Einundsechzig

Gestern haben wir drei Vorstellungsgespräche hinter uns gebracht.

Außer Carsten und mir waren noch der CIO und die Personalreferentin anwesend.

Der CIO hatte Anweisung, nur zuzuhören, während ich auch geeignete Fragen stellen sollte.
Die Personalreferentin machte den allgemeinen Kram.

Carsten führte das eigentliche Gespräch.
Beim fachlichen Teil fragte er immer nach dem Cosinussatz. Keiner der Kandidaten konnte jedoch etwas dazu sagen.
Wie Carsten mir später anvertraute, habe er ja nicht mal eine Formel hören wollen. Eine Aussage wie „verallgemeinerter Pythagoras“ hätte ihm ja schon genügt. Er war ziemlich erschüttert, dass kein einziger Bewerber etwas mit dem Cosinussatz habe anfangen können. So habe er seine zweite Standardfrage (dazu später mehr) gar nicht mehr anbringen können, da sich die Bewerber dadurch als ungeeignet erwiesen haben.

Ich stellte jedesmal eine andere Frage, was mir gerade einfiel: Sockets, SQL und Hooks.
Nur der Kandidat mit der SQL-Frage gab einigermaßen befriedigende Antworten, wobei natürlich gerade SQL ziemlich leicht ist.

Insgesamt – da gab ich Carsten recht – war keiner der drei Bewerber ausreichend qualifiziert. Das hätte man vielleicht schon aus dem Lebenslauf herauslesen können und auf die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch verzichten können. So war das jetzt vertane Zeit.
Die Personalreferentin hatte die Auswahl der Bewerber getroffen und Carsten will mit ihr reden und Kriterien erläutern, nach denen Bewerber für eine Entwicklerstelle eingeladen werden.

Als ich später noch mit Carsten in seinem Büro saß und wir einen Kaffee tranken, kamen wir nochmal auf den Cosinussatz zurück. Ich fragte Carsten, ob es wirklich notwendig sei, dass ein Entwickler so spezielle trigonometrische Sätze parat hat, die er ja auch in einer Formelsammlung nachlesen kann, sprich er muss sie anwenden können und nicht unbedingt namentlich benennen können.
Carsten meinte, der Cosinussatz sei schon sehr wichtig und nicht zu speziell. Tensoranalytische Kenntnisse würde er dagegen nicht erwarten.
Ich musste lachen, weil ich mir eine Diskussion über Christoffelsymbole vorstellte.

Carsten erzählte weiter, dass er sonst potentiellen Entwicklern, die den Cosinussatz-Test bestanden haben, noch eine zweite Frage stellt: wie sie eine MC-Simulation von Diffusionsvorgängen implementieren würden.
Ich schaute erstmal ziemlich entgeistert, war das ernst gemeint? Dann lachte ich laut auf, wehe dem Bewerber, der die Fick’schen Gesetze mit dem Kamasutra verwechselt!

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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Eine Antwort zu Einundsechzig

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