Hundertvierundneunzig

Auch gestern wollte ich wieder den IT-Jour-fixe besuchen.
Ich ging eine halbe Stunde früher als gewöhnlich los, weil ich noch mit Kathrin einen Kaffee trinken wollte.
Es war ihr erster Arbeitstag. Am Vormittag hatte sie die Sekretärin kennengelernt, die sie einarbeiten wird.
Carsten hatte gerade noch eine Besprechung mit dem kaufmännischen Leiter.

Kathrin zögerte, uns Kaffee zu holen. Die Sekretärin hätte gesagt, der Kaffee sei nur für Führungskräfte und deren Besucher. Ich musste ihr erst einmal erklären, dass ich hier so viel Kaffee trinken darf, wie ich mag, und dass für sie auch eine Tasse abfalle.
„Ich möchte keinen Ärger kriegen“, zierte sie sich.
„Warum solltest du? Wer könnte etwas dagegen haben?“
„Vielleicht einer der Manager ..“
„Hier hat nur einer etwas zu sagen, und – glaub mir – den stört es nicht, wenn wir hier Kaffee trinken, solange du deine anderen Aufgaben nicht vernachlässigst.“
„Ich weiß nicht … Vielleicht sollte ich jemanden fragen.“
„Und wen? Die Sekretärin ist nicht da. Und wenn du deinen Chef jetzt deswegen störst, dann kriegst du erst ein Problem. Und was dein Chef übrigens absolut nicht leiden kann, ist, sich selbst um solche unwichtigen Kleinigkeiten kümmern zu müssen.“
Das sah sie zwar ein, blieb aber unentschlossen.
„Dann nehm ich mir eben selbst einen Kaffee und du kannst dir einen in der Cafeteria holen, wenn du willst“, meinte ich schließlich genervt.

Ich unterhielt mich dann noch mit Kathrin. Es gab ein paar Unterbrechungen, weil sie ans Telefon musste. Sie schien mir noch ziemlich unsicher, aber sie wird sich schon an diesen Job gewöhnen.
Sie suchte nach einem guten Zahnarzt in der Stadt und ich gab ihr die Adresse von meinem (wahrscheinlich gibt es bessere, aber das kann ich nicht beurteilen). Dann fragte sie mich, wo man hier ein Brazilian Waxing durchführen lassen kann. Da musste ich passen. Ich würde mich nie freiwillig von meinen sexy Locken trennen. Und Carsten wäre garantiert auch entsetzt. Aber ihrem Johnny-Depp-Verschnitt gefällt das vielleicht sogar.

Ein paar Minuten später kamen Carsten und der Kaufmann aus dem Büro.
Nachdem Carsten mich – nur mit Händedruck – begrüßt hatte, meinte er, ich bräuchte mich heute nicht in die Besprechung zu setzen, da er selbst teilnehmen würde, und beide müssten wir nicht gleichzeitig dabei sein.
„Jetzt bin ich aber schon mal da. Und ich will ja auf dem Laufenden bleiben.“ Ich war leicht ärgerlich, denn das hätte er mir wirklich schon heute morgen sagen können. Vielleicht hätte ich mir dann wirklich den Weg gespart.
„Na gut. Aber setz dich nicht neben mich.“
„Wie du willst.“ Dann eben Footsie.
„Und auch nicht mir gegenüber.“
Mist. Warum durchschaut er mich immer?

Ich ließ mir von Kathrin noch einen Kaffee für die Besprechung mitgeben (nachdem Carsten ihr ausdrücklich und leicht gereizt erklärt hatte, dass das in Ordnung sei) und setzte mich dann möglichst weit entfernt von Carsten, der schon vor mir hineingegangen war, hin.
Der Jour fixe verlief unspektakulär wie zumeist. Carsten machte sich ein paar Notizen und stellte dem CIO zum Schluss noch ein paar Fragen, die dieser ihm beantwortete. Das hätte ich ihm am Abend aber auch sagen können. Diese Stunde hätte Carsten wirklich besser nutzen können.

Ich ging dann alleine nach Hause, da Carsten noch länger arbeiten wollte. Auf einen weiteren Kaffee verzichtete ich.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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Eine Antwort zu Hundertvierundneunzig

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