Zweihundertfünfzig

Ich bin gestern am Feiertag nicht dazugekommen, die neuesten Ereignisse zu bloggen, weil ich anderweitig 😉 – wenn auch unproduktiv – beschäftigt war. Also kommt jetzt hier der Nachtrag:

Nachdem ich Carsten am Dienstag die Antwortmail geschickt hatte, dauerte es keine Stunde, bis er bei mir war. Trotz der Flasche Sekt in seiner Hand umarmte er mich zunächst und meinte: „Das wurde auch Zeit. Findest du nicht?“
Ich dämpfte seinen Überschwang: „Ich habe nicht gesagt, wann.“
Er ging sofort in skeptischen Abstand: „Also, wann?“

„Jetzt ist erst Herbst, dann Winter. Das sind deprimierende Jahreszeiten. Wenn, dann lieber im Frühjahr oder Sommer. Frühestens April oder Mai.“
„Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir das hinter uns bringen, noch bevor Verena .. . Aber OK, das kann ich gerade noch akzeptieren.“

Ich war aber noch nicht fertig: „Zum zweiten, erst dann, wenn du deine Arbeitszeit wesentlich reduziert hast. Mir schweben so um die vierzig Stunden in der Woche vor, also etwa die Hälfte von dem, was du normalerweise machst.“
Eine steile Falte erschien auf seiner Stirn. „Und wie soll ich das deiner Meinung nach anstellen?“
„Das ist dein Problem. Delegiere mehr Aufgaben an deine Mitarbeiter, stelle einen Geschäftsführer ein, oder mach was anderes, ganz wie du willst.“
„Ich kann das nicht von heute auf morgen ändern.“
„Lass dir ruhig Zeit. Ich hab es ja gar nicht eilig. Aber die Reduktion gehört zu meinen Bedingungen. Und ich will zumindest davon überzeugt sein, dass es dir ernst ist, die Arbeitszeit zu reduzieren, und dass das auch dauerhaft und nicht nur vorübergehend ist.“

Er ging nicht mehr auf die Arbeitszeit ein, sondern fragte stattdessen: „Gibt es etwa noch mehr ‚Bedingungen‘?“
„Wir werden wieder Kondome benutzen, wann immer ich es sage.“
„Samtpfötchen!“, er erschien entsetzt zu sein, „wir sind doch die letzten Wochen so gut ohne aus gekommen!“ (Ja, aber nur weil ich vor der relevanten Phase ausgerissen bin und die Zeit bei meinen Eltern in Askese verbracht habe.)
„Das ist eine notwendige Bedingung“, bekräftigte ich, „selbstverständlich würde ich alternativ aber auch gerne eine Vasektomie akzeptieren.“
Er atmete tief durch. „Sonst noch etwas?“

„Einmal im Monat Gangbang oder Bukkake-Party.“
Er runzelte die Stirn. Bevor er noch etwas antworten konnte, erklärte ich schnell: „War nur ein Scherz! Und nicht ernst gemeint.“
(Von Swinger-Clubs fange ich gar nicht erst an.)
„Das möchte ich dir aber auch geraten haben! Noch etwas ernstgemeintes?“
„Nein, das waren schon die ganzen Bedingungen.“ (Zumindest vorläufig.)

„Wenn ich deine – knallharten – Bedingungen akzeptiere, sind wir dann verlobt?“
„Das ist ein altmodischer und verstaubter Ausdruck. Aber wenn du es so nennen willst, ja.“
„Wie ich dich kenne, legst du keinen Wert auf Verlobungsringe.“
„Da hast du recht. Bleib‘ mir nur mit solchen Dingern vom Leibe. Außerdem trage ich schon die Uhr, die du mir geschenkt hast. Ich finde, das reicht.“
„Und was ist mit einer offiziellen Verlobungsfeier?“
Ich schüttelte den Kopf: „Nein. Aber wir können gerne inoffiziell und nur zu zweit feiern.“

Er lachte: „Das dachte ich mir. Deshalb habe ich auch schon den Sekt mitgebracht. Diesmal keinen Champagner, damit du siehst, wie sehr ich deine Meinung respektiere.“
„Ich habe das wohlwollend zur Kenntnis genommen“, lächelte ich, „allerdings habe ich mir das Feiern etwas anders vorgestellt.“
„Auf was wartest du dann noch? Zieh dich aus, wenn dir was an deinen Kleidern liegt!“
Aufreizend langsam begann ich, die Knöpfe meiner Bluse zu öffnen. Dabei hielt ich ständig Augenkontakt mit ihm.
Als ich beim vierten Knopf angekommen war, zog er mich plötzlich eng an sich. Er öffnete meinen Rock, der hinten einen Knopf und einen Reißverschluss hatte, schob seine Hände unter den nun offenen Bund, und streifte ihn nach unten.

Oops, es ist ja schon halb acht durch! Und ich muss ja dann auch noch arbeiten.
Also ab jetzt im Turbomode:
Danach gingen wir in die Stadt essen. Anschließend feierten 😉 wir nochmals ausgiebig.

Und gestern, am Jahrestag der Wiedervereinigung, machten wir genau dieses wieder und wieder.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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8 Antworten zu Zweihundertfünfzig

  1. ednong schreibt:

    Bei den ersten beiden Bedingungen kann ich dir absolut zustimmen. Wäre auch meine Anforderung an den Partner/die Partnerin. Bei der letzten – nun ja, Verhütung ist ja immer ein gemeinsames Ding.

    Ich finde es faszinierend, dass ihm scheinbar nicht die Idee solcher Forderungen deinerseits trotz des langen Kennens in den Sinn gekommen ist. Aber gut, es ist ja auch deine „objektive“ Sicht auf die Dinge, die es so natürlich wesentlich eleganter erscheinen läßt 😉

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  2. engywuck schreibt:

    Sicher, dass er nicht ab sofort die katholischen Kondome (die mit den Löchern vorne) verwendet? 🙂

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  3. breakpoint schreibt:

    @ednong

    Willst du mir jetzt Konkurrenz in sibyllinischer Ausdrucksweise machen? 🙂
    Wenn ja, dann ist dir das schon ganz gut gelungen. 😀

    Und, hm, in manchen Dingen scheinen die meisten Männer etwas naiv zu sein (die hier mitlesenden selbstverständlich ausgenommen).

    @engywuck

    Eigentlich schon. Er ist ja ein direkter, geradliniger Mensch.
    Allerdings hast du natürlich recht: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
    Ich werde sicherlich einen Weg finden, die Qualität zu sichern.

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  4. breakpoint schreibt:

    DreihundertdreiundsiebzigUnsere Vereinbarungen sehen u.a. eine Reduzierung von Carsten’s Arbeitszeit vor.
    Und zwar (mittl. Wochenarbeitszeit/h) März: 60, April: 55, Mai: 50, Juni: 45, ab Juli: 40.
    Bei Wochen mit Feiertagen oder sonstigen Besonderheiten werden wir jeweils ein…

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  5. Pingback: Dreihundertdreiundsiebzig | breakpoint

  6. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #13 //1682 | breakpoint

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