Hundertachtundzwanzig

Der Jour fixe war wegen des Feiertags auf Dienstag verschoben. War letzte Woche die Abteilung schon nicht vollständig gewesen, waren diesmal nur fünf Mitarbeiter anwesend, die anderen in Urlaub.

Da es aufgrund der Urlaubzeit auch kaum aktuelle Themen gab, schaffte ich die Besprechung in der Rekordzeit von einer halben Stunde.

Ich habe den Eindruck, die Mitarbeiter geben mir die Schuld am Verschwinden des alten CIOs. OK, in gewissen Sinne bin ich das auch, schließlich habe ich seine Machenschaften aufdecken können.

Aber die Mitarbeiter denken eher, dass er gehen musste, um den Job für mich freizumachen. Das ist natürlich totaler Schwachsinn. Ich habe mich sicherlich nicht darum gerissen. Ich mache den Job auch nur vorläufig. Und nur um Carsten nicht hängen zu lassen.
Allerdings muss ich zugeben, dass aus der Sicht der Mitarbeiter deren Erklärung logisch klingt. Schließlich wissen sie nicht, dass der CIO Betriebsspionage betrieben hat.

Die ganze Woche über sind mehrere Vorstellungsgespräche verteilt. Die Personalabteilung hat es nicht auf die Reihe gekriegt, die Gespräche en bloc zu legen.
Da die Personalchefin diese Woche selbst in Urlaub ist, nimmt stattdessen ein anderer Mitarbeiter aus der Personalabteilung teil.
Es trudeln auch immer noch einzelne Bewerbungen ein, die ich zuerst auf den Schreibtisch bekomme.
Je früher wir einen neuen CIO finden, desto besser.

Ich habe einige Sicherheitslücken entdeckt. Natürlich habe ich sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet, für ein paar brauche ich aber noch das OK von Carsten. Das dürfte aber nur eine Formsache sein.

Leider kenne ich die Mitarbeiter hier noch kaum, kann also schlecht einschätzen, wem ich trauen kann. Es ist nicht auszuschließen, dass der CIO Komplitzen bei seinen Mitarbeitern hatte. Ich muss mir wohl die Zeit nehmen, jeden einzeln zu überprüfen.

Ich könnte die Mitarbeiter viel besser einschätzen, wenn Carsten nicht darauf bestehen würde, dass ich mit mindestens knielangem, weitem Rock ins Büro komme. Aus früheren Erfahrungen weiß ich, dass ein enger Mini die Mitarbeiter leicht ablenkt, so dass sie unachtsamer und durchschaubarer werden, weil der Blutfluss vom Gehirn in etwas tiefere Regionen umgeleitet wird.
Vielleicht kann ich Carsten zu diesem Thema noch umstimmen. Daheim gilt ja diese puritanische Kleiderordnung nicht 😉

Außerdem werde ich Carsten dringend nahelegen, das gesamte Firmennetz von einem unabhängigen IT-Sicherheitsexperten, sprich professionellem Hacker, durchchecken zu lassen. Für mich ist das kein Kerngeschäft und ich sehe wohl nur einen Bruchteil der Probleme.

Alex hat mir eine Mail geschrieben, dass ich ihn anrufen soll. Kein Wunder, dass er mich nicht erreicht hat, ich bin ja derzeit nur noch abends zu Hause und da habe ich das Telefon abgeschaltet.
Aber ich habe nicht die geringste Lust, mit ihm zu telefonieren. Wir können alles von Relevanz per Mail abwickeln.

Advertisements

Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Hundertachtundzwanzig

  1. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #0A //1605 | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s