Hundertfünfundfünfzig

Wir wollen nachher alle zusammen zu einem Freizeitpark – Carsten nennt das euphemistisch „Familienausflug“ – , aber noch habe ich etwas Zeit, die Ereignisse von gestern abend zu verbloggen.

Nachdem Carsten und ich nach der Arbeit zu Carsten’s Haus gefahren waren, gingen wir zuerst mit seinen Kindern in der Nähe essen. Natürlich war auch Sven, Fiona’s Verlobter, wieder dabei.
Wieder zurück, wollten wir eigentlich ein paar Gesellschaftsspiele machen, konnten uns aber auf keines einigen. So sehr groß war die Auswahl nicht.
Also saßen wir um den Couchtisch herum und machten mehr oder weniger Smalltalk. Ich fühlte mich nicht sehr wohl in der Runde, einzig Carsten’s Anwesenheit machte das ganze für mich erträglich. Deshalb war ich wohl auch ziemlich wortkarg.
Die anderen sprachen über Personen und Begebenheiten, die ich nicht kannte, so dass ich mich ziemlich langweilte.
Irgendwie kam dann das Gespräch auf einen Reiterhof in der Nähe. Verena hatte angeblich früher dort geholfen und gejobbt. Carsten meinte an mich gewandt, ich könne dort Reitstunden nehmen, wenn ich wolle. Dieser Vorschlag gefiel mir gar nicht: „Willst du damit andeuten, dass meine Reittechnik verbesserungsbedürftig ist?“
„Nein, nein“, antwortete er schnell, „die ist perfekt.“
Verena mischte sich ein: „Ach, du kannst schon reiten? Man kann dort auch Pferde ausleihen und mieten.“
Ich auf so einem stinkenden Gaul! „Nein danke, ich habe schon einen Hengst, den ich regelmäßig reite.“
Carsten stand schnell auf und zog mich mit sich hoch: „Ich muss mal kurz mit dir reden, komm mit.“

Er zog mich hinter sich her in sein Arbeitszimmer. Die anderen blieben etwas verwirrt zurück.
„Ich will nicht, dass du vor meinen Kindern solche Anspielungen machst!“
„Ich dachte immer, du magst meine Wortspiele.“
„Wenn wir unter uns sind, ja. Aber nicht, wenn dritte Personen anwesend sind, insbesondere meine Töchter. Das sind junge, unverdorbene Mädchen, ..“
„Genau dasselbe denken meine Eltern von mir auch!“, warf ich unbeeindruckt ein.
„Ganz egal. Du wirst in jedem Fall zukünftig solche Spielchen unterlassen, wenn uns jemand zuhören kann.“
„Ich bin gespannt, wie du das durchzusetzen gedenkst.“
Er wusste genau, dass er mit Druck bei mir nicht weiterkommt, deshalb änderte er seinen Ton: „Bitte, lass es mir zuliebe.“
Ich ließ ihn einen Moment zappeln, dann antwortete ich: „OK. Ich werde brav sein. Aber ich lege Wert auf die Feststellung, dass nicht ich mit dem Thema begonnen habe.“
„Danke!“ Sein Zorn war verflogen. Er strich mir übers Haar, wickelte sich eine Strähne um den Finger.
Wir gönnten uns noch einen Quickie, und gingen dann wieder zu den anderen zurück ins Wohnzimmer.

Ich hielt es noch eine halbe Stunde aus, dann wünschte ich eine gute Nacht und zog mich ins Schlafzimmer zurück. Carsten kam etwa eine Stunde später. Damit begann endlich der gemütliche Teil des Abends.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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Eine Antwort zu Hundertfünfundfünfzig

  1. Der Maskierte schreibt:

    Jaja, wir sind alle das Ergebnis von Luftbestäubung.

    Gefällt mir

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