Vierhundertachtundsiebzig

„Samtpfötchen, du musst noch den Ehevertrag unterschreiben“, meinte Carsten und hielt mir einige zusammengetuckerte Seiten entgegen.
Ich war ziemlich überrascht. Denn bisher hatte er immer davon geredet, dass bald „alles in einen Topf“ käme.

„Ehevertrag? Davon war nie die Rede.“
„Du musst dir keine Gedanken machen. Das ist nur das übliche.“
„Das ‚übliche‘ ist, dass es keinen Ehevertrag gibt.“
„Lies ihn dir doch wenigstens mal durch.“
„Das brauche ich nicht“, ich schüttelte den Kopf, „ich werde das Ding nicht unterschreiben!“
„Süße, es steht wirklich nichts ungewöhnliches darin.“
„Das ist mir egal.“
„Wir können den Vertrag auch ändern, dass er nur die ersten drei Jahre gilt, und danach nichtig ist.“
„Gib dir keine Mühe.“
„Wenn wir zusammenbleiben, ist der Vertrag ohnehin völlig ohne Bedeutung.“
„Die Sache ist doch so: Entweder du vertraust mir, dann brauchst du keinen Ehevertrag. Oder du vertraust mir eben nicht. In diesem Fall wäre es unvernünftig, mich überhaupt zu heiraten und du solltest die Hochzeit lieber absagen.“

Carsten seufzte: „Vertraust du mir denn?“
„Zu 90, vielleicht sogar 95 Prozent. Alles was darüber hinausgeht, wäre nur noch Naivität.“
Er überlegte einen Moment lang. Dann meinte er: „Du hast mich wieder einmal mit unwiderlegbarer Logik überzeugt.“ Und er zerriss den Ehevertrag von oben nach unten.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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26 Antworten zu Vierhundertachtundsiebzig

  1. plietschejung schreibt:

    Vielleicht ist es aufgrund der Gesellschaftsform der Fa. doch relevant ?

    Er kommt spät damit, oder ?

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  2. baerlinerin schreibt:

    …für eine Sekunde blieb mein Herz stehen und ich dachte, das war s mit der Hochzeit!!! 😉 – Du hast absolut Recht. Entweder Heirat oder keine Vertrauen oder nicht! Mich wundert aber auch gewaltig, wieso ihr erst als plant und so ein K.o.-Kriterium noch gar keine Erwähnung fand. Wer hat ihm diesen Floh wohl in s Ohr gesetzt?

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  3. Bellona schreibt:

    komisch, selbst wir haben darüber sehr viel früher gesprochen und nicht so kurz vor nackig, obwohl es bei uns nicht sinnvoll ist, da wir mit gleich wenig kohle in die ehe gegangen sind. :))

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  4. Delicatus schreibt:

    Wir haben auch einen Ehevertrag. Ich kann mich noch gut an die Diskussion mit dem Notar erinnern, als ich meinte, dass eine Situation eintreten kann, dass ich tot mehr wert bin als lebendig. Der Notar fragte dann, ob ich mir das mit der Hochzeit wirklich gut überlegt hätte 🙂

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    • breakpoint schreibt:

      Für solche Fälle gibt es auch Lebensversicherungen.

      Im Ernst, wenn man glaubt, sich doppelt absichern zu müssen, sollte man es ganz lassen.
      Irgendwelche geschäftlich-betrieblichen Angelegenheiten lassen sich ggf. auch noch nachträglich vereinbaren.

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      • Delicatus schreibt:

        Wie üblich kommen die Empfehlungen meistens von Menschen, die sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Diese Menschen wollen, wenn man es wohlwollend sieht, andere Menschen vor den Erfahrungen schützen. In Wahrheit haben sie einfach nur Hass auf das andere Geschlecht.

        Ich hoffe meinen Ehevertrag nie zu brauchen. Wenn doch, dann soll er die Scheidung vereinfachen, so dass nicht ewig über jeden Cent gestritten werden muss und dass eine Scheidung dann schnell über die Bühne geht. Das war im übrigen auch meine Überlegung bei Deinem Eintrag letzte Woche über das Pro & Con der Hochzeit. Wenn man alles geregelt hat, dann kann man es auch schnell wieder auflösen. Romantisch ist das nicht, aber man denkt auch nicht groß darüber nach.

        Wie immer, nur die Betroffenen können entscheiden, da nur sie mit den Konsequenzen leben müssen.

