Neunzig

Ein wunderschönes Wochenende liegt hinter mir.
Eigentlich hatten Carsten und ich ja vor gehabt, ins Kino oder Theater zu gehen. Aber es lief nichts, was uns gereizt hätte. Allerdings haben wir uns fest vorgenommen, im März in „Unser Leben“ zu gehen.
Irgendwelche Faschingsveranstaltungen wollten wir uns keinesfalls antun.

So trafen wir uns am Samstag nachmittag in der Stadt zu einem ausgiebigen Stadtbummel. Wir aßen schon ziemlich bald in einem asiatischen Restaurant zu Abend.
Carsten schien es ziemlich zu amüsieren, dass ich zwei Portionen gebackene Bananenbällchen verputzte – naja, nicht ganz, ein paar gab ich ihm auch ab.
Zum Glück kann ich mir leisten, so viel zu essen, wie ich mag und brauche mich nicht mit einem Salat oder so zu begnügen. Ich bin von Natur aus so schlank, wie es sich noch mit weiblichen Kurven vereinbaren lässt.

Wir unterhielten uns unter anderem über Urlaube. Ich erzählte – wenn auch nicht in allen Details – vom Urlaubsfiasko im letzten Herbst.
Carsten war schon mehrere Jahre lang nicht mehr in Urlaub gefahren. Geschäftlich dagegen ist er häufig unterwegs, zuletzt erst in Bangalore.

Er erzählte auch, wie stressig er abends die Fahrt nach Hause empfindet. Nach Feierabend über 30 Kilometer fahren und nur ein leeres Haus vorfinden.
Ich machte ihm den Vorschlag, doch einfach bei mir vorbeizukommen. Meine Wohnung liegt fast auf dem Weg und zumindest Kaffee habe ich immer da. Wenn ich weiß, dass er kommt, besorge ich sogar etwas zum Abendessen.
Zur Zeit mache ich schon zwischen vier und fünf Feierabend und er ist herzlich willkommen, hier erst eine Zeitlang zu relaxen, bevor er den endgültigen Heimweg antritt.
Er meinte, das wäre sicherlich nett, aber er sei oft bis acht oder neun im Büro, und da wolle er mich nicht mehr stören.
„Ach was, du kannst ruhig kommen. Ich habe abends nichts anderes zu tun und vor elf Uhr gehe ich eh nicht ins Bett.“
„Also gut, wir können es ja mal probieren, aber ich bringe etwas zum Essen mit.“
Damit war ich einverstanden.

Abends sahen wir uns bei Carsten noch zwei witzige Filme an. Dann zog ich mich ins Gästezimmer zurück.

Da weder Carsten noch ich zu frühstücken pflegen, begannen wir den Sonntag morgen nur mit Kaffee, um munter zu werden.
Bei unserem Gespräch kamen wir dann irgendwie auf den Tod von Whitney Houston. Carsten hatte vor über 20 Jahren einmal ein Konzert von ihr besuchen können.
Spontan fragte ich ihn, ob er nicht am Klavier etwas von ihr spielen könne.

Ich sang zu seiner Begleitung „The greatest love of all“. Naja, mir fehlt die Übung. Einige Passagen hätten etwas glatter sein können, aber insgesamt war es ganz gut.
Wir sangen noch länger weiter. Ich zähle jetzt einfach alles auf, soweit ich es mir gemerkt habe:

Carsten: „Let it be“
Duett: „California dreaming“
Ich: „Don’t speak“
Carsten: „Rock’n’Roll dreams come true“
Duett: „Loving you is a dirty job“
Ich: „Set fire to the rain“
Duett: „Next time I fall“
Carsten: „Your love is a lie“
Duett: „Don’t go breaking my heart“

Alles wunderschöne, wenn auch etwas schnulzige Songs.

Ach, wir waren so gut drauf!
Und plötzlich wünschte ich mir nur, Carsten würde mich einfach in den Arm nehmen. Tja, ich kann wohl allmählich nicht mehr vor mir verleugnen, wie viel er mir inzwischen bedeutet.
Aber ich werde keinesfalls den ersten Schritt machen. Diese Freundschaft ist mir viel zu viel Wert, als dass ich sie mit banalem Sex zerstören würde.

Mittags ließen wir uns eine Pizza kommen.

Nach einem Spaziergang verbrachten wir den Rest des Nachmittags mit Kartenspielen.
Carsten meinte, er würde ein Schachspiel, sowie Mühle und Dame besorgen, aber im Moment hatte er nur Karten.
Ich hatte schon seit ewigen Zeiten nicht mehr Karten gespielt, aber es machte einen Riesenspaß.
Wir spielten vor allem Sechsundsechzig und Tausendeins. Dann fiel uns auf, dass sich sowohl 66 als auch 1001 durch 11 teilen lassen.
Mit weiteren Zahlenspielchen alberten wir herum und amüsierten uns dabei köstlich.

Nach sieben machte ich mich wieder auf den Heimweg.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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Eine Antwort zu Neunzig

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