Einunddreißig

Sabine war unglaublich nervig.
Sie heulte und heulte ohne Unterlass.

Irgendwann habe ich sie dann gefragt, was sie eigentlich so schlimm daran findet, dass ihr Mann Pornos schaut.
Sie schluchzte laut auf: „Ach, das verstehst du nicht. Du hast ja keinen Mann.“ – das hatten wir schon mal. Sie war nicht zu einem vernünftigen Gespräch fähig.

Ich versuchte es nochmal: „Es ist doch besser, als wenn er fremd ginge.“ Erneutes Aufheulen. An diese Möglichkeit hatte sie anscheinend noch einmal gedacht.
Schließlich schniefte sie: „Er liebt mich nicht mehr.“

„Ach Unsinn. Das hat damit gar nichts zu tun. Wenn er dich vorher geliebt hat,“ (ich konnte es nicht vermeiden, dies in mentale Gänsefüßchen zu setzen) „dann liebt er dich auch weiterhin.“

Gerade da klingelte es an der Tür.
Siedheiß fiel mir ein, dass ich mit Carsten ausgemacht hatte, dass er heute zu einer geschäftlichen Besprechung vorbeikommen solle. Und ich hatte diesen wichtigen Termin vergessen! Zudem saß dieses heulende Elend auf meiner Couch, während ihre Kinder den Rest der Wohnung unsicher machten.

Ich hatte die Absicht, Carsten möglichst unauffällig in mein Arbeitszimmer zu schleußen (Mist, da lag immer noch Robin’s Luftmatratze und Bettzeug rum), aber da machte mir Sabine einen Strich durch die Rechnung. Und ich hatte mehr und mehr das Gefühl, in einer schlechten Hollywood-Komödie gelandet zu sein.

Als ich mit Carsten durchs Wohnzimmer zum Arbeitszimmer ging, blieb mir gar nichts anderes übrig, als die beiden einander vorzustellen.
Sabine ignorierte meinen Hinweis, dass es sich um einen wichtigen Kunden handelte und sprudelte ihre ganze Story heraus.
Ich hätte im Erdboden versinken mögen, besonders als Sabine noch hinzufügte: „Anne sagt, dass das alle Männer machen und dass mein Mann mich trotzdem liebt. Stimmt das? Machen Sie das auch?“

Ich konnte nicht mehr an mich halten und fuhr sie an: „Sabine, spinnst Du jetzt total? Wie kannst du das nur einen meiner Kunden fragen!“
Aber Carsten reagierte souverän: „Ist schon gut.“

Dann unterhielt er sich noch eine Weile mit Sabine. Ich kann jetzt den ganzen Wortlaut nicht wiedergeben. Aber es lief etwa auf folgendes heraus: in fester Paarbeziehung selten, als Single oft. Man(n) muss sich nur auf sich selbst konzentrieren, muss keine Bedürfnisse anderer erfüllen, muss keine Rücksicht nehmen, kann sich entspannen, und so weiter.
Und – was ich bereits vergeblich versucht hatte, Sabine klarzumachen – es hat absolut nichts mit den Gefühlen gegenüber der Partnerin zu tun.

Sabine schluchzte noch einmal auf: „Also liebt er mich trotzdem?“ Carsten versicherte ihr fest: „Aber selbstverständlich.“
Ihm schien sie zu glauben.

Innerhalb einer halben Stunde hatte Sabine ihre Sachen zusammengepackt und hatte mit ihren Kindern meine Wohnung verlassen.

Ich versuchte mich bei Carsten für die Peinlichkeiten zu entschuldigen, aber er winkte nur ab.
Unser geschäftliches Gespräch lief dann zum Glück glatt und ich bekomme definitiv nächste Woche den Vertrag.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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6 Antworten zu Einunddreißig

  1. sweetsurrender schreibt:

    DAS ist jetzt nicht wirklich passiert oder?

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Elfhundertneunundachtzig | breakpoint

  3. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #02 //1549 | breakpoint

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