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        • breakpoint schreibt:

          Du hast sicherlich grundsätzlich recht.

          Aber wenn es tatsächlich zu einer Scheidung käme, würde ich es nur darauf anlegen, einen möglichst schnellen, sauberen Schnitt zu machen, und das zu beenden.
          Ich bin nicht auf sein Geld angewiesen und würde nicht darum kämpfen.
          Das weiß er auch.

          Es soll ja auch vorkommen, dass Eheleute sich im Laufe der Zeit immer mehr entfremden und sich zum Schluss nur noch hassen.
          Da geht es bei den Streitigkeiten gar nicht mehr um das Geld, Vermögenswerte oder sonstige konkrete Dinge, sondern nur noch darum, dem anderen eines auszuwischen.
          Ein Ehevertrag würde IMHO solch ein Szenario auch nicht wesentlich verbessern.

          Aber weder Carsten noch ich sind der Typ, der einen Rosenkrieg führen würde.
          Wir waren ja im Winter ein paar Monate lang getrennt. Selbst da haben wir uns gegenseitig respekiert und hochgeachtet.

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          • Delicatus schreibt:

            Das ist der Vorteil eines Ehevertrages, dass die Leute den Vertrag aufsetzen, wenn sie miteinander reden.

            Wenn die Leute sich richtig hassen, dann hat jeder noch genügend Boshaftigkeiten im Köcher. Ich glaube die Steuerfahndung ist für jede kaputte Beziehung sehr dankbar.

            Ich habe im Bekanntenkreis sowohl von Männern als auch Frauen Dinge erlebt, die ich mir nicht vorstellen konnte. Meistens waren die jeweils neuen Partner die treibende Kraft dahinter.

            Bei euch wird das schon alles klappen. Und wenn nicht, haben wir wenigstens schöne Einträge aus dem Rosenkrieg zu erwarten 🙂

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  5. idgie13 schreibt:

    Ja – es ist erstaunlich, dass er jetzt erst damit ankommt.

    Lustigerweise habe ich damals genauso reagiert wie Du und würde HEUTE nie mehr ohne Vertrag heiraten. Mit mindestens 95% Wahrscheinlichkeit werde ich aber ohnehin nicht mehr heiraten B).

    Heute bin aber auch ich die mit dem besseren Gehalt und der eigenen Firma und weiss aus eigener Erfahrung, wie schnell und gründlich eine Ehe scheitern kann – egal wie überzeugt man zum Zeitpunkt der Heirat ist.

    Dir wünsche ich die Erfahrung selbstverständlich nicht und hoffe, ihr bleibt glücklich zusammen.

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    • breakpoint schreibt:

      Naja, ich kam mir auch ziemlich überrumpelt vor.
      Schließlich hat er aber eingelenkt.

      Nur ihm ist die Heirat wichtig. Insofern hatte er kein Druckmittel.
      Es ist nicht anzunehmen, dass ein Vertrag, den seine Anwälte formuliert haben, für mich von Vorteil wäre.
      Die gesetzlichen Regelungen sollten mir als Absicherung – falls ich denn so etwas brauche – mehr als genügen.

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  6. sigrun_beate schreibt:

    Ich verstehe nicht, was an einem Ehevertrag so schlimm ist. Letztendlich ist die Eheschließung an sich nichts anderes als ein Vertrag. Die Ehe hat doch im Grunde rein gar nichts mit Romantik zu tun.
    Es geht hierbei doch nur um den Fall, dass man sich eventuell irgendwann nicht mehr mag. Das weiß niemand. Und nur weil man einen Ehevertrag hat, bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass die Ehe zum scheitern verurteilt ist und hat auch nichts mit Vertrauen zu tun. Umgekehrt könnte er dich ebenso fragen, warum du ihm nicht vertraust und den Vertrag unterschreibst?

    Das ist doch wie mit einem Testament. Nur weil ich eins habe, bedeutet es doch nicht, dass ich sofort sterben werde. Aber es ist durchaus sinnvoll ein Testament zu machen, um den Angehörigen später die Arbeit zu erleichtern.

    Und mit einem Ehevertrag ist das im Prinzip ähnlich, es ist nichts anderes als eine Erleichterung für den Fall der Fälle, der aber anders als der Tod, nicht eintreten muss.

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    • breakpoint schreibt:

      Was du schreibst, stimmt grundsätzlich alles.

      Allerdings sollte ein zusätzlicher Vertrag vorher von beiden Vertragspartnern vereinbart und ausgehandelt worden sein.
      Ich lasse mir nicht kurzfristig so ein Dokument vor die Nase knallen, und mich unter Druck setzen, das zu unterschreiben.

      Die gesetzlichen Regelungen, die ohnehin mit einer Eheschließung verbunden sind, sind für mich mehr als ausreichend.

      „Umgekehrt könnte er dich ebenso fragen, warum du ihm nicht vertraust und den Vertrag unterschreibst?“
      Daraufhin hätte ich ihm geantwortet, dass ich ihm zwar weitestgehend vertraue, aber nicht seinen Anwälten.

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      • sigrun_beate schreibt:

        Ich gebe dir recht, dass es wirklich ziemlich kurzfristig kam und das man diese Dinge vorher besprechen sollte und am Besten gemeinsam zu einem Notar geht und sich beraten lassen sollte.
        Ich habe keinen Ehevertrag, da es sich bei uns nicht gelohnt und nur Geld gekostet hätte. Aber uns war beiden klar, dass wir das im Grunde wollen.

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  7. remi1 schreibt:

    Ich bin glaube ich auch grundsätzlich ein Fan eines Ehevertrags.. Aber der Zeitpunkt war wirklich ziemlich unpassend 🙂

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  8. dieSuchende schreibt:

    Ich hab es auch ohne Ehevertrag hingekriegt.
    Man kann sich auch so „anständig“ scheiden lassen.
    Deshalb bin ich zwar grundsätzlich dagegen, aber
    wenn ich schon mein Ja-Wort gebe – dann hab ich
    mir das im Vorfeld schon sehr sehr gut überlegt.

    … und könnte dann auch drauf verzichten.

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  9. Murgs schreibt:

    Jetzt noch mit dem Ehevertrag zu kommen ist deutlich zu spät. Ich hatte das Thema schon kurz angetippt, weil mich wunderte, das Carsten nicht schon längst von seinem Anwalt angespitzt wurde.
    Es gibt zwar gute Gründe dafür, aber der Aufwand steht oft in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Im Gegenteil: gerade juristisch heikle Abläufe vereinfachen sich ohne Vertrag.

    Zugewinngemeinschaft ist wie Du richtig bemerkt hast rechtlich sauber und schützt beide.
    Sein Vermögen bleibt seines, Deines bleibt ebenso und was Ihr ab jetzt gemeinsam schafft ist Eures. Wenn Du sichergehen willst, mach eine Auflistung Deines Besitzes zum Tag vor der Hochzeit und bewahre sie auf. Das muß nicht jetzt gleich sein.

    Wir hatten das Thema Ehevertrag auch, aber die Entwicklung zeigt mir: ein Ehevertrag ist nur notwendig, wenn zwei erhebliche vermögen vorhanden sind, sonst verdienen nur die Juristen.

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    • breakpoint schreibt:

      Ich mache Carsten keinen Vorwurf wegen der Kurzfristigkeit.
      Er hat soviel anderes im Kopf, und die Anwälte haben ihn wohl erst so spät daran erinnert.
      Vielleicht war es ihm auch so selbstverständlich, dass es einen Ehevertrag geben würde (mit seiner ersten Frau gab es einen), dass er es gar nicht für erwähnenswert hielt.

      Eine Aufstellung meiner Ersparnisse kann sicherlich nicht schaden.
      Da gewinne ich selbst auch einen Überblick.

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  10. ednong schreibt:

    Rosenkrieg, yeah. Ich will Einträge über eine geplatzte Hochzeit und einen nicht unterschriebenen Ehevertrag! Menno. 😉

    Viel Glück dir übermorgen. Und man kann bzgl. des Eigentums, das man vor der Ehe hat, ja auch Fotos machen. Auflisten/inventarisieren kann man das dann immer noch detailierter etwas später. Und bei den Konten gibt es ja Datumseinträge.

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    • breakpoint schreibt:

      Rosenkrieg, geplatzte Hochzeit ..
      Das ist doch keine Hollywood-Schnulze (obwohl ich mir manchmal schon so vorkomme).

      Tagesaktuelle Konto- und Depotauszüge dürften reichen.
      Ich glaube nicht, dass wir uns wegen meiner paar Möbel, dem Besteckkasten oder meines veralteten Notebooks in die Haare geraten würden.

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  11. Pingback: Dreizehnhundertzweiundzwanzig | breakpoint

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