Vierhundertsechsundachtzig

Bevor ich noch mehr Einzelheiten meiner Hochzeit vergesse, blogge ich jetzt meine Erinnerungen daran.

Ich hatte am Freitag früh noch gebloggt, während Carsten noch einen letzten Blick ins Büro warf. Danach holte er mich ab, und gemeinsam fuhren wir zum Rathaus (dort sind extra Parkplätze für Brautleute vorgesehen).
Carsten machte der Standesbeamtin klar, dass wir nur eine knappe und sachliche Ansprache wünschen. Ich erinnere mich, dass seine Stimme beim „Ja“ sehr fest klang, meine dagegen eher dünn. Aufmunternd zwinkerte er mir zu.
Nachdem wir beide unterschrieben hatten, waren wir noch gut in der Zeit, so dass wir uns noch für eine halbe Stunde in die Wohnung zurückzogen, und dort die Formalitäten mit dem Vollzug besiegelten.
Danach war es höchste Zeit, in das Hotel zu fahren. All unsere Verwandten waren bereits anwesend (bis auf meinen Schwager Norbert, der am Vormittag noch ein paar Patienten hatte, und erst später eintraf). Alle stürzten auf uns zu und wollten uns gratulieren. Meine Mutter hatte Tränen in den Augen, als sie mir die Hand drückte. Sabine hätte mich sicherlich überschwänglich umarmt, hätte sie nicht ihren Jüngsten auf dem Arm gehabt. Sogar Sven rang sich einen Glückwunsch ab.
Eigentlich wäre mir eher nach einem Kaffee gewesen, trotzdem begnügte ich mich mit Sekt.
Dann nahmen wir alle in einem separaten Raum Platz, wo ein Studienfreund von Carsten eine Ansprache hielt. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass Carsten im Anschluss selbst das Wort ergriff. Das war nicht abgesprochen gewesen.
Ich werde seinen Worten nicht ansatzweise gerecht, wenn ich sie jetzt auszugsweise hier wiedergebe:
.. „Zweimal in meinem Leben hat mein Leben an einem 27. Juli eine entscheidende Wende gemacht. Das erste Mal, als ich vor 22 Jahren Vater wurde“, er lächelte Verena zu, „und dann exakt zwanzig Jahre später, als diese meine wunderschöne Frau in mein Leben trat.“ .. „Es war nicht einfach, sie davon zu überzeugen, ihr Leben mit mir zu verbringen – was ich nur ihrer Vernunft zuschreibe – aber schließlich ist es mir doch gelungen.“ .. „dass ich heute ein überglücklicher Mann bin“ .. „mit dieser einzigartigen Frau an meiner Seite“ .. „und wünsche uns für unseren gemeinsamen Lebensweg, dass er stets von gegenseitigem Respekt, Vertrauen, tiefer Zuneigung und Freundschaft geprägt ist“ .. „und dass unser Verhältnis zueinander nie diesen besonderen Touch verliert, der uns von Anfang an verbunden hat.“
Er hat das etwas anders ausgedrückt und noch viel besser rübergebracht, was ich hier jedoch nicht schaffe, zu reproduzieren.
Nachdem der Applaus abgeklungen war, sah ich mich veranlasst, ebenfalls aufzustehen, und ein paar Worte zu sagen: „Das war nicht abgemacht, dass wir hier eine Rede halten. Er hat mich kalt erwischt, und ich habe nichts vorbereitet. Ich kann nur die Worte meines Mannes bestätigen, der so ein begnadeter Redner ist, dass alles, was ich jetzt noch von mir geben würde, nur noch dagegen abfallen kann. Hinzufügen möchte ich lediglich, dass auch für mich heute ein komplett neuer Lebensabschnitt beginnt, den ich nicht mehr alleine gehen werde, sondern zusammen mit meinem großartigen Mann. Ich dachte mir oft, dass er eigentlich verrückt sein muss, dass er ausgerechnet mich heiraten will. Aber vielleicht ist er auch ein Visionär. Ein Visionär, der in mir sein Pendant sieht. Naja, ich bin wohl ebenfalls verrückt.“
Die Gäste lachten und klatschten Beifall. Carsten stand auf, meinte „Ganz bestimmt bist du das, Süße!“, und gab mir einen Kuss.

