Vierhunderteinundvierzig

Ich habe das Wochenende überstanden. Hurra!

Am Samstag hatte Carsten sich mit seinen Kindern versöhnt. Wir feierten diesen Anlass, indem wir Abends alle zusammen (samt Baby, das zum Glück die meiste Zeit schlief und die restliche Zeit entweder an einem quietschenden Spielzeug oder an Verena’s Brüsten herumkaute) zum Essen in ein Restaurant fuhren.

Carsten wirkte spürbar erleichtert, dass die Probleme mit seinen Kindern erst mal bereinigt sind. Das heißt, eigentlich sind sie das gar nicht, aber er hat ihnen wohl verziehen und wird sie in Zukunft wieder verstärkt finanziell unterstützen.

Verena lebt jetzt mit Patrick zusammen. Nachdem er seine Vaterschaft gegenüber seiner Frau nicht mehr verheimlichen konnte, hatte diese ihn aus dem gemeinsamen Haus geworfen. Daraufhin ist er zu Verena gezogen. Da der Großteil seines Einkommens an seine bisherige Familie geht und er noch Hypotheken für sein Haus abzahlen muss, liegt er jetzt wohl auch Carsten mit auf der Tasche.

Carsten hatte sich auf ein harmonisches Essen im Familienkreis gefreut. Wir hatten ausgemacht, dass wir bei dieser Gelegenheit unsere bevorstehende Hochzeit verkünden würden und die Anwesenden einladen wollten.
Wir hatten ja gar nicht erwartet, dass sie sich für uns freuen würden. Aber nachdem sie selbst gerade erst wieder Carsten’s Gnade gefunden hatten, wäre ein sachlicher Glückwunsch eigentlich nicht zuviel verlangt gewesen.
Stattdessen entfuhr es Fiona: „Papa, das kannst du doch nicht machen! Sie will dich nur ausnehmen. Das kannst du doch Mama nicht antun.“
Verena schlug in die gleiche Kerbe. Auch Sven und Patrick, die das eigentlich doch überhaupt nichts anging, äußerten sich zustimmend.
Eine Zornesfalte erschien auf Carsten’s Stirn und er fuhr ihnen über den Mund: „Im Gegensatz zu euch allen, ist Anne immerhin durchaus in der Lage, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Die Heirat ist ganz allein ihre und meine Entscheidung. Euch steht keinerlei Kritik daran zu. Und ihr habt – verdammt noch mal – Anne den gebührenden Respekt entgegenzubringen!“
Die anderen ließen sich wieder auf ihre Sitze zurückfallen. Wenigstens sahen sie ein, dass sie Carsten nicht umstimmen konnten.
„Tut mir leid, Papa“, meinte Fiona schließlich, „wir waren nur alle so überrascht.“
Das kam einer Entschuldigung nah. Die anderen nickten zwar etwas verlegen, aber zustimmend. Carsten war wieder einigermaßen besänftigt. Er ließ eine Flasche Sekt kommen, mit der wir dann alle (außer Verena, die nur Apfelsaft trank) auf die Hochzeit anstießen.

Wir waren schon recht früh am Abend wieder zurück.
Zur Entspannung wollte ich mich noch eine halbe Stunde in den Whirlpool setzen, wie Carsten und ich das häufig abends noch machen.
Offenbar hatte ich diese Idee nicht allein gehabt. Als ich unten im Keller ankam, saßen Fiona und Sven, Verena und Patrick bereits im Whirlpool. Allesamt in Badebekleidung. Das Baby saß oder lag in einer Art Sitz am Rand.
Der Whirlpool wäre zwar groß genug gewesen, aber ich hatte keine Lust, mich nackt zu den anderen zu setzen. Irgendwo habe ich auch meine Grenzen.
Carsten war oben noch beschäftigt, und wollte erst später nachkommen.
Also zog ich mich wieder zurück unter dem Vorwand, Carsten zu suchen.

Am Sonntag gab es noch ein gemeinsames Frühstück.
Danach bestand Carsten noch auf einen gemeinsamen Familienausflug, also so ein Zwischending zwischen einem ausgedehnten Spaziergang und einer kleineren Wanderung.
Das Baby musste im Kinderwagen (den Verena mitgebracht hatte) geschoben werden. Das übernahm zumeist Patrick, insbesondere an den Steigungen. Ansonsten liefen wir paarweise.
Wir kehrten zum Abschluss in einen Biergarten ein. Da wir ausgiebig gefrühstückt hatte, teilte ich mir nur einen Obatzden und eine Portion Pommes Frites mit Carsten. Die anderen begnügten sich ebenfalls mit kleineren Gerichten, bis auf einen, dessen Namen ich jetzt aber nicht nennen will. Ihr könnt ja Wetten darauf abschließen. Dieser bestellte sich eine Riesenportion, und ließ dann das meiste wieder zurückgehen. Schwiegerpapi hat’s ja.
Verena schaffte es irgendwann, ihr Baby für ein paar Minuten auf Carsten’s Schoß zu platzieren. Als er dem Baby jedoch ein Pommes-Frites-Stäbchen geben wollte, protestierte sie und nahm es wieder schnell zu sich.
Leider gab es kein offenes Eis, sondern nur noch zwei oder drei Sorten abgepacktes Eis. Ich entschied mich für eines, das sich zwar nicht durch Geschmack und Konsistenz hervorhebt, das ich jedoch aufgrund des ästhetischen Designs und Formgebung schätze.

Ich bin froh, dass die anderen danach wieder schnell nach Hause wollten, und nicht noch länger blieben.
So hatten Carsten und ich wenigstens noch den Rest des Sonntags für uns allein.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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26 Antworten zu Vierhunderteinundvierzig

  1. plietschejung schreibt:

    Puuh… auch ein Marathon…endlich wieder Arbeiten 😉

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  2. schaum schreibt:

    das muss hardcore gewesen sein, aber es ist geschafft. ein gutes gefühl? hoffentlich

    es schäumt undnunweiter

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  3. Delicatus schreibt:

    Immer wieder schön wenn die Verwandschaft wieder weg ist 🙂

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  4. sweetsurrender schreibt:

    Ich kann schon ein bisschen nachvollziehen wie sich seine Kinder mit dem Tod der Mutter fühlen.
    Umso schöner das sie es wohl akzeptiert haben das der Vater auch ein Recht hat glücklich zu sein.
    Gib ihnen einfach Zeit, ich denke das sich vieles normalisieren wird wenn sie Dich besser kennengelernt haben.

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    • breakpoint schreibt:

      Nach über zwei Jahren trauern die Kinder eigentlich nicht mehr. Zumindest habe ich nicht den Eindruck.
      Sie führen ja ihr eigenes Leben, in dem auch ihr Vater (außer als Geldquelle) kaum noch Raum hat.

      Sie wohnen weiter weg. Deshalb wird es nur selten Gelegenheiten geben, einander besser kennenzulernen.

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  5. idgie13 schreibt:

    Auf die Verwandtschaft hätt ich ja auch Bock …. 🙄

    Ich tipp mal auf Sven mit der Riesenportion.

    Ist doch immer wieder lustig, dass man das Brett vorm Hirn nicht sieht, aber den Splitter im Auge des anderen: selber den Vater ausnehmen und anderen (die das nicht tun) genau DAS vorwerfen … 🙄

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  6. ednong schreibt:

    Sven‘ ganz klar. Aber steht wohl irgendwo auch, wenn RS beim Scrollen richtig auffiel.

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  7. engywuck schreibt:

    ich dachte, der Vater von Carstens Enkel sei unbekannt, da nur der Vorname und sonst nichts (außer natürlich 50% des Erbguts) bekannt wären. Wie konnte er es da seiner Frau nicht verheimlichen? Oder hat er sich mal gemeldet und ich hab das überlesen?

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  8. Murgs schreibt:

    Immerhin ist dieser Termin für Dich überstanden. Aber wie hat Carsten das erlebt?
    Habt ihr gemeinsam Bilanz gezogen? Für die (gemeinsame!) Zukunft müsst ihr an einem Strang ziehen, sonst dividieren euch die Geier auseinander. Das probieren auch meine Töchter immer mal wieder, ist also nicht Stiefkinder-spezifisches.

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  9. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #22 //1789 | breakpoint

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