Vierhundertdreiundfünfzig

Wir hatten uns doch entschlossen, Kathrin samt ihrem Johnny zu unserer Hochzeit einzuladen. Mittlerweile liegen die gedruckten Einladungskarten vor, und so wollte ich Kathrin die ihr zugedachte Einladungskarte gestern vor dem Jour fixe persönlich überreichen.

Sie öffnete also den Umschlag, las, und wurde blass. Dann brach es entsetzt aus ihr heraus: „Du willst ihn wirklich heiraten? Überleg dir das noch mal! Ich habe auch den ersten Mann geheiratet, der sich für mich zu interessieren schien, und es hat nicht gutgetan. Ich sage das wirklich nicht gern, aber du solltest doch erst etwas Erfahrung sammeln, bevor du dich gerade mit ihm .. Er ist immer so – wie soll ich sagen – so kalt und steif ..“ (letzteres kann ich bestätigen) „.. und auch schon so alt. Und ich habe noch nie gesehen, dass er dich geküsst hat“, (schließlich veranstalten wir im Büro auch keine Peepshow), „und der ist doch auch immer so ernst. Der lacht fast nie und hat keinen Humor. Der will dich doch nur zur Dekoration und als Prestigeobjekt und um vor den anderen Geschäftsbonzen mit dir anzugeben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was du an ihm findest. Es gibt doch auch viele nette Männer. Wenn du Olli nicht magst, dann könntest du auch einen anderen finden. Ich hab da kürzlich so ein Buch gelesen. Da war auch so ein reicher Kerl. Der war ein Sadist ..“

„Ich darf doch wohl sehr bitten!“, unterbrach ich sie energisch.
Nach Luft schnappend stand sie da. Ich nehme zwar an, dass sie es „nur gut meint“, aber das muss ich mir von niemandem bieten lassen.
Ganz ruhig sagte ich dann: „Du kannst davon ausgehen, dass ich schon weiß, was ich tue. Wenn dir das nicht passt, brauchst du dich aber nicht verpflichtet zu fühlen, an meiner Hochzeit teilzunehmen.“

Damit ließ ich sie stehen und ging in den Besprechungsraum, um mein Notebook hochzufahren. Wenn sie nicht kommen will, dann eben nicht. Dabei hätte ich sogar veranlasst, dass ihr Arbeitgeber ihr an dem Tag Sonderurlaub gewährt.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Vierhundertdreiundfünfzig

  1. Gentleritter schreibt:

    Bei der fehlenden Loyalität zum Chef,passt sie vielleicht auch nicht mehr zu eurer Firma..! *fiesgrins*

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  2. plietschejung schreibt:

    Ist sie wichtig für Dich ? Emotional wichtig ?

    Ich glaube, du weißt, was du tust. Nach verklärter Verliebtheit hörst du dich nicht an.

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  3. sweetsurrender schreibt:

    Naja, ich würde es nicht überbewerten.
    Schließlich heiratest Du ihren Chef. Und wahrscheinlich verbringt sie mehr Zeit mit ihm als Du. Da wird sie ihre eigene Sichtweise entwickelt haben.

    Als Freundin weiß sie ja ganz schön wenig über Dein Liebesleben oder?

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  4. Delicatus schreibt:

    Sweetsurrenders Frage ist eine mögliche Lösung oder Kathrin kennt etwas von Carsten was Dir bisher verborgen geblieben ist. Unwahrscheinlich, aber vielleicht solltest Du noch einmal eine letzte Due Diligence mit Carsten veranstalten.

    Drum prüfe, wer sich ewig bindet

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  5. ednong schreibt:

    Hm,
    ich denke auch, dass sie ihre eigene Sichtweise auf ihn hat. Wäre ja auch nur logisch. Und dass sie halt davon ausgeht, dass die Merkmale, die er im Geschäftsleben an den Tag legt, natürlich auch in deinem Privatleben so weiter bestehen. Was aber wohl (inzwischen) nicht (mehr) so ist, wenn ich bisher richtig mitgelesen habe. Und von daher denke ich halt auch, sie wird es nur gutgemeint haben.

    Vielleicht solltest du vor eurer Hochzeit noch mal ein Gespräch mit ihr führen, um ihre Zweifel größtmöglichst auszuräumen. Schließlich wird sie ja nach eurer Hochzeit immer noch seine Sekretärin sein. Und wäre doch blöde, wenn sie aus „hab ich doch nur gut gemeint“ irgendwelchen Blödsinn verzapft. Zumindest anstrengend wäre es dann für euch – wenn auch sicher nur temporär.

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    • breakpoint schreibt:

      Bestimmt hat sie es „nur gutgemeint“. Da greift sicherlich wieder mal Hanlon’s Razor.
      Ihre Sichtweise ist dermaßen verzerrt, da würde auch kein Gespräch helfen. Das habe ich bereits oft genug versucht.

      Sie ist übrigens nicht Sekretärin, sondern lediglich Bürohilfe.

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  6. „Ich hab da kürzlich so ein Buch gelesen. Da war auch so ein reicher Kerl. Der war ein Sadist ..“
    Oh, sie hat den „Ärzteroman“ für sexuell unausgelastete Gammaweibchen durchgeackert?
    Du solltest Johnny einen Rohrstock schenken.

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  7. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #23 //1796 | breakpoint

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