.
        Chorus: Now watch, amaz’d as swiftly through the door
        The army of the Empire flyeth in.
        And as the troopers through the passage pour
        They murder sev’ral dozen rebel men.
        [ Fighting begins.

        Liken

    • engywuck schreibt:

      (ba)sh und PowerShell

      Ja, ich bin nur Sysadmin. Warum? 🙂

      Liken

  4. Conchi schreibt:

    Hi du,

    ich möchte dir hier nur einen lieben Gruß dalassen, denn zum Bloggen komme ich momentan nicht wirklich. Ich wünsche dir noch schöne Vorweihnachtstage und hoffe, dir geht es gut.
    Conchi

    Liken

  5. idgie13 schreibt:

    Dass das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium den Spass an Zahlen vergällt hätte, glaub ich nicht 😉

    An meinem Gymnasium gab es 3 Zweige: mathematisch-naturwissenschaftlich, neusprachlich und sozialwissenschaftlich. Dass ich den Mathe-Zweig nehme, war von Anfang an klar – ich war auch grottenschlecht in Sprachen, musste mich zum Glück aber nur mit Englisch und Latein rumplagen.

    Grammatik war nie ein Problem für mich, aber die Lehrer haben es echt verstanden, einem die Begeisterung für Sprachen zu nehmen. Nur Deutschlehrer hatte ich 1 Jahr lang einen wirklich tollen. Heute muss ich beruflich fast immer englisch reden (schreiben und lesen sowieso) – inzwischen stresst mich das gar nicht mehr.

    Liken

  6. Pingback: Achthundertachtundsiebzig | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.