Hier mache ich erst mal eine Zäsur. Fortsetzung folgt demnächst.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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27 Antworten zu Vierhundertsechsundachtzig

  1. Moody schreibt:

    Hach, mir gefallen solche kurzfristigen Reden ja eh viel lieber. Die höre ich mir lieber an, als solche, die dann im Takt runtergerattert werden…brrr.
    Das klingt nach einem schönen Tag, vielleicht sollte ich auch mal von der Hochzeit meines Vaters berichten, aber ich weiß gar nicht, wen das wirklich interessiert, denn es bin ja nicht ich, der da heiratete 😉

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  2. Conchi schreibt:

    Ich gatuliere dir ganz herzlich zu deiner Hochzeit, du liebe!!
    Ich freue mich auch sehr für dich mit, und wünsche euch beiden viel Glück und alles Gute für eure Ehe!!

    Toll, dass ihr beiden sogar eine Rede gehalten habt,
    und er so schönes Dinge gesagt hat!! Ich habe ja auch öfter an dich gedacht die letzte Zeit, und total gehofft, dich als Brauf auf einem Foto hier sehen zu können!! Du hast bestimmt traumhaft schön ausgesehen!!!!

    Also alles Liebe und zu dir und
    herzliche Grüße an dich
    Conchi

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    • Leser schreibt:

      Bei *dem* Anonymitätsbedürfnis halte ich es für nahezu ausgeschlossen, dass sie hier ein Foto von sich als Braut veröffentlicht, auch wenn es interessant wäre, das mal zu sehen (Und erst den Bräutigam, aber das ist wohl absolut ausgeschlossen, nicht nur nahezu).

      Wäre ja mal interessant, wie der noch relativ frisch gebackene Ehemann darauf reagiert, dass es dieses Blog gibt, so er es denn je erfahren sollte. Was ich aber leider auch bezweifle.

      Aber hey, Breakpoint, Du kannst ja auch einfach von jedem beliebigen Zeitpunkt an ins Fiktive abschweifen (no pun intended).

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    • breakpoint schreibt:

      Vielen Dank, Conchi.

      Nein, ein Foto werde ich sicherlich nicht veröffentlichen.

      Auch dir viele Grüße!

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  3. plietschejung schreibt:

    Du bist echt cool !

    Sehr schön.

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  4. Gentleritter schreibt:

    Glückwunsch! Geht dein Blog jetzt weiter oder sind wir sozusagen die Zeugen des Happy Ends?

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  5. ednong schreibt:

    Es hätte mich gewundert, hätte er keine Rede gehalten. Sehr schön, also geht der Abschnitt ja schon gut los. 😉

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  6. Murgs schreibt:

    Tolle Hochzeit.
    Und erstklassige Rede.
    Du hast einen wirklich außergewöhnlich talentierten Mann!
    Da sehe ich für die Zukunft eine Ehe, die euch beiden nicht langweilig wird.

    Über die Anonymität zu diskutieren ist müßig. Mit einigen Eigenschaften und Kombinationsfähigkeit ist eine oberflächliche Verschleierung schnell zu knacken. Also keine Fotos und Hinweise auf die Feier. Schade aber notwendig.

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    • breakpoint schreibt:

      Ja, er kann wirklich tolle Reden halten.
      Dass es langeweilig werden könnte, da habe ich keine Bedenken.

      Es ist auch so schon schwierig genug, die Anonymität zu wahren, wenn man so viele Details berichtet. Bilder würden das Risiko untragbar erhöhen.

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  7. breakpoint schreibt:

    VierhundertdreiundneunzigHochzeitsfeier – der Trilogie zweiter und letzter Teil.

    Der Festsaal war umgeben von den Flipcharts, die ich zwei Tage vorher beschriftet hatte. Alle Seiten hatten überlebt. Auch die Collage, die wir uns von den Gästen gewünscht hatten, war aufgehän…

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  8. Pingback: Vierhundertdreiundneunzig | breakpoint

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