Hundertzehn

Carsten ist heute ohne mich nach Stuttgart gefahren. Ich kann die Zeit gewinnbringender nutzen.
Carsten meinte, es sei nur Stress: „Früh morgens hin, abends zurück, dazwischen ständig auf den Beinen. Du weißt ja noch, wie es mir letzte Woche mit Hannover ging. Stuttgart ist zwar nicht so weit weg, die Fahrt ist trotzdem lästig und ich muss sie nutzen, um Dokumente zu bearbeiten. Außerdem habe ich dort keine Gelegenheit, dich zwischendurch mal flachzulegen.“
„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, erwiderte ich, „es muss ja gar nicht im Liegen sein. Aber du hast wohl recht, ich bleibe hier und erwarte dich dann abends sehnsüchtig.“

Wir hatten den gestrigen Abend in Carsten’s Haus verbracht, da er ohnehin einiges von zuhause brauchte und einpacken musste. Warum hätten wir die Nacht auch getrennt verbringen sollen?
So musste ich halt schon sehr früh wieder aufstehen, damit Carsten mich noch früh auf dem Weg zum Bahnhof bei meiner Wohnung absetzen konnte.
Auf dieser Fahrt sagte er: „Überleg dir schon mal, was wir am Wochenende zusammen unternehmen wollen!“
„Ach, da brauch ich nicht lange zu überlegen, das weiß ich schon“, ich zwinkerte ihm vielsagend zu.
„Ja, das sowieso, du wirst schon nicht zu kurz kommen. Aber ich dachte, du hättest vielleicht mal Lust, irgendwo hinzugehen. Überleg es dir. Wir machen, was immer du willst.“

Dann wechselte er das Thema: „Hast du dich schon wegen des Osterurlaubs umgeschaut?“
„Nein. Gestern ist einer meiner besten Kunde abgesprungen. Jetzt kann ich mir keinen Urlaub mehr leisten.“
„Hm. War das der, den du immer um den Finger wickelst?“
„Nein, der, der mich nur ins Bett kriegen wollte.“
„Wie furchtbar! Andererseits kann ich das gut nachvollziehen. Na, jetzt mach dir keine Sorgen um das Geld. Ich wollte dir ohnehin alles bezahlen. Du musst mich nur lassen.“
„Du hast schon zu viel Geld unnötig für mich ausgegeben.“
„Und wenn schon!“, er wurde allmählich ungeduldig, „das war meine eigene Entscheidung. Ich kann für meine Liebste soviel Geld ausgeben wie ich will. Und wenn ich sie zu vier Wochen Luxusurlaub auf den Malediven oder in Dubai einladen wollte, wäre ich auch niemandem Rechenschaft schuldig. Nur sie selbst ist so störrisch und sträubt sich wegen ein paar Tagen Kurzurlaub!“
„OK, OK, du hast wieder mal gewonnen. Aber beschwer dich nachher nicht, wenn ich dich komplett ausnehme!“
„Ich glaube, dieses Risiko kann ich eingehen.“

Mittlerweile waren wir bei meiner Wohnung angekommen. Carsten hatte keine Zeit auszusteigen, da er seinen Zug erwischen musste.

So, ich habe jetzt einen ganzen Tag lang unverplant Zeit, einiges aufzuarbeiten und vor allem vorzuarbeiten.
Carsten wird wohl nicht vor neun Uhr abends zurück sein.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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Eine Antwort zu Hundertzehn

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