Vierhundertfünfundsiebzig

Letztes Jahr hatte ich ja praktisch verpennt, dass wir uns damals genau ein, mittlerweile zwei Jahre vorher kennengelernt hatten. Das passiert mir heuer nicht.

Ich habe ein Porträtfoto von mir in einen hübschen Rahmen getan, und werde ihm das nachher schenken. Das kann er sich dann auf seinen Schreibtisch im Büro stellen, wenn er will. Da ich auf dem Foto ziemlich ernst und streng schaue, kann er auch nicht behaupten, es sei zu lasziv und verführerisch, und würde ihn ablenken.

Eigentlich hatte er mich bei unserem Kennenlernen sofort beeindruckt, und eine gewisse gegenseitige Sympathie war wohl auch gleich vorhanden.
Obwohl er absolut meinem Beuteschema entsprach, wusste ich instinktiv, dass er ein Mann ist, den man nicht mit einem One-Night-Stand abspeisen kann, und habe derartige Gedanken wohl erst mal ausgeblendet.
Wir trafen uns dann immer öfter, erst nur beruflich, dann zunehmend auch privat. Aus einer ursprünglich rein geschäftlichen Beziehung, wurde eine Freundschaft, dann flirteten wir heißer und heißer, bis eine sexuelle Beziehung schließlich unausweichlich war. Damals kannten wir uns bereits seit fast einem dreiviertel Jahr.
Und in einer Woche sind wir verheiratet!

Er tut ja immer so, als ob es ihn tierisch nerven würde, wenn er mit mir diskutieren muss. Aber in Wahrheit macht gerade das den Reiz unserer Beziehung aus.
Denn – seien wir ehrlich – (zumindest halbwegs) attraktive Frauen gibt es zuhauf, und bei einem Teil dürfte auch ausreichende anatomische Kompatibilität vorhanden sein. (Auch wenn der Vergleich hinkt, aber einen Schuko-Stecker kann man nicht in eine Euro-Steckdose (oder -Kupplung?) schieben.)
Außer mir traut sich aber nie jemand, ihm auch mal zu widersprechen. Seine Mitarbeiter machen immer schleunigst genau das, was er von ihnen verlangt. Kein Wunder, dass ihn das langweilt.
In der Tat sind wir ja sogar von vornherein meist der gleichen Meinung. Ganz ohne Meinungsverschiedenheiten wäre unsere Beziehung allerdings langweilig. In diesem Blog bietet sich deshalb ein recht verzerrtes Bild, da ich hauptsächlich nur die Diskussionen blogge, bei denen wir unterschiedlicher Ansicht sind. Meist haben eben nur diese Erinnerungswert (für mich) und wohl Unterhaltungswert (für euch).

Als ich vor einiger Zeit beschrieb, warum es nur logisch ist, dass wir zusammen sind, habe ich einen wichtigen Aspekt vergessen. Nämlich, dass wir uns nicht gegenseitig mit irgendwelchen Sentimentalitäten nerven.

Wir hatten überlegt, ob es sinnvoll wäre, ein paar Tage vor unserer Hochzeit abstinent zu bleiben, um der Hochzeitsnacht vielleicht einen besonderen Kick zu geben. Von den Schwierigkeiten, das durchzuhalten mal abgesehen, will aber wohl auch niemand eine zickige Braut und einen ruppigen Bräutigam erleben.
Also keine vollständige Abstinenz. Allerdings werden wir versuchen, uns zumindest teilweise etwas zurückzuhalten. Schließlich will ich keine sichtbaren Bissspuren auf den Armen haben.

Ach, was bin ich froh, dass ich keine Schwiegereltern bekommen werde. Die Stieftöchter und die Stiefenkelin sind schon mehr als genug. Aber am allerschlimmsten ist der Stiefschwiegersohn (der – BTW für Neuleser – nicht identisch ist mit dem Vater der Stiefenkelin). Oder heißt es Schwiegerstiefsohn? Oder ist das egal? Anders ausgedrückt, ist der Kommutator [‚Schwieger‘, ‚Stief‘] = 0?

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Vierhundertfünfundsiebzig

  1. plietschejung schreibt:

    Wer will denn ein ernstes und strenges Foto seiner Holden auf dem Schreibtisch ?

    Lächle ich wenigstens an !

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  2. sweetsurrender schreibt:

    Ich find so Jahrestage vollkommen überflüssig.

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  3. remi1 schreibt:

    Lol, am lustigsten finde ich immer deine Andeutungen.. Bissspuren und so 😀
    Boah noch ne Woche und du bist unter der Haube…

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