Hundertzweiundsechzig

Da wir das letzte Wochenende mit Carsten’s Kindern verbracht hatten – ganz ohne Arbeit – ist Carsten jetzt wieder im Rückstand und hat den ganzen Samstag und mehr als den halben Sonntag gearbeitet.

Das Highlight vom Sonntag war ein Stehblues in Erinnerung an Robin Gibb, den wir aber typischerweise nicht bis zu Ende durchhielten ;-).

Auch heute am Feiertag ist Carsten noch schwer beschäftigt.

Vorhin gelang es mir, ihn zu einer Pause zu bewegen. Wir tranken anschließend noch einen Kaffee zusammen, und ich erinnerte ihn daran, dass wir eigentlich den ausgefallenen Osterurlaub nachholen könnten, um ein paar unbeschwerte Tage abseits von Alltagsstress und Routine miteinander zu verbringen: „Von Fronleichnam und über das Wochenende. Dazwischen ist nur ein Arbeitstag. Da hast nur drei Termine, die nicht allzu wichtig sind, und die du leicht verschieben könntest.“

Carsten schien nicht begeistert: „Wenn ich mir so lange frei nehme, muss ich stattdessen vorher und nachher umso mehr arbeiten, um die Zeit wieder aufzuholen.“
„Es täte dir wirklich gut, einmal ein paar Tage auszuspannen, ohne nur dauernd an die Arbeit zu denken.“
„Das verstehst du nicht. Ich bin für alles verantwortlich. Ich kann nicht so tun, als ob es mir egal wäre.“
„Es geht doch nur um einen einzigen Arbeitstag! Der Rest ist Feiertag und Wochenende.“
„Du weißt doch, dass ich die Wochenenden nutze, um Dokumente durchzuarbeiten. Dazu finde ich unter der Woche keine Zeit, weil ich ständig Besprechungen oder andere Termine habe.“
„Du solltest wirklich mehr Aufgaben an deine Führungsmannschaft delegieren. Du machst dich noch krank, weil du glaubst, ohne dich ginge es nicht.“

„Ich habe nie abgestritten, dass ich ein Workaholic bin“, gab er zu. Dann fuhr er fort: „Vielleicht muss ich im Sommer ein paar Tage nach London. Das könnte ich vermutlich ein wenig ausweiten und dich mitnehmen. Würde dir das gefallen?“

„Darauf verlasse ich mich lieber nicht“, meinte ich skeptisch, und spielte dann meinen Trumpf aus: „Wenn wir über Fronleichnam wegfahren, lasse ich dich auch alles bezahlen!“
Carsten atmete tief durch und antwortete dann zögernd: „Wenn das wirklich dein Ernst ist, .., naja, ich glaube, ich könnte es schon einrichten ..“

„Gut. Dann buche ich das gleich nachher“, sagte ich entschlossen, bevor er es sich wieder anders überlegen konnte, „es sind ja nur noch anderthalb Wochen.“
„Moment, eine Bedingung habe ich noch“, stoppte mich Carsten, „du lässt dein Notebook zu Hause.“
Ich überlegte einen Moment. Einen Arbeitstag könnte ich schon mal verschmerzen. Allerdings ist Fronleichnam ja nicht überall Feiertag.
„Einverstanden“, sagte ich schließlich, „aber dasselbe gilt auch für dich.“
„In Ordnung. Also, mach die Hotelbuchung“, gab er mir sein Einverständnis.

„Andererseits,“ fuhr ich fort, „könnte ich dich zur Abwechslung auch einmal einladen. Schließlich hatte ich im April außergewöhnlich hohe Einnahmen, während es bei dir wohl gerade umgekehrt war.“
„Nein, nein, Liebste. Es bleibt dabei, dass ich bezahle. Ich nehme an, du spielst auf das Honorar für eine gewisse junge Dame an, die mir die ganze Firma aufgemischt hat. Diese Kosten bewegen sich aber im üblichen Rauschen.“

Von der Planung für den Osterurlaub hatte ich mir noch zwei Favoriten gemerkt. Wir entschieden uns dann für einen kleinen Kurort, fast 150 Kilometer von hier entfernt und ich buchte gleich online.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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