Zweihundertdreißig

Vor ein paar Jahren hatte Carsten einen Schwung T-Shirts mit dem Firmenlogo herstellen lassen und an die Belegschaft verteilt. Ein paar Exemplare sind noch übrig.

An diesem Wochenende war es kühler geworden, als ich erwartet hatte. Mir war es etwas kalt. Meine wärmeren Kleider hatte ich aber alle in meiner Wohnung gelassen.
Ich gebe es ja zu, dass ich ziemlich verfroren bin. Manchmal hätte eine Fettschicht zur thermischen Isolation schon ihre Vorteile.

Carsten holte mir eines der T-Shirts: „Hier, zieh‘ das über.“
„Das passt mir doch gar nicht.“
„Na und? Du siehst bestimmt trotzdem toll darin aus.“
„Du sagst immer, dass ich toll aussehe, ganz egal, was ich anhabe. Ich vermute allmählich, es fehlt dir an Objektivität.“
„Für mich siehst du toll aus. Und falls irgendwer abweichender Meinung sein sollte, kann dir das egal sein.“

Ich verzichtete darauf, ihn in eine Situation zu bringen, aus der es keinen vernünftigen Ausweg gibt, weil alles, was er sagt, gegen ihn verwendet werden kann, weil sich Widersprüche konstruieren lassen.
Stattdessen meinte ich: „Ich laufe bestimmt nicht als Reklametafel für deine Firma herum.“
„Ich habe nicht gesagt, dass du damit in der Öffentlichkeit herumlaufen sollst. Aber hier sind wir unter uns. Oder willst du lieber frieren?“

„Also gut“. Ich zog das T-Shirt über.
„Na, das steht dir doch wunderbar!“
„Dir steht wohl auch was“, lachte ich anzüglich.
„Und dir bleibt wohl nichts verborgen“, grinste er schief, „wie hast du das wieder herausgefunden?“
„War nur eine empirisch begründete Hypothese, die du gerade verifiziert hast. Hätte mich wirklich gewundert, wenn ich mich getäuscht hätte.“
„Hm, vielleicht hätte ich das Wärmen von vornherein persönlich übernehmen sollen.“
„Das kannst du ja immer noch. Dabei ist mir mittlerweile richtig heiß.“
„Dann zieh das T-Shirt doch wieder aus.“
„Übernimm du das doch.“

Gesagt, getan, .. und wir genossen die Wonnen der körperlichen Liebe (sorry, das hört sich ein bisschen zu kitschig an, trifft aber das Wesentliche).

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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2 Antworten zu Zweihundertdreißig

  1. Lahti schreibt:

    Das Leben ist doch schön. 🙂 Noch ein schönes Wochenende und nicht zu viel Arbeiten.

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #12 //1675 | breakpoint

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