Vierhundertsieben

Wir waren gestern bei einem von Carsten’s Geschäftspartnern zum Essen in dessen Haus eingeladen.
Carsten hatte mir vorher versichert, dass er es ablehne, ähnliche Geschäftsessen zu veranstalten. Wenn, dann lade er Kunden nur in ein Restaurant ein. Das beruhigte mich sehr.
Ich hatte mich tatsächlich wieder breitschlagen lassen, mir das Kleid von Carsten finanzieren zu lassen (halb zählt das noch als Geburtstagsgeschenk). Dieses ist mit Leopardenmuster und natürlich hauteng, aber dafür nur mäßig dekolletiert und nicht allzu kurz (das Wetter ist ja auch noch so kühl). Carsten meinte, dass ich die Wildkatze mal wieder nicht verbergen könnte.

Außer den Gastgebern waren noch acht andere Gäste da. Jeweils Männer um die Fünfzig mit Ehefrau, nur Carsten mit seiner Geliebten.
Das Essen lief sehr förmlich ab. Es gab eine feste Sitzordnung und mehrere Gänge. Angeblich hatte die Frau des Gastgebers alles selbst gekocht. Aber dafür liefen eigentlich zu viele Caterer und Servicepersonal herum.
Das Essen war ja ganz in Ordnung, wenn auch nicht überragend. Dazu gab es Wein, der eigentlich nicht unbedingt meinen Geschmack trifft. Auf das Sushi- und Kaviarzeugs verzichtete ich von vornherein. Dafür vergriff ich mich bei der Sauce. Unter Grand-Marnier-Trüffel-Sauce hatte ich mir halt etwas anderes vorgestellt.

Als Carsten gerade einmal den Tisch verlassen hatte, bemerkte ich jetzt, dass mein Tischgegenüber, mit dem ich bisher noch kein Wort gewechselt hatte, unter dem Tisch versuchte, mit seinen besockten Füßen an meinen Waden herumzustreichen. Zu intensiv, um noch als unbeabsichtigt durchzugehen. (Möglicherweise hatte er mitgekriegt, dass Carsten und ich unter dem Tisch ein bisschen gefummelt hatten.)
Ich habe ja immer Verständnis dafür, wenn ein Mann versucht, sich mir anzunähern. Das zeugt von Initiative, Mut, gutem Geschmack und Experimentierfreude. Alles Eigenschaften, die ich bei Männern sehr schätze.
Aber in diesem Fall hatte ich einfach kein Interesse. Schließlich war ich mit Carsten da, und im Vergleich zu diesem fiel Herr Soundso schlicht zu sehr ab. Und auf einen Dreier würde sich Carsten ohnehin niemals einlassen.
Ich zog also meine Beine einfach zurück und lächelte kühl-unverbindlich (ganz verprellen wollte ich ihn auch nicht). Sagen musste ich nichts, da mittlerweile Carsten wieder zurückgekommen war.

Das Essen lief weiterhin zäh ab. Irgendwann zogen sich die Herren in einen separaten Raum zurück, während mir nicht anderes übrigblieb, als mit den Damen zusammen das Haus zu besichtigen und irgendwelche Sammlungen anzusehen. Aber so etwas interessiert mich null. Über was hätte ich mich schon mit diesen Matronen unterhalten können?
Ich war froh, als ich endlich wieder mit Carsten zusammentraf. Allzu lang zog sich das Diner dann nicht mehr hin, und wir fuhren dann endlich, endlich wieder zurück und verbrachten den Rest des Abends auf angenehmere Weise. 😉

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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6 Antworten zu Vierhundertsieben

  1. remi1 schreibt:

    Lol, als Geliebte mit auf nem Geschäftsessen.. sehr cool.. ich musste sehr schmunzeln, dass du mit den anderen Ladys nix anfangen konntest.. bist halt doch auch anders.. ich kenn das 🙂

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    • breakpoint schreibt:

      Offiziell natürlich als seine zukünftige Ehefrau.
      Aber ich beabsichtige, auch nach der Hochzeit noch seine Geliebte zu bleiben. 😉

      Die anderen Ehefrauen dort definieren sich ausschließlich über ihren – selbstverständlich perfekten – Haushalt, ihre meist schon erwachsenen Kinder und deren Erfolge, sowie irgendwelche langweiligen Hobbys.
      Fast kam ich mir vor wie in Stepford.

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  2. remi1 schreibt:

    Ich werde mich nie, nie, nie, nie über meinen Haushalt definieren…Ich bin da voll bei dir 🙂

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  3. baerlinerin schreibt:

    …hihihi. Ehefrau oder Gattin hören sich auch grausam an, finde ich. Geliebte sollte man physisch und wörtlich Zeit seines Lebens bleiben. Stimme dir voll und ganz zu! 🙂 Aber dem Unter-Tisch-Anbandler wäre ich sicher nicht so gelassen begegnet. Ist doch widerlich. So was macht kein Typ, den ich kennenlernen wollte. Also würde ich`s auch nicht über mich ergehen lassen. Ein Glas Wein in seinen Schritt oder Ähnliches hätten mir da schon gefallen…

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    • breakpoint schreibt:

      Vielleicht nenne ich mich dann auch Gemahlin. :))

      Nein, nein, ich bleibe seine Geliebte. Daran ändert auch eine Eheschließung nichts.

      Warum hätte ich denn eine Szene machen sollen? Der Typ war ansonsten ganz harmlos. Und wenn du seine Begleitung gesehen hättest ..

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  4. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #1F //1769 | breakpoint

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