Dreihundertdreiundvierzig

Es ist nicht so, dass ich völlig ahnungslos in die Falle gelaufen bin. Ich hatte zwar schon so etwas befürchtet, aber vorgezogen, das Risiko einfach zu ignorieren.
Als mich Kathrin angerufen hatte, um mich zu fragen, ob ich einen Einkaufsbummel mit ihr machen möchte, hatte ich zunächst abgelehnt.
Eigentlich gehe ich nicht gerne Shoppen. Es reicht, dass ich regelmäßig Lebensmittel und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen muss. Andererseits hatte ich mir schon lange nichts neues mehr zum Anziehen gekauft, so dass neue Kleidung schon mal wieder fällig wäre (kann ich mir dann gleich in die Datenbank eintragen).
Kleidung zu kaufen ist häufig frustrierend, weil gerade die Sachen, die mir vielleicht sogar gefallen würden, mir nicht passen oder nur zu unverschämt hohen Preisen angeboten wären.
Es entspricht meiner nerdigen Komponente, dass ich im realen Leben nicht viele soziale Kontakte habe (und Katzen sind ja sowieso Einzelgänger). Hier in dieser Gegend ist mir eigentlich nur noch Kathrin geblieben.
So dachte ich, es wäre vielleicht ganz lustig, einmal nicht alleine einzukaufen, sondern stimmte doch noch zu, mit Kathrin zusammen shopping zu gehen.

Es war anfangs auch ganz nett. Ich fand sogar einen beigen Zweiteiler (naja, eher langweilig, aber wenigstens fällt damit nicht so auf, dass ich in den letzten Wochen einiges abgenommen habe), bestehend aus Rock und dazupassendem Oberteil, den ich mir kaufte.
Als wir weiter durch das Einkaufszentrum liefen – welcher Zufall – trafen wir plötzlich auf Kathrin’s Johnny, der mit einem Kollegen unterwegs war. Kathrin und Johnny begrüßten sich, als hätten sie niemals damit gerechnet, sich hier begegnen zu können. Dann wurden der Kollege und ich einander vorgestellt.
Kathrin hat einen absolut anderen Geschmack, was Männer betrifft, als ich (deshalb sind wir uns auch nie in die Quere gekommen), und Olli, der Kollege, ist nun gar nicht der Typ Mann, der mich reizen würde.
Die Unterhaltung (an der ich mich nicht beteiligte) ergab, dass wir eigentlich alle zusammen essen gehen könnten. Ich widersprach nicht, da ich ohnehin Hunger, und nichts anderes vorhatte.
Kaum hatten wir uns in einem einfachen Restaurant in der Innenstadt an einen Tisch gesetzt, fiel es Kathrin und Johnny ganz plötzlich ein, dass sie heute ja noch Besuch erwarteten, und sie verließen eilig das Restaurant, ohne etwas bestellt zu haben.
Fast war ich etwas erleichtert, dass Kathrin gegangen war. Denn sie hatte die ganze Zeit nur über zwei Themen gesprochen: entweder schwärmte sie über ihren Johnny, oder sie schimpfte über ihren Chef. Ich mag mir beides nicht anhören.

Ihr Plan war aufgegangen. Ich saß allein mit Olli da.
Also bestellten wir etwas zu essen.
Mag ja sein, dass er einigermaßen nett war. Wir fanden zumindest kein Gesprächsthema, das uns beide interessierte. Was er über sein Auto und irgendwelche Fußballvereine erzählte, ist mir schnurzegal. Von Computern und Naturwissenschaften hatte er keine Ahnung, zeigte mir nur immer wieder sein Smartphone und irgendwelche Apps. Bis ich ihm irgendwann erzählte, dass ich früher mal mit dem Windows Phone Emulator herumgespielt hätte, und dass dann immer meine VMs abgestürzt seien.
Ich war froh, als wir mit dem Essen fertig waren und – dutch – bezahlt hatten.
Gerne hätte ich mich jetzt verabschiedet, aber er fragte mich noch, ob er mir seine DVD-Sammlung zeigen dürfe.
Ganz kurz erwog ich, ob es nicht trotz allem für einen ONS reichen würde, entschied mich aber dagegen (zumal ich ihn vielleicht nur noch schwer losgeworden wäre und Kathrin möglicherweise davon erfahren hätte) und verabschiedete mich endgültig.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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12 Antworten zu Dreihundertdreiundvierzig

  1. House-of-mystery schreibt:

    Ok, von Computer habe ich jetzt auch nicht so die Ahnung 🙂 , aber ich weiß ungefähr wie sie funktionieren 🙂 Ne, DVD-Sammlung, na ja………eher ne Comicsammlung……ist sicher aber nur was für Nerds… 🙂

    Grüßly

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  2. Magnolia14 schreibt:

    Stimmt, hätt auch ne Espresso-Einladung sein können 🙂

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  3. ednong schreibt:

    „und – dutch – bezahlt hatten.“

    Wobei es ja eher „typisch deutsch bezahlt hatten.“ heißen müsste.

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  4. gelschter User schreibt:

    Da bist du ja noch mal gut aus der Sache raus gekommen. 😉

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  5. breakpoint schreibt:

    VierhundertvierGewisse Vorteile hat es, an einem festen Feiertag Geburtstag zu haben.
    Als Kind hat man schulfrei, auch im Arbeitsleben hat man frei. Nachteilig dagegen ist, dass sämtliche Geschäfte geschlossen haben.
    Der größte Vorteil heute ist es, dass Carsten hi…

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