Hundertfünfundsiebzig

Wir saßen kuschelnd auf dem Sofa, als Carsten mich fragte: „Ich habe gehört, du warst heute bei der Marketing-Besprechung?“

„Hm, ja, war langweilig“, antwortete ich kurz.
„Du sollst gesagt haben, ich hätte dich geschickt?“
„Nein!“, (nicht in diesem Wortlaut), „ich habe nur gesagt, dass du einverstanden bist, denn bei der IT-Abteilung hattest du ja nichts dagegen.“
„Es gefällt mir nicht, dass du die Marketing-Abteilung jetzt auch noch infiltrieren willst. Reicht es dir nicht, dass du meine ITler alle auf dich konditioniert hast?“

Ich setzte mich auf: „Was soll das heißen? Ich wollte dich doch nur unterstützen! Du selbst wolltest, dass ich mich um die IT-Abteilung kümmere.“
„Die IT-Abteilung darfst du ja auch weiterhin beglücken. Damit kennst du dich aus. Aber vom Marketing lässt du in Zukunft deine hübschen Finger.“
„Du verbietest mir also, den Marketing Jour fixe zu besuchen?“, fragte ich ungläubig.
„Oh, ich werde mich hüten, dir irgendetwas zu verbieten! Das würde dich nur reizen, nach einem Schlupfloch zu suchen. Aber ich muss wohl meine Führungskräfte informieren, dass sie dich nicht an ihren Besprechungen teilnehmen lassen müssen. Von der IT mal abgesehen.“
„Das ist nicht nötig“, antwortete ich zähneknirschend, „wenn du meine Unterstützung nicht wünscht, dränge ich sie dir bestimmt nicht auf.“

„Ach Samtpfötchen, ich weiß dein Engagement bei der IT-Abteilung wirklich zu schätzen, aber ..“
„Gerade hörte sich das aber noch ganz anders an“, fiel ich ihm ins Wort, „da sagtest du etwas von Infiltration und Konditionierung.“
„Beschränke deinen Einsatz einfach auf die IT-Abteilung. Einverstanden?“
„Ich habe anderes zu tun, als mich ständig unentgeltlich um deine IT-Abteilung zu kümmern“, wechselte ich jetzt meine Taktik.
„Wie du willst, Liebste. Die ITler werden dich zwar vermissen, aber sie werden schon ohne dich auskommen.“

Neue Taktik: „Ich habe es doch nur gut gemeint und wollte dich etwas entlasten. Du arbeitest viel zu viel. Und ich dachte, wenn ich dir ein paar Aufgaben abnehmen könnte, hätten wir mehr Zeit, um zusammen zu sein.“ Den Blick, den ich ihm dabei zuwarf, sollte ich mir patentieren lassen.
„Ich weiß, Samtpfötchen. Aber es entlastet mich nicht, wenn du dich in die Marketing-Besprechung setzt.“

„Was genau stört dich eigentlich daran? Ich saß ja nur schweigend drin und habe zugehört. Meinst du ich erzähle die neuesten Marketing-Strategien der Konkurrenz?“
„Zum Glück muss ich dir das nicht begründen oder mich rechtfertigen.“
„Ja, ja. Dein Wort ist ja Gesetz.“
„Also gut. Deine Anwesenheit hat die Marketing-Mitarbeiter ziemlich beunruhigt. Ich musste da wieder einiges geradebiegen.“
„Ach die Ärmsten“, meinte ich ironisch, „wenn sie davon schon beunruhigt werden!“
„Sie haben wohl Angst, dass ihnen das gleiche Schicksal wie den ITlern bevorsteht.“
„Oh ja, die ITler müssen ein schweres Schicksal ertragen. Welches eigentlich?“
„Seien wir doch ehrlich, die IT-Abteilung wird von dir ferngesteuert. Der CIO ist praktisch deine Marionette.“

„Das ist doch absolut lächerlich und übertrieben!“, wandte ich ein.
„Mag sein, dass es etwas übertrieben ist, aber genauso wird es in den anderen Abteilungen wahrgenommen.“

„Wenn ich mich richtig erinnere, hast du mich damals angefleht, die IT-Abteilung zu leiten oder einen neuen CIO zu finden.“
„Ich war damals in einer Zwangslage“, verteidigte sich Carsten, „und wie schon gesagt, du kennst dich ja mit der IT aus und ich lasse dir halt das Spielzeug. Aber vom Marketing und den anderen Abteilungen hältst du dich fern!“

„Das war sowieso eine einmalige Sache. Die Themen haben mich eigentlich gar nicht interessiert. Und ich habe jetzt wieder mehr eigene Projekte, so dass ich vorläufig gar keine Zeit mehr hätte, dorthin zu zu gehen.“
„Na gut. Dann sind wir uns ja wieder einig,“ antwortete Carsten und fügte streng hinzu: „Es ist mein Ernst. Du gehörst nicht zur Firma. Und nur weil ich dir auf meine sehr spezielle, verschrobene Art extrem zugeneigt bin, heißt das nicht, dass du in meinem Unternehmen machen kannst, was du willst.“
„Ja, ja, ich habe es ja längst verstanden“, erwiderte ich jetzt leicht gereizt.
„Und bist du auch willens, dich daran zu halten?“
„Hab ich doch gesagt,“ bestätigte ich ziemlich patzig.

„Schau nicht so finster. Du hast keinen vernünftigen Grund, dich darüber zu ärgern.“
Gerne hätte ich ihm widersprochen, aber mir fiel tatsächlich kein Grund ein, der als vernünftig durchgegangen wäre. Und unvernünftige zählen nicht.

Ich entschloss mich also, die Angelegenheit erst einmal auf sich beruhen zu lassen und beteiligte mich lieber am Vorspiel, das Carsten bereits initialisiert hatte.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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2 Antworten zu Hundertfünfundsiebzig

  1. gelschter User schreibt:

    und gerade jetzt, wo es spannend wird ……

    menno

    schönes wochenende
    und vlg piet

    Gefällt mir

  2. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #0D //1638 | breakpoint

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