Zweihundertdreiundsechzig

Ich habe – das ist schon ein paar Wochen her – eine Mail bekommen, ob ich mich als „MINT Role Model“ bewerben will.
Nein, will ich nicht.

IMHO ist es keine gute Idee, Mädchen unbedingt in MINT-Berufe zu drängen. Die wenigsten haben das Zeug dazu (BTW, auch die wenigsten Jungen).
Die Wenigen, die das schaffen können, werden das wohl auch ohne zusätzliche Ermunterung tun.

Und man sollte schon wissen, worauf man sich einlässt. Die meisten MINT-Berufe (von Biologie mal abgesehen, das ist aber auch keine exakte Wissenschaft) sind reine Männerdomänen. Da braucht man als Frau schon einiges an Durchsetzungsvermögen, um da mitzuhalten.

Und natürlich sollte man Männer – trotz all ihrer unbestreitbaren Macken – mögen. Insbesondere ist es sehr hilfreich, wenn man auch ihren – öfters zotigen – Humor teilen kann, ohne sich gleich persönlich angegriffen oder belästigt zu fühlen.
Wer eine Androphobie hat, oder wem es mulmig wird bei dem Gedanken, mit zig Männern alleine in einem Raum zu sein, und ggf. auch noch selbst zu referieren, sollte es bleiben lassen. Oder wem die Vorstellung nicht behagt, mit einem Mann alleine in einem finsteren Raum unter Rotlicht zu sein (Dunkelkammer zur Entwicklung von Röntgenfilmen).

Ein Teil der Frauen in Männerberufen hält es für notwendig, sich auch optisch den Männern anzugleichen, sprich Hosenanzug und kurze Haare. Aber ich meine, es reicht wirklich, in einem Männerberuf zu arbeiten. Ich für meinen Teil möchte nicht so aussehen und mich auch nicht so verhalten.

Wenn ich mich an mein Studium erinnere, war die Abbruchquote unter den Frauen deutlich größer, als unter den Männern. Aber die paar, die die ersten zwei Semester durchgehalten haben, haben’s dann auch bis zum Schluss geschafft.
Bei guten Prüfungsnoten muss man mit gewissen Unterstellungen seitens der männlichen Kommilitonen (insbesondere von denen mit schlechteren Noten) rechnen, denn die Professoren sind ja alle Männer.

Obwohl ich mich zu Studienzeiten noch unauffällig gekleidet habe und auch meinen typischen Charme noch nicht entwickelt hatte, ist es vorgekommen, dass ich angestarrt wurde, als hätten die Leute noch nie eine Frau gesehen, naja zumindest nicht in diesen geheiligten Hallen. Mit solch einem Exotenstatus muss man leben können. (Naja, nach und nach konnte ich dem auch positive Aspekte abgewinnen.)

Es ist nicht üblich, sich zu schminken, was wieder einmal ein Indiz dafür ist, dass Frauen sich nicht für Männer (meiner Erfahrung nach mögen die meisten Männer – zumindest die Männer, mit denen ich zusammen war – geschminkte Frauen auch gar nicht so), sondern gegen andere Frauen schminken. Selbst A.M. schminkt sich erst, seit sie diesen hohen Posten hat. Ich schminke mich nur zu besonderen Anlässen, und auch dann nur ganz dezent.

Hin und wieder passiert es, dass man mit „Herr“ oder „Sir“ adressiert wird. Wen das zu sehr stört, wird in einem MINT-Beruf nicht glücklich.
Und der Unterschied zwischen Genus und Sexus sollte einem sowieso selbstverständlich sein.

Ach ja, und manche Leute sind wirklich geschockt, wenn man als Frau bekennt, einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf auszuüben.

Solche Jobs sind nichts für Emanzen und Feminstinnen, die sich ständig benachteiligt oder diskriminert fühlen (wollen), sondern für pragmatische Realisten, die sich – ohne lang herumzudiskutieren – mit den Gegebenheiten arrangieren.

Vive la différence!

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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24 Antworten zu Zweihundertdreiundsechzig

  1. ednong schreibt:

    „Naja, nach und nach konnte ich dem auch positive Aspekte abgewinnen.“ – das kam aber reichlich spät 😉 Die anderen Begründungen könnte man auch umgekehrt sehen – ganz besonders als Mann in einem „Frauenberuf“ (so es das denn gibt).

    Wieder was zum Schmunzeln gehabt. Schönes WE.

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  2. breakpoint schreibt:

    @Maskierter

    Danke für die Bestätigung.
    Wenn sogar der Maskierte das so unterschreibt, muss ja was dran sein. 😀

    @ednong

    Frauen arbeiten ja vor allem in den sog. „sozialen Berufen“ (wäre für mich ein absoluter Horror).
    D.h. die ganzen „Frauenberufe“ haben gemeinsam (mir fällt zumindest gerade kein Gegenbeispiel ein), dass man dort viel mit Menschen (Männer, Frauen, Kinder) zu tun hat, und nicht nur mit Kolleginnen.
    Insofern sind meine Ausführungen nur begrenzt übertragbar, aber in gewissem Umfang sicherlich schon.

    Und wieso „spät“?

    Allen ein schönes Wochenende!

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  3. DieTraumfaengerin schreibt:

    Da ich auch eine Frau in einem naturwissenschaftlichen Beruf sehr gut kenne und somit auch ein bisschen was von ihrem weiblichen Umfeld mitbekomme, kann ich nur sagen: Arrrrh, wenn es doch nur mehr von deiner Sorte gäbe!!! (Also insgesamt an Frauen schon, aber im technischen/nw Bereich bist du da echt die Nadel im Heuhaufen.) – selten einen Text gelesen, bei dem ich soviel genickt habe.

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    • breakpoint schreibt:

      Danke für die Zustimmung!

      Bei Männern habe ich ja damit gerechnet, dass sie mehr oder weniger meine Ansichten teilen.
      Bei Frauen eher nicht. 😀

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      • DieTraumfaengerin schreibt:

        Ich finde vor allem interessant, dass du schreibst, man schminkt sich „gegen Frauen“ und nicht für Männer. Ich gehe seit Jahren nicht mehr ungeschminkt vor die Tür, und komm gerade echt nicht drauf, weswegen eigentlich. Orrh.

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        • breakpoint schreibt:

          Bei meinen persönlichen Erfahrungen mag sich das ja noch um ein Henne-Ei-Phänomen handeln.

          Aber schau mal in einen Unihörsaal.
          Studienfach mit hohem Frauenanteil: fast alle geschminkt
          Mit niedrigem Frauenanteil: praktisch niemand geschminkt

          Wenn Frauen sich für Männer schminken würden, wäre das doch eher umgekehrt, oder?

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          • DieTraumfaengerin schreibt:

            Ich hab das irgendwie oft auf die Frauentypen rückgeführt. Viele Frauen, die sehr modebewusst sind, sind meistens extreme Nieten in Mathe. Die wenigen Frauen, die naturwissenschaftlich gut sind, scheinen oft gar kein Interesse an Männern zu haben. Deswegen dachte ich, schminken sich erstere, und letztere nicht (und deswegen studieren erstere auch ein typisches Frauenfach, und letztere nicht…) – aber dein Ansatz scheint mir eigentlich ein wenig plausibler, grins…

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  4. idriel schreibt:

    Stimmt….alles.
    In meinem Arbeitsbereich habe ich auch größtenteils mit Männern zu tun, und ich finde es angenehm. Wenn ich mir vorstelle mich ständig mit „Stutenbeisserei“ herumschlagen zu müssen wie ich das von anderen höre…..nein Danke!.
    Aber wie schon erwähnt soll das jeder selber wählen.
    Und das mit dem Make-Up stimmt auch, vielleicht bis auf eine kleine Ergänzung: mMn legen viele Männer keinen Wert auf „übertriebenes“ MakeUp – wenn es also nur ein wenig ist so dass Mann es nicht sieht (Frau vermutlich schon)finden Sie es schon gut. Ihnen ist dann nur nicht bewusst, dass das „gute Aussehen“ unterstützt wird durch Wimperntusche o.ä.

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    • breakpoint schreibt:

      Sicher schadet ein bisschen Make-Up nicht, sondern kann die natürliche Schönheit noch verstärken. 😀
      Da der (Zeit-)Aufwand allerdings im Verhältnis zum Ergebnis recht groß ist, verzichte ich normalerweise darauf.

      Und wer legt schon Wert auf auf Zickenkriege?

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  5. idgie13 schreibt:

    Was für ein schöner, wahrer Eintrag. Habe auch heftig genickt.

    Ich habe Maschinenbau & Elektrotechnik studiert und entwickle seit langen Jahren Software – bevorzugt im technischen Bereich.

    Mit dem MakeUp halte ich es auch so wie Du.

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    • breakpoint schreibt:

      Danke für dein Feedback.
      Ich habe nur meine persönlichen Erfahrungen zusammengefasst.

      Überall sollen ja jetzt Mädchen und junge Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistert werden.
      IMHO reicht Begeisterung da nicht aus. Und die Mädchen sollten auch wissen, was auf sie zukommt.

      Obwohl, .. ich bin damals auch ins kalte Wasser gesprungen.

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      • idgie13 schreibt:

        Meine persönlichen Erfahrungen sind sehr ähnlich.

        Diese ganze Gleichmacherei und Quotenregelungen find ich ohnehin schrecklich. Soll doch jede(r) das studieren, das ihm Spass macht und liegt. Dann gibt es in einem Beruf halt mehr Männer und im anderen mehr Frauen. So what?

        Ich trage in mir eine sehr weibliche und eine sehr männliche Seite und lebe die in 2 Berufen (einem typischen Frauenberuf und einem typischen Männerberuf) aus. Beides hat seine Vor- aber auch seine Nachteile.

        Bereut habe ich meine Berufswahl nie – ich bin nach wie vor begeisterte Ingenieurin und fühle mich im männlichen Umfeld sehr wohl.

        Trotzdem bin ich überzeugt, dass sehr viele Mädchen und Frauen mit der „technischen Welt“ nicht zurechtkommen. Begeisterung allein hilft da nicht. Man muss schon ein bestimmter Typ Mensch sein…

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        • breakpoint schreibt:

          Völlige Zustimmung. Dem habe ich kaum noch etwas hinzuzufügen.

          Über die Frauenquote hatte ich mich letztes Jahr schon mal ausgelassen, mit der einleuchtenden Quintessenz, dass man Qualifikation nicht quotieren kann.

          Gleichmacherei habe ich seit jeher verabscheut. Nö, Prokrustes kriegt mich nicht ins Bett.

          Lieber wiederhole ich noch mal mein Credo:
          Vive la différence!

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        • Es ist Unsinn, daß viele Frauen nicht mit der technischen Welt zurechtkommen (jedenfalls nicht viel mehr als technisch unfähige Männer).
          In Dunkeldeutschland gab es sehr viele Inschenjöhsen. Und es waren eine Menge sehr fähige darunter. Die Anlagenfahrer im Leitstand der Chymiebutzen (BMSR-Techniker/Prozeßleittechniker) waren sogar überwiegend weiblich.
          In der Berufsbildung sind dort übrigens heute noch rund 50% der Lehrer mit technischen Kernfächern weiblich.

          Die rapide Abnahme des weiblichen Nachwuchses bei technischen Berufen in Neufünfland hat wohl andere Gründe, innerhalb 20 Jahren können die Frauen dort nicht schlagartig technisch verblödet sein;)

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          • idgie13 schreibt:

            Bei Planwirtschaft waren es 50%, bei freier Berufswahl viel weniger … komisch, gell?

            Ich meinte nicht, dass die Frauen das nicht KÖNNTEN, sondern viel mehr, dass sie sich einfach in der Welt nicht wohl fühlen.

            Ausnahmen bestätigen die Regel: bin selber Ingenieurin und fühle mich in der Welt sehr wohl.

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            • Auch in Ostzonalien hat man Leute nicht in Berufe gezwungen, für die diese nicht geeignet oder einfach nur eine Abneigung hatten.
              Dort wurde allerdings bei einer Frau auch nicht die Arbeit in einem technischen Beruf (inklusive Finger schmutzigmachen) als letzter Schritt vorm Abrutschen in die Prostitution gesehen;)

              Einen Unterschied gab es:
              die Anzahl der Studienplätze pro Fach waren nach dem prognostizierten Bedarf an ausgebildeten Kräften ausgerichtet, nicht nach dem „wollen soundsoviele studieren“. Studienplätze für brotlose Künste („irgendwas Soziales“ oder „Kunstgeschichte“) gabs einfach nur eine Handvoll.
              Ich habe irgendwie den Eindruck, daß sehr viele Frauen Irgendwas studieren, später aber nicht arbeiten, sondern einfach nur hyraten wollen (Studium als Ersatz für die frühere Höhere Töchterschule). Und zu einer anständigen bürgerlichen Braut gehört eben auch ein entsprechender Bildungsabschluß, man muß eben einen höheren Abschluß haben als die Vorzimmertusse des Ehemannes;)

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            • idgie13 schreibt:

              Dass sehr viele Frauen studieren und ihrem Beruf nie nachgehen, verstehe ich auch nicht.

              Da habe ich nach meinem Klassentreffen (20 Jahre Abi) letztes Jahr echt geschluckt. Von 40 hochausgebildeten Frauen arbeiten maximal 8 (Teil- und Vollzeit).

              Für mich absolut unverständlich. Ich würde nie von jemandem abhängig sein wollen und liebe meinen Beruf. Aber jede(r) soll nach seiner Fason glücklich werden ….

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  6. breakpoint schreibt:

    SechshundertvierzigEs hat mir natürlich in den Fingern gejuckt, über Teamarbeit zwischen Männern und Frauen zu schreiben. Dies ist das Thema einer Blogparade bei edelburg.de.

    Zwar habe ich kaum Erfahrung mit gemischtgeschlechtlichen Teams (schon die häufig geforderte …

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  7. breakpoint schreibt:

    SiebenhundertdreiZwar habe ich mich schon mehrfach vom Feminismus distanziert, doch habe ich diesem Thema noch keinen ganzen Eintrag gewidmet. Das hole ich hiermit nach (solange es noch legal ist).
    Dieser Eintrag ist eher zu einer Sammlung diverser Gedanken zum Thema …

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