Dreihundertfünf

Das Telefon klingelte und ich hob ab. Es war Sonja.

„Hallo. Oh, gut, dass ich dich erreiche. Ich habe schon Gott-weiß-wie-oft versucht, Carsten anzurufen, aber als er endlich ans Telefon ging, sagte er nur, ich solle meine Nase in meine eigenen Angelegenheiten stecken und legte gleich wieder auf.“

Ich wollte ihr ja sagen, dass ich mich von ihm getrennt hatte, aber sie ließ mich nicht zu Wort kommen. Sie erzählte, dass Verena im Krankenhaus sei. Vermutlich nichts ernstes, aber Carsten weigerte sich, irgendwelche entsprechenden Anrufe anzunehmen. Da war sie auf die Idee gekommen, mich anzurufen.

Endlich kam ich dazu, ihr zu sagen, dass ich nicht mehr mit ihm zusammen bin.
„Oh,“ sie schien wirklich erschüttert zu sein, „das tut mir aber leid. Ihr wart so ein schönes Paar. Ich erinnere mich noch an meine Geburtstagsparty und Fiona’s Hochzeit. Ihr konntet die Augen nicht voneinander lassen. Und kaum die Finger. Ich weiß noch, als du auf der Hochzeit getanzt hat. Carsten hat dich mit Argusaugen beobachtet. Ich hatte fast Angst, dass er meinem Mann oder besonders meinem Jungen an die Gurgel geht, als sie mit dir tanzten.“
„Das ist vorbei“, erwiderte ich kurz, als sie mich einmal zu Wort kommen ließ.
„Schade. Ich weiß ja selbst, dass Carsten ein harter Brocken ist, aber ich hatte wirklich den Eindruck, dass du dem gewachsen bist und mit ihm klar kommst.“
„Ja, schon“, gab ich zu, „aber es war mir auf Dauer einfach zu anstrengend. Er wollte mich ständig kontrollieren und herumkommandieren.“
„So ist er halt“, bestätigte Sonja, und fuhr fort: „Hast du .. hast du noch Gefühle für ihn?“
Gefühle? Ich? Eine Wahl-Vulkanierin? „Meine Gefühle sind irrelevant.“
„Dann lässt sich das wohl nicht mehr ändern. Aber – wie gesagt – ich finde es schade. Jetzt kommt man an Carsten wieder gar nicht mehr heran.“

Mir dauerte das Gespräch inzwischen schon viel zu lange und so versuchte ich, es zu beenden: „Hm, ich wünsche dir und deiner Familie in jedem Falle frohe Feiertage.“
„Danke, das wünsche ich dir auch.“
„Also dann, auf Wiederhören. Tschüss.“

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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Eine Antwort zu Dreihundertfünf

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