Fünfundzwanzig

Ich habe wieder mal eine Workaholic-Phase hinter mir. Wenigstens dauert die bei mir selten länger als eine Woche.
Aber wenn ich so richtig im Flow bin, dann finde ich halt kein Ende und keine Zeit für andere Tätigkeiten. Selbst das Essen habe ich schon manchmal vergessen (das Zubereiten ist so lästig – es reicht nur für Unmengen Kaffee).

Insbesondere habe ich dieses Blog vernachlässigt. Allerdings gab es auch einige Tage lang nichts wirklich erwähnenswertes. Aber jetzt sollte ich langsam zum Kern kommen:

Am Freitag spätnachmittags war ich ziemlich fertig mit Kodieren und war an einem definierten Punkt angekommen. Ich hatte gerade den letzten Compilerlauf ausgeführt und war im Begriff meine Änderungen in die Versionsverwaltung zu committen, als es an der Tür klingelte.

Es war Carsten, der Chef von Novosyx. Wir hatten ja ausgemacht, dass er mich einmal aufsucht. Allerdings hätte ich doch erwartet, dass er vorher anruft. Er entschuldigte sich zuerst. Ein Termin, den er in der Nähe hatte, war früher als geplant zu Ende. Er hätte mich telefonisch nicht erreichen können (grrr, ich hatte das Telefon tatsächlich abgestellt, um nicht gestört zu werden), wäre aber trotzdem gekommen, weil er nächste Woche auf einer Dienstreise sei.

Ich bat ihn, zunächst fünf Minuten im Wohnzimmer zu warten, während ich im Arbeitszimmer meinen Commit machte und dann den Rechner in den Winterschlaf schickte. Erst dann fiel mir ein, dass ich den Rechner vielleicht noch für das Gespräch gebraucht hätte. Und das tägliche Backup war auch noch nicht gelaufen.

Egal, ich ging zurück ins Wohnzimmer und bot ihm einen Kaffee an. Da muss mein Magen wohl geknurrt haben. Zumindest lachte er und fragte, ob eine Mahlzeit nicht angebrachter sei. Er sei auch hungrig und würde mich gerne einladen. In einem Restaurant könnten wir genauso reden.

Ich nahm das Angebot gerne an. Wir haben dann über alles mögliche gesprochen – nur nichts geschäftliches, so dass ich wirklich ein schlechtes Gewissen hätte, die Zeit dafür beruflich abzurechnen.

Er ist seit ein paar Monaten verwitwet. Die zwei Kinder haben beide kürzlich Abi gemacht.

Er erzählte von Bastet, die Katze, die er als Junge hatte, und an die ich ihn angeblich erinnere. Ich wusste nicht so recht, wie ich das auffassen sollte, aber er meinte, Katzen seien unabhängig, stolz und klug, zeigten auch mal die Krallen und setzen sie, falls nötig, ohne zu zögern ein. Wenn sie jemandem jedoch vertrauen, sind sie anschmiegsam und zärtlich.
Ich schaute wohl ziemlich skeptisch, denn er fügte hinzu, ich solle es ruhig als Kompliment auffassen.

Ihm hat das „Hier ist der Stehpinkler willkommen“-Schild gefallen, das in meinem Bad hängt. Ich verschwieg, dass es eigentlich nicht von mir selbst, sondern einem früheren Lover stammt. Immerhin stimme ich der Aussage zu und habe das Schild hängen lassen – ergänzt um „treffsichere“.

Ich erwähnte irgendwann, dass ich keine Blumen mag, weil die eh nur verwelken, und dass deshalb Blumen, die ich geschenkt bekomme, sofort auf dem Biomüll landen. Er schien das gut zu verstehen und fragte, mit was man mir dann eine Freude machen könne.
Ich offenbarte meine Vorliebe für Trüffeln und jede Art von alkoholischen Pralinen, insbesondere die mit Nuss. Allerdings keine Mon Cheri, weil ich die labberige Kirsche darin einfach widerlich finde.

Insgesamt saßen wir noch ziemlich lange zusammen und ich habe mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten.
Den Beratervertrag habe ich de facto sicher, es ist nur noch nicht offiziell.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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2 Antworten zu Fünfundzwanzig

  1. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #02 //1549 | breakpoint

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