Fünfhundertdreiundzwanzig

„Wie deutsch bist du?“, ist die derzeitige Fragestellung beim Webmasterfriday.
Hm, ich muss zugeben, dass ich mir bislang darüber noch gar keine Gedanken gemacht habe.

Mein Pass ist deutsch, in Formularen gebe bei der Frage nach der Staatsbürgerschaft „deutsch“ an, meine Muttersprache ist deutsch (wenn auch nicht hochdeutsch).
Die deutsche Sprache ist mir schon wichtig. Hiermit drücke ich mich bevorzugt aus. Aber auch in anderen Ländern, wie Österreich oder der Schweiz, wird deutsch gesprochen.
Eigentlich fühle ich mich eher der Region zugehörig, in der ich aufgewachsen bin (eine Region mit einer Fläche von etwa 1.5E9 m²). Ein bisschen fühle ich mich auch dem zugeordneten Regierungsbezirk verbunden, ein ganz klein bisschen dem Bundesland, ein bisschen bin ich Europäerin, ein bisschen Erdling, natürlich Internettie .. aber deutsch?

Betrachten wir die Fragestellung einmal aus einer anderen Perspektive. Was ist „typisch deutsch“? Und wie weit trifft das auf mich zu?
Der „typische Deutsche“ gilt als gründlich und verlässlich, aber humorlos.
Für mich treffen wohl die zwei ersten Punkte zu, dagegen bilde ich mir schon ein, über einigen Humor zu verfügen. Oder prägnant ausgedrückt: Die positiven Eigenschaften passen, die schlechten nicht. 😛

Ich erinnere mich vage, dass ich als kleines Mädchen die „Zonengrenze“ besucht habe. Da waren auf der anderen Seite des Zauns schwer bewaffnete Grenzsoldaten mit scharfen Hunden. Äh, ja, das hat nichts mit dem Thema an sich zu tun. Ist mir nur gerade wieder eingefallen.

Eigentlich ist mir die Nationalität ziemlich egal. Jeder Mensch ist doch ein Individuum und hat seine Eigenheiten. Manche davon sind gut, andere eher weniger. Gegenüber individuellen Unterschieden zwischen einzelnen Menschen gehen Stereotype und Klischees (die häufig zwar einen wahren Kern haben, aber nicht überbetont werden sollten) einzelner Nationalitäten im Rauschen unter (erinnert mich jetzt irgendwie an die Maxwell-Boltzmann-Statistik).

Erwähnen möchte ich im Kontext des Themas auch das „Made in Germany“-Gütesiegel, das weltweit für Qualität steht, obwohl es ursprünglich den deutschen Unternehmen aufgezwungen wurde, um ihnen den Wettbewerb zu erschweren.

Dieses Thema wählte der Webmasterfriday anlässlich des „Tages der Deutschen Einheit“ aus.
Abschließend muss ich jetzt endlich mal los werden, dass ich diese Bezeichnung ziemlich doof finde. Irgendwas mit Wiedervereinigung gefiele mir besser, denn es macht doch viel mehr Spaß, eine Wiedervereinigung zu zelebrieren. Oder mit Einigkeit, wie es schon in der Nationalhymne vorkommt.
Ich jedenfalls nutze nur SI-Einheiten und natürliche Einheiten (also die Einheiten, bei denen die Lichtgeschwindigkeit 1 und das Planck’sche Wirkungsquantum 2π ist). Welche Einheit ist schon „deutsch“? (wenn ich darüber nachdenke, fallen mir immerhin die abgeleiteten Einheiten Ohm, Siemens, Hertz und Weber ein.)

Jetzt bin ich vom eigentlichen Thema schon wieder abgeschweift, aber ich interpretiere die Webmasterfriday-Fragen als Themenvorschläge, zu denen man schreiben kann, was einem gerade dazu einfällt, und genau das habe ich getan.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Fünfhundertdreiundzwanzig

  1. plietschejung schreibt:

    Es gibt typisch deutsche Attribute, dass haben mehrfache Situationen in meinem Arbeitsleben bewiesen. Attribute, die im Ausland auch sehr geschätzt werden.

    Als humorlos habe ich Deutsche noch nie gesehen und in meinen Erfahrungen werden wir so auch nicht wahrgenommen.

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  2. schaum schreibt:

    Wichtig ist es seinen platz gefunden zu haben und sich dort wohl zu fühlen….aber die Kultur und die Erziehung stecken überall drin… intrinsisch halt

    Es schäumt unabwendbar

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  3. baerlinerinn schreibt:

    …also ich bin deutsch, weil ich sehr gern und sehr gut organisiere. Bei Terminen lieber zu frueh als zu spaet, privat immer preussisch puenktlich. Genau das erwarte ich leider auch von Anderen und weil das utopisch ist, neige ich zu einer weiteren deutschen Eigenart: dem Meckern! 😉 Ich kann fluchen wwie ein Bauarbeiter und schimpfen wie ein Rohrspatz! Ich habe schwarzen Humor und bin – ganz Ossi – auch ueberhaupt nicht pruede. Ihr seht schon, Preusse und Ossi bin ich aber auch noch!!! 😉 Und… stolz drauf. Trifft man Deutsche im Ausland oder eben Berliner in anderwn deutschen Staedten, fuehlt sich das doch gleich ganz vertraut und heimisch an. Also ich bin gern deutsch. Auch wenn ich viele Klischees nicht erfuelle. So mag ich z.B. kein Bier, trinke generell sehr wenig Alkohol. und ja, entgegen der Auffassung, deutsche Frauen wuerden wild wachsen lassen… hihi.

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    • breakpoint schreibt:

      Pünktlichkeit ist auf jeden Fall eine deutsche Tugend. Ich bin auch ein sehr pünktlicher Mensch, und kann mich rühmen, noch nie aus eigenem Verschulden zu spät gekommen zu sein.
      In vielen anderen Ländern nimmt man es mit der Pünktlichkeit nicht so genau. Aber leider gibt es auch genug Deutsche, denen es egal ist, ob sie sich verspäten. Dabei ist es doch auch ein Zeichen des Respekts, andere nicht grundlos auf sich warten zu lassen.

      Schwarzer Humor gilt eigentlich als typisch britisch. Vielleicht nennt man es aber bei Deutschen auch nur Schadenfreude.

      Ach, ich glaube ich sehe mich eher als „süddeutsch“. Warum sollte man 8E7 Deutsche auch in ein einheitliches Schema quetschen?

      Meiner Erfahrung nach unterscheidet sich der „mittlere“ (rein statistisch betrachtet) Süddeutsche insbesondere vom „mittleren“ Norddeutschen einerseits durch eine größere Gelassenheit („Gemütlichkeit“), und andererseits durch eine gewisse Direktheit („frank und frei“), mit der der „mittlere“ Norddeutsche nicht immer klar kommt (vermutlich weil es ihm an Gelassenheit fehlt). B)
      Zu „mittleren“ Ostdeutschen erlaube ich mir keine Aussage, da ich dafür noch mit zu wenigen zu tun hatte, um das beurteilen zu können.

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  4. Leser schreibt:

    Hier mal die Sicht eines Briten auf deutschen Humor:

    😉

    Ansonsten ist der Spruch von Samuel Johnson immer zutreffend: „Patriotism is the last refuge of a scoundrel.“

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  5. Delicatus schreibt:

    wann immer ich im Ausland bin und wieder zurück komme, dann freue ich mich, dass es wieder nach Deutschland geht. Das liegt bestimmt an der Familie aber selbst wenn ich mit der Familie im Urlaub war freue ich mich wieder in Deutschland zu sein.
    Das geht schon los, wenn ich in eine LH-Maschine einsteige. Die Flugbegleiterinnen, die (Un)freundlichkeit, die Ansagen der Piloten. Dinge funktionieren und wenn sie nicht funktionieren, dann regt man sich darüber auf und ist letztlich doch froh, dass es meistens unwichtige Kleinigkeiten sind.
    Selbst das Wetter ist „deutsch“. Dieser Wechsel zwischen Jahreszeiten hat seinen speziellen Reiz.
    Wollte ich in einem anderen Land leben? Ich denke in den Nachbarländern A, CH, DK, NL, LUX, etc könnte ich auch gut leben. Norditalien und weiter nach Skandinavien ginge auch aber es zieht mich keine Sehnsucht da hin.

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    • breakpoint schreibt:

      Größtenteils kann ich dir zustimmen.
      Und das deutsche Brot würde ich im Ausland sicherlich schon bald vermissen.

      Irgendwann habe ich mir mal überlegt, wo ich alternativ wohnen könnte, und habe dazu eine Liste mit Requirements aufgestellt:
      * Warmes, angenehmes Klima (auch im Winter kein Schnee und deutlich milder, im Sommer aber nicht heißer als hierzulande)
      * Keine größeren Naturkatastrophen (Erdbeben, Vulkanausbruch, ..) zu erwarten
      * Politisch stabil (keine Bürgerkriege o.ä.)
      * Keine besonderen gesundheitlichen Gefährdungen (Moskitos, Malaria, ..)
      * Noch einige Nice-to-haves

      und bin – bis auf das Klima – doch wieder auf mehr oder weniger Mitteleuropa gekommen.

      Ja, auch wenn „die Deutschen“ immer meckern müssen, eigentlich geht es uns hier doch sehr gut.

      Gefällt 1 Person

  6. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #28 //1857 | breakpoint

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