Fünfhundertfünfundvierzig

Seit einem Vierteljahr bin ich jetzt verheiratet.
Ich will diese Zeit nun weder Revue passieren lassen, noch ein Statement abgeben, ob oder was sich seither verändert hat.
Stattdessen nutze ich jetzt die Gelegenheit, ein paar Punkte anzusprechen, die in schon länger einmal erwähnen wollte, die aber in die bisherigen Einträge nicht passten, und für eigenständige Posts zuwenig Stoff hergaben.

Als um seine Gesundheit besorgte Frau achte ich auch auf so einiges:
Dass er genügend Bewegung bekommt, darum kümmere ich mich ja sowieso.
Außerdem schaue ich ein bisschen darauf, dass er nicht zu viele sauere Lebensmittel (wie Salate, Obstsaft u. dgl.) zu sich nimmt. Manche Männer sind da sehr empfindlich. Und es liegt schließlich ganz und gar nicht in meinem Interesse, dass er wund wird. Bisher ist er ja davon verschont geblieben. So soll es auch weiterhin sein.
Für seine Ernährung ist es wichtig, dass er genug Zink erhält. Männer mit seinem Lebensstil können ja leicht an Zinkmangel leiden. Ich empfehle daher Haferflocken, Walnüsse und bestimmte Käsesorten. Austern wären zu diesem Zweck auch geeignet.
In meinem eigenen Interesse liegt es, dass seine Fingernägel stets kurz genug geschnitten sind. Normalerweise brauche ich ihn ja nicht daran zu erinnern, habe das nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Was ich keinesfalls tun werde, ist ihm irgendwelche Gegenstände zu suchen oder nachzutragen. Das fange ich gar nicht erst an. Ich habe das doch immer bei meinen Eltern gesehen: Mein Vater legt irgendetwas irgendwohin, vergisst wo, findet es nicht selbst, und lässt meine Mutter suchen, die es zwar meist innerhalb kurzer Zeit findet und es ihm wieder gibt, aber trotzdem davon genervt ist. Oder er sieht etwas nicht, was eigentlich offensichtlich vor seiner Nase liegt.
Es mag wohl stimmen, dass Männer nur einen Tunnelblick haben, und ihnen das periphere Sehvermögen weitgehend fehlt, aber ich muss das trotzdem nicht noch unterstützen.

Zu Carsten’s Arbeitszeit ist zu sagen, dass er schon mehr als die vereinbarten vierzig Stunden pro Woche arbeitet. Aber immerhin ist es deutlich weniger als früher, so dass ich es dulde, solange es nicht überhand nimmt. Bei im Schnitt deutlich über fünfzig Arbeitstunden würde ich aber die Notbremse ziehen (wie auch immer das geht).

Ich selbst arbeite ja immer noch u.a. als Interims-CIO für seine Firma. Von zeitweiligen Stress- und Hektikspitzen mal abgesehen, ist der Job zumeist nicht sehr anstrengend. Ich kann mir auch selbst aussuchen, ob ich daheim oder im Büro arbeite. Da ich zu Besprechungen und Terminen natürlich schon in der Firma erscheinen muss, vergeht aber kaum ein Wochentag, an dem ich nicht zumindest zeitweise im Büro sitze.
Allmonatlich erstelle ich eine Rechnung, auf der ich aber nur einen Teil meiner tatsächlich geleisteten Arbeit angebe. Ja, jetzt kommt mir ruhig mit Compliance, Vetternwirtschaft, Korruption, Vorteilsgewährung und dergleichen Buzzwords. Ich weiß selbst, dass das so nicht so ganz korrekt ist, und ich meine Dienstleistungen durchaus vollständig berechnen sollte. Aber andererseits ist das die einzige Möglichkeit für mich, mich für viele Ausgaben, die Carsten für mich tätigt, zu revanchieren. Ich selbst habe ja kaum noch Ausgaben. Außer Stromkosten und Telekommunikation übernimmt Carsten so ziemlich alle regelmäßigen Kosten.

Über andere Aspekte des Ehelebens habe ich schon früher gebloggt.
Da mir keine pointierte Schlussbemerkung einfällt, bekräftige ich noch einmal, dass ich mich immer noch in erster Linie als seine Geliebte fühle. Und so soll es auch bleiben.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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22 Antworten zu Fünfhundertfünfundvierzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Sich immer noch als seine Geliebte fühlen ist ein ganz wundervolles Kompliment an ihn. 🙂

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  2. Delicatus schreibt:

    Mit der Geliebten klingt toll, die Einflußnahme auf die Speisen würde mich nervös machen 😉

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    • breakpoint schreibt:

      Es ist gewiss nicht so, dass ich ihm vorschreibe, was er essen darf, und was nicht.
      Ich gebe höchstens – selten – eine freundliche Empfehlung. Ich animiere ihn nicht zu übermäßigen Salatverzehr und besorge gelegentlich ein Tütchen Walnüsse o.dgl.
      Alles hoffentlich noch weit unter der Nervschwelle.
      Und inwieweit er darauf eingeht, ist seine eigene Entscheidung.

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  3. plietschejung schreibt:

    Seit wann werden Männer von sauren Lebensmitteln wund ??
    Hab Ich mich nie gehört.

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  4. engywuck schreibt:

    Wie das bei Ehepartnern ist weiß ich nicht, aber prinzipiell kann es meines Wissens als Schwarzarbeit gewertet werden (von Versicherungen ganz zu schweigen), wenn ein Arbeitnehmer nachweislich mehr arbeitet als offiziell angegeben („abstempeln und dann zurück an den Arbeitsplatz“). Angeblich gehen die Behörden dann davon aus, dass der Rest „schwarz“ abgerechnet wird. Und jahrelang den Zoll wegen sowas im Haus zu haben, der laufend kontrolliert, ist unschön.

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    • breakpoint schreibt:

      Das Verwerfliche an Schwarzarbeit ist ja, dass zusätzliche Gelder fließen, die aber nicht versteuert werden.
      Bei uns trifft das so nicht zu.
      Allerdings erhalte ich einen geldwerten Vorteil (mietfreies Wohnen, Essen, ..), den ich zwar auch nicht versteuere, den Carsten aber von der Steuer absetzen könnte, falls wir das offiziell abrechnen würden, statt das privat unter uns zu handlen.
      Wir schaden damit also niemandem, und AFAIK ist dies ein für Ehepaare durchaus legales Vorgehen, das wohl keine Behörden auf den Plan rufen würde.

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  5. ednong schreibt:

    „… immer noch in erster Linie als seine Geliebte fühle …“

    Was ist da der Unterschied zum Gefühl einer Ehefrau?

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  6. Pingback: Dreizehnhundertneunundzwanzig | breakpoint

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