Dreißig

Der worst case ist eingetroffen:
Meine Schwester Sabine ist seit Samstag mit ihren Kindern hier.

Sie hat ihren Mann erwischt, wie er Pornos schaute und dabei masturbierte. Das mit dem Masturbieren hat sie zwar nicht so explizit gesagt, aber das habe ich mir zusammengereimt. Erfahrungsmäßig masturbieren ca. 95% aller Männer beim Pornogucken. Über die restlichen 5 Prozent will ich mich lieber gar nicht äußern.

Jetzt übernachtet Sabine hier auf meiner Wohnzimmercouch. Heidi schläft auf einer Luftmatratze im Wohnzimmer und Robin im Arbeitszimmer.
Obwohl Sabine ziemlich überstürzt aufgebrochen sein muss, hat sie daran gedacht, Luftmatratzen und Bettzeug einzupacken.

Heidi und Robin – warum hat Sabine sie nicht gleich Chantal und Kevin genannt – stellen mir die ganze Bude auf den Kopf und Sabine heult in einer Tour.
Zum Glück habe ich zur Zeit nichts wirklich dringendes zu arbeiten.

Ich habe gerade noch geschafft, Alex zu verständigen, dass er nicht kommen soll, wie wir es eigentlich ausgemacht hatten.

Thorsten, Sabine’s Mann, hat am Samstag mal hier angerufen, weil er seine Familie suchte, aber ich konnte ihn irgendwie überzeugen, dass ich keine Ahnung hätte, wo sie sich aufhalten. Sonst wäre er mir wohl auch noch auf die Pelle gerückt.

Normalerweise sind die gut 100 Kilometer Entfernung genug, dass ich mich sicher fühle, aber diesmal hat die Entfernung nicht ausgereicht.

Und Sabine heult und heult.
Ich habe ihr gesagt, dass es ganz normal ist, dass Männer Pornos schauen. Alle machen das. Und wenn sie behaupten, dass sie es nicht tun, dann lügen sie. Und bei den wenigen, die tatsächlich die Wahrheit sagen, ist erst recht was faul.

Aber sie heulte nur: „Woher willst du das wissen? Du hast ja gar keinen Mann.“

Ich erzählte ihr irgendwas von „allgemeiner Lebenserfahrung“ und dass Pornos meistens harmlos wären, worauf sie mich fragte, ob ich denn schon Pornos gesehen hätte.
Ich antwortete ihr, dass ich keine schaue. Mir sind die viel zu langweilig. Es ist immer wieder nur das gleiche. Da ist meine eigene Fantasie um Klassen besser. Aber das sagte ich ihr lieber nicht so genau.

Robin wollte an meinem Computer spielen. Er meinte wohl, ich hätte da alle mögliche Spiele installiert.
Meine Versuche, ihn davon zu überzeugen, dass es sich um einen Arbeitsrechner handelt, waren ziemlich wirkungslos.
Wenigstens kann er sich an meinem Passwort nicht vorbeihacken.

Hier herrscht das Chaos. Nur in aller Frühe, wenn die Kinder noch schlafen und Sabine mit rotgeweinten Augen auf der Couch vor sich hinstarrt, komme ich dazu, meinen Computer zu nutzen.

Wenn nicht noch Ferien wären, hätte Sabine nicht einfach mit ihren Kindern wegfahren können. Das heißt, sie muss spätestens bis nächsten Dienstag wieder weg sein.
Ob ich das allerdings so lange aushalte …

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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3 Antworten zu Dreißig

  1. thedrummerguy schreibt:

    Manmanmanmanman, ich lese hier gerade mal von hinten nach vorn und bin an diesem Beitrag hängen geblieben. Mir drängt sich die Frage auf, was Sabine macht, wenn etwas wirklich Nennenswertes passiert. Klar, in Jubelgeschrei und Anfeuerungsrufe würde ich bei dem Anblick auch nicht gerade ausbrechen, aber – meine Güte – es gibt schlimmeres! Gleich Reißaus zu nehmen… ist das nicht _etwas_ übertrieben?!
    Man hätte sich auch interessiert daneben setzen können… 😀

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #02 //1549 | breakpoint